Geheime US-Depeschen: "Das Imperium ist nackt"

Washington - Dutzende Politiker und Staatsoberhäupter wurden in den von Wikileaks veröffentlichten Geheimdokumenten nicht unbedingt schmeichelhaft chrakterisiert. Einen Tag später beziehen sie nun Stellung.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy

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Die von Wikileaks veröffentlichten Depeschen amerikanischer Diplomaten stellen nach Ansicht von Sarkozy “den letzten Grad der Unverantwortlichkeit“ dar. Nach Angaben von Regierungssprecher François Baroin äußerte sich Sarkozy bei einer Kabinettssitzung am Dienstag entsprechend. Er war nach den veröffentlichen Dokumenten von US-Diplomaten als “empfindlich und autoritär“ sowie als der “pro-amerikanischste (französische) Präsident seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet worden. Das Außenministerium in Paris hatte jede Stellungnahme zu den Dokumenten am Vortag abgelehnt.

Conrad Tribble, US-Generalkonsul in Bayern

Tribble bemüht sich nach den Wikileaks-Enthüllungen zu seinen wenig schmeichelhaften Äußerungen über Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) um Schadensbegrenzung. Tribble sagte dem “Münchner Merkur“ (Dienstagausgabe), er sehe in der Angelegenheit “kein großes Drama“. Zwar mache er sich “gewisse Sorgen“ um das bayerisch-amerikanische Verhältnis. Aber zum Glück gebe es eine “sehr gute, enge Partnerschaft auf vielen Ebenen“. Tribble fügte hinzu: “Auch diese Herausforderung werden wir gut überstehen.“ Diplomatische Arbeit sei “eben weit mehr, als ein paar Gespräche aufzuschreiben“.

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez

Chávez hat die US-Regierung nach den Wikileaks-Enthüllungen scharf angegriffen. Die veröffentlichten Diplomaten-Berichte zeigten, dass die USA ein gescheiterter Staat seien, der keine Verbündeten und Freunde habe und dem es nur um Hegemonie gehe, sagte Chávez am Montagabend (Ortszeit) im staatlichen Fernsehsender VTV.

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“Jemand sollte zurücktreten in den Vereinigten Staaten. Ich sage nicht, dass dies (Präsident Barack) Obama sein soll, aber sie sollten das aus Schamgefühl tun. (...) Das Imperium ist nackt. Señora Clinton sollte zurücktreten. Das ist das Wenigste, was sie (US-Außenministerin Hillary Clinton) machen kann“, betonte Chávez weiter.

Die Leute von Wikileaks müsse man für ihren Mut beglückwünschen. Durch Wikileaks wisse man, dass Washington Spaniens Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero für ein Mitglied einer “veralteten und romantischen Linken“ halte, sagte Chávez am Montag (Ortszeit) im staatlichen Fernsehen. “Was werden sie über (Spaniens König) Juan Carlos sagen? Was werden sie über Chávez sagen? Clinton sollte zurücktreten. Das ist das Beste, was diese Dame und die Delinquenten im State Department tun können, anstatt von einem Raub (der Informationen) zu sprechen.“

US-Botschafter Philip Murphy

Deutschland und die USA können nach Auffassung von Murphy auch nach der Wikileaks-Affäre vertrauensvoll zusammenarbeiten. “Wir kehren zur Tagesordnung zurück“, sagte er am Dienstag in Wiesbaden. Grund dafür seien die über Jahrzehnte sehr engen Beziehungen beider Länder und die Tatsache, dass sie gemeinsam vor großen Aufgaben in der Weltpolitik stünden. “Die Welt wird nicht auf uns warten“, sagte Murphy bei einem Treffen mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Friedrich hat die Veröffentlichung tausender interner Berichte von US-Botschaften auf der Internet-Plattform Wikileaks scharf kritisiert. “Das ist sozusagen eine Art Stasi, die ich ablehne“, sagte er am Dienstag in Berlin. Die Veröffentlichungen seien unverantwortlich, weil durch sie die außenpolitischen Interessen der USA und damit indirekt auch jene Deutschlands geschädigt würden. Niemand habe das Recht, aus Profitgier oder Wichtigtuerei das für den Erhalt von Frieden und Stabilität wichtige Vertrauen in die USA zu erschüttern.

Er könne kein berechtigtes öffentliches Interesse daran erkennen, zu wissen, was etwa der US-Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, über einen Politiker denke. “Es wird die Vertraulichkeit des Wortes verletzt. Ich kann doch auch nicht sagen, es darf jetzt jeder Gangster die Briefe aufmachen, die der Botschafter an seinen Präsidenten schickt, weil es ist ja in öffentlichem Interesse.“ In einem der Berichte wird CSU-Chef Horst Seehofer beispielsweise laut “Spiegel“ als “unberechenbarer Politiker“ bezeichnet.

dpa/dapd

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