Generalstreik:Unmut der Griechen entlädt sich

Athen - Griechenland drückt seinen Protest gegen die drastischen Sparmaßnahmen der Regierung in einem Generalstreik aus. Selbst gewerkschaftsnahe Polizisten wollen teilnehmen.

Der wachsende Unmut der Griechen über neuerliche Sparmaßnahmen hat sich am Donnerstag in einem weiteren Generalstreik entladen. Der öffentliche Verkehr kam zum Erliegen, Fähren blieben in den Häfen und Schulen geschlossen. Auch Zeitungen, Gerichte und staatliche Krankenhäuser beteiligten sich an dem Ausstand oder arbeiteten im Notbetrieb - aus Protest gegen den drastischen Sparkurs der Regierung.

Der Zorn der Gewerkschaften richtet sich vor allem gegen Rentenkürzungen und eine Verringerung der Arbeitnehmerrechte. “Wir beharren auf unserem Protest, weil wir recht haben“, sagte der Chef der Dachgewerkschaft GSEE, die zu dem Streik aufgerufen hatte. Im Laufe des Tages waren zwei Demonstrationszüge durch Athen geplant. Daran wollten auch gewerkschaftsnahe Polizisten teilnehmen. Frühere Proteste waren in Gewalt ausgeartet. Am drastischsten waren die Folgen am 5. Mai, als drei Bankangestellte ums Leben kamen, nachdem vermutlich anarchistische Randalierer das Bankgebäude in Brand gesetzt hatten.

Regierungspartei bekommt Widerspruch aus eigenen Reihen

Am Mittwochabend beschloss das Parlament eine weitere Kürzung der Renten und Sozialleistungen, zudem wurde das Pensionsalter für Frauen von 60 auf 65 Jahre angehoben. Abweichler in der Regierungsfraktion der Sozialisten kritisierten die Einschnitte offen, zum Schluss beugten sie sich aber dem Druck der Partei. In einzelnen Punkten hatten sie die Kürzungen in einer elf Stunden dauernden Sitzung zuvor aber noch abgeschwächt.

Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte zu, einige der Einschnitte rückgängig zu machen, sobald sich Griechenland einigermaßen von den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise erholt hat. Der Regierungschef war in den ersten Monaten seiner Amtszeit trotz des drastischen Sparkurses beliebt. In den vergangenen Wochen hat er aber deutlich an Zustimmung verloren. Seine Partei lag am Wochenende bei einer Umfrage im Auftrag der Athener Tageszeitung “To Vima“ noch bei 23,4 Prozent, bei den Wahlen im Oktober hatte sie noch 43,9 Prozent erzielt.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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