Neuer Toter wirft Fragen auf

Wirbel um Gift-Anschlag: Merkel erhöht Druck auf Russland

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Russland nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zur Aufklärung aufgefordert.

Nach dem Anschlag auf einen russischen Ex-Spion und dessen Tochter fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel Konsequenzen.

Update 13. März, 18.40 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Russland nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal zur Aufklärung aufgefordert. Es sei an Russland, "rasche Antworten auf die berechtigten Fragen der britischen Regierung zu geben", machte Merkel nach Angaben eines Sprechers am Dienstag in einem Telefonat mit der britischen Premierministerin Theresa May deutlich. Die Kanzlerin verurteilte den Anschlag demnach "auf das Schärfste".

Merkel habe versicherte, sie nehme die Einschätzung der britischen Regierung zur Frage einer russischen Verantwortung für den Anschlag "außerordentlich ernst". Moskau müsse der britischen Aufforderung "nach vollständiger und umgehender Offenlegung des einschlägigen Chemiewaffenprogramms" gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) folgen.

Unterdessen ist  in Großbritannien abermals ein russischer Exilant tot aufgefunden worden. Bei dem in London gefundenen Toten handle es sich um einen früheren Geschäftspartner des Kreml-Kritikers Boris Beresowski, der seinerseits 2013 nahe London tot aufgefunden worden war, berichteten britische und russische Medien am Dienstag. Die britische Anti-Terror-Polizei leitete nach eigenen Angaben eine Untersuchung zu dem neuerlichen Todesfall ein. Britische Medien gaben den Namen des Toten mit Nikolai Gluschkow an.

Russland geht zum Gegenangriff über

In der Affäre um den vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal setzt Russland zum Gegenangriff an. Während sich westliche Staaten demonstrativ an die Seite Großbritanniens stellten, wies Moskau am Dienstag ein britisches Ultimatum zurück und richtete schwere Vorwürfe gegen London. Das russische Außenministerium nannte die Anschuldigungen einen "schmutzigen Versuch der britischen Behörden, Russland in Verruf zu bringen". London erwartet bis Dienstag um Mitternacht Erklärungen von Russland.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow verlangte am Dienstag Zugang zu den in Großbritannien sichergestellten Nervengift-Proben und warf London vor, sich nicht an die Vorgaben der Chemiewaffenkonvention zu halten. "Bevor uns jemand Ultimaten stellt, sollte er seine eigenen Verpflichtungen gemäß dem internationalen Recht erfüllen", sagte Lawrow in Moskau.

Demnach hätte Großbritannien gemäß der Chemiewaffenkonvention eine offizielle Anfrage zu dem eingesetzten Nervengift schicken und Russland Zugang zu der Substanz gewähren müssen. Russland habe "über eine offizielle Note" Zugang zu dieser Substanz und zu weiteren Ergebnissen der britischen Ermittler gefordert, sagte Lawrow. Die Anfragen seien aber abgelehnt worden. Russland sei im Fall Skripal "unschuldig" und zur Zusammenarbeit bereit - wenn Großbritannien seinerseits kooperiere.

EU solidarisch mit Briten - auch Trump äußert klaren Verdacht 

Straßburg - Nach dem Nervengift-Anschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter hat die EU-Kommission Großbritannien Solidarität zugesagt. „Wir können es nicht zulassen, dass Giftgas in unseren Gesellschaften eingesetzt wird“, sagte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, am Dienstag vor den Abgeordneten des Europaparlaments. „Das sollte von uns allen angesprochen werden, und nicht nur von (der britischen) Premierministerin May und der britischen Regierung.“ Europa müsse den Verantwortlichen „eindeutige, unerschütterliche und sehr starke“ Solidarität zeigen, sagte Timmermans.

Attentat mit Nervengift

Skripal (66) und dessen Tochter Yulia (33) waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Bei dem Attentat auf die beiden war nach britischen Angaben das in der früheren Sowjetunion produzierte Nervengift der Nowitschok-Serie verwendet worden. Die britische Premierministerin Theresa May hatte am Montagabend erklärt, Russland sei "höchstwahrscheinlich" für den Nervengift-Angriff auf den russischen Ex-Agenten Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien verantwortlich.

Russland äußerte sich zu Mays Vorwürfen und unterstellte ihnen eine Zirkus-Nummer.

Gabriel: Verantwortliche für Giftanschlag müssen zur Rechenschaft gezogen werden

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat sich "sehr besorgt" über den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien gezeigt. Er habe mit dem britischen Außenminister Boris Johnson über den Fall gesprochen, erklärte Gabriel am Dienstag in Berlin. "Wir verurteilen diesen Anschlag mit einer verbotenen chemischen Waffe auf das Schärfste."

Die Bundesregierung stehen in dieser Sache solidarisch an der Seite Großbritanniens und befinde sich in engem Austausch mit der britischen Regierung. "Klar ist: Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", fügte Gabriel hinzu. "Sollte sich bestätigen, dass Russland dahinter steht, wäre das ein sehr ernster Vorgang."

Nach Einschätzung von Trump steckt Russland hinter Giftmordanschlag auf Ex-Spion

Nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump trägt der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion in Großbritannien die Handschrift Moskaus. "Für mich sieht es danach aus, dass es Russland gewesen sein könnte", sagte Trump am Dienstag in Washington mit Blick auf die bislang vorliegenden "Beweise".

Er kündigte für den Dienstag ein Gespräch mit der britischen Premierministerin Theresa May an. Wenn dann alle Fakten auf dem Tisch lägen und die USA diesen "zustimmen" sollten, werde Russland verurteiltc.

Wenige Stunden vor seiner Entlassung hatte bereits US-Außenminister Rex Tillerson erklärt, die USA stimmten mit ihrem Verbündeten Großbritannien überein, dass Russland "wahrscheinlich" hinter dem Anschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter stehe. May hatte Russland am Montag verantwortlich gemacht.

dpa/afp/sms

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