Mit Großaufgebot gegen Clans 

Groß-Razzia in NRW: Polizei veröffentlicht eine erschreckende Bilanz

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Razzien in NRW.

Großrazzia gegen Clans in NRW: Was die Polizei gefunden hat, ist erschreckend. Es gibt eine deutliche Ansage des NRW-Innenministers.

Update 17.15 Uhr: Das nordrhein-westfälische Innenministerium spricht von der größten Razzia gegen kriminelle Clanmitglieder in der Geschichte des Bundeslandes. Insgesamt seien mehr als 1500 Menschen kontrolliert worden, teilte das Ministerium am Sonntag mit. 14 Menschen wurden demnach festgenommen und über 100 Strafanzeigen erstattet. Hunderte Kilogramm unversteuerter Tabak, zehn Waffen wie verbotene Messer und Teleskopschlagstöcke und einige Tausend Euro Bargeld seien sichergestellt worden. Die Behörden schlossen 25 Betriebe wegen Baurechts- oder Hygienemängeln.

Update 15.07 Uhr: Erich Rettinghaus, der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte das entschlossene Vorgehen gegen kriminelle Clans nicht nur - er benannte es auch als „seit vielen Jahren überfällig.“ 

„Der Null Toleranz Kurs gegen Kriminelle ist eine Motivation für alle Kolleginnen und Kollegen, die das und den entsprechenden Rückhalt und Wertschätzung ihrer Tätigkeit in der Politik lange sträflich vermisst haben. Und wenn dann auch noch unser Innenminister mit im Einsatz vor Ort ist, wird das sehr positiv aufgenommen“, erklärte Rettinghaus in einer Pressemitteilung und betonte weiterhin: „Die Ergebnisse der konzertierten Aktion gegen kriminelle Clans sprechen deutlich für sich und begründen die Notwendigkeit eines entschlossenen Vorgehens auf allen Ebenen in Kooperation mit den involvierten Sicherheits-, Finanz- und Ordnungsbehörden. Kriminelle Strukturen und das Nichtakzeptieren unseres Rechtsstaats ist nicht hinnehmbar.“

Warum die Razzia gegen Clans in NRW?

Update 14.16 Uhr: Die Polizei in NRW führte die groß angelegte Razzia durch, um gegen kriminelle Mitglieder aus dutzenden Familien vorzugehen. „Aktuell ist von der Existenz von etwa 50 Clanfamilien in NRW auszugehen, aus denen heraus vermehrt Straftaten begangen werden“, erklärte Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) gegenüber DER WESTEN

Viele Araber-Clans sind nicht kriminell - doch laut DER WESTEN haben sich manche zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, erkennen staatliche Strukturen nicht an und ergaunern unter anderem mit Drogenhandel, Schutzgelderpressung und Diebstahl ihr Geld. 

„Die phänomenologischen Schwerpunktsetzungen im Kontext der Clanfamilien orientieren sich weniger an einzelnen etablierten Kriminalitätsfeldern als an kriminellen Märkten, die besonders lukrativ sind und dabei gut durch große, gleichwohl gut abgeschottete Personenstrukturen besetzt werden können“, lautet die Auskunft vom Landeskriminalamt.

1300 Polizisten bei Razzia im Einsatz

Update, Sonntag, 11.20 Uhr: 

Bei der großangelegten Razzia gegen Clankriminalität im Ruhrgebiet haben die Einsatzkräfte Betäubungsmittel, unverzollten Tabak und Geld sichergestellt. Etwa 1300 Polizisten hatten am Samstagabend zeitgleich unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen, Bochum und Gelsenkirchen zugeschlagen. Sie kontrollierten Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben. Der Einsatz dauerte bis in die Morgenstunden.

Tabak und Betäubungsmittel seien beschlagnahmt worden, erklärte die Dortmunder Polizei am Sonntag auf Twitter. In Essen wurde ein Mann nach Angaben der dortigen Sicherheitsbehörden mit 9000 Euro festgenommen. Die Beamten stellten das Bargeld sicher, sagte ein Polizeisprecher am Morgen.

Großrazzia in NRW - Meldung von Sonntag 9 Uhr

Düsseldorf - Mit einer großangelegten Razzia im Ruhrgebiet ist die Polizei am Samstagabend gegen Clankriminalität vorgegangen. 1300 Polizisten seien im Einsatz, erklärte das nordrhein-westfälische Innenministerium.

„Auftakt zur größten Razzia gegen Clan-Kriminalität in der NRW-Geschichte“, schrieb die Behörde bei Twitter. Innenminister Herbert Reul (CDU) sei bei den Maßnahmen in Bochum vor Ort gewesen.

Razzia gegen Clans in NRW - Großeinsatz in der Nacht

Nach der groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität im Ruhrgebiet wollen die nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden am Sonntag Ergebnisse des Einsatzes präsentieren. Etwa 1300 Polizisten hatten am Samstagabend und am Sonntagmorgen zeitgleich unter anderem in Dortmund, Essen, Duisburg, Recklinghausen, Bochum und Gelsenkirchen zugeschlagen, um Shisha-Bars, Wettbüros, Cafés und Teestuben zu kontrollieren.

Zum Abschluss der Kontrollen am frühen Sonntagmorgen zitierte das Ministerium auf Twitter Ressortchef Herbert Reul (CDU), der bei der Durchsuchung einer Diskothek in Essen dabei gewesen sei: „Diese Nacht hat eine klare Botschaft: Bei uns gilt nicht das Gesetz der Familie, sondern das Gesetz des Staates.“

Details zu den Einsätzen sollte es am Mittag geben. Es gehe um den Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit, hatten die Sicherheitsbehörden erklärt. „Die heutige Razzia liegt voll auf unserer Nulltoleranz-Linie. Diese verfolgen wir sehr konsequent und sehr kontinuierlich. Die kriminellen Clanmitglieder sollen merken, wir lassen sie nicht in Ruhe - zu keiner Zeit und an keinem Ort“, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU) zu Beginn der Kontrollen der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf.

NRW: Polizei rückte gegen 21 Uhr zum Einsatz aus

Die Polizei rückte am Samstagabend um 21.00 Uhr in den Revierstädten aus. Die Beamten wurden von Zoll, Finanzbehörden und Ordnungsamt unterstützt. Zudem gab es Verkehrs- und Personenkontrollen. In Essen wurde laut Polizei eine Person festgenommen. Zudem stellten Beamte unverzollten Tabak sicher. Shisha-Bars wurden wegen zu hoher Belastung mit Kohlenmonoxid geschlossen. „Wir verfolgen konsequent Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, die von einzelnen Mitgliedern der 'Familienclans' begangen werden“, twitterte die Polizei. Auch in anderen Städten wie Mülheim, Witten und Herne liefen Maßnahmen.

Reul hatte die Bekämpfung der Clankriminalität zuletzt als große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden bezeichnet. Das Treiben von rund 50 Clans in NRW besorge ihn „extrem“, sagte Reul im Dezember. „Sie erheben den Anspruch, zu bestimmen, was auf der Straße passiert. Das ist ein frontaler Angriff auf den Rechtsstaat.“

Großrazzia Anfang Dezember gegen 'Ndrangheta‘ in Deutschland

Die deutsche Polizei geht immer wieder - und zuletzt verstärkt - gegen Clans und Mafia-Organisationen vor. Anfang Dezember hatten Ermittler bei Großrazzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Dabei geht es um Drogenhandel und Geldwäsche.

Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden nach Behördenangaben damals Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren rund 440 Beamte beteiligt, es gab 14 Festnahmen.

Im vergangenen Juli und August war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen kriminelle Mitglieder arabischstämmiger Großfamilien vorgegangen. Beamte durchsuchten Wohnungen und andere Objekte. Es gab vier Festnahmen, wie die Polizei mitteilte. Hintergrund auch dieser Razzia: der Verdacht des Drogenhandels im großen Stil.

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mit Material der dpa

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