Koalitionsvertrag unterzeichnet

Gabriel, Merkel und Seehofer zufrieden

+
Sigmar Gabriel, Angela Merkel und Horst Seehofer haben in Berlin den Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD unterzeichnet

Berlin - Wenige Stunden nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen haben die Parteichefs von CDU, CSU und SPD ihre Unterschriften unter den Vertrag über die gemeinsame Regierung gesetzt.

So eine nächtliche Marathonsitzung schweißt zusammen: Als Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer am Mittwoch zur Mittagszeit den Koalitionsvertrag vorstellen, wirken sie wie ein eingespieltes Team: Die Kanzlerin als ruhender Pol in der Mitte der beiden Herren - auch wenn die Sitzordnung im Saal der Bundespressekonferenz das eigentlich anders vorsah. Es sei oft auch "humorvoll" zugegangen, verbreitet vor allem CSU-Chef Seehofer gute Laune. Und Merkel betont angesichts des SPD-Mitgliedervotums ihre wohl prägendste Eigenschaft: "Warum soll ich nicht warten 14 Tage?" sagt sie. "Warten kann ich."

Warten war auch das Motto der letzten Verhandlungsnacht. Kaum einer hatte damit gerechnet, dass es so zäh werden würde in der Berliner SPD-Zentrale. Der CDU-Abgeordnete Peter Hintze hatte es vorhergesagt: "Heute Nacht" könne "auch über den Sonnenaufgang hinausgehen". Tatsächlich war es dann fünf Uhr früh, als das Signal der Einigung nach außen drang. Wenig später rauschten die Limousinen mit den Chef-Unterhändlern in die eiskalte Nacht hinaus.

Fünf Wochen Koalitionsverhandlungen liegen hinter CDU, CSU und SPD. Zahllose Arbeitsgruppentreffen, kleine und große Runden konnten keine Annäherung in sensiblen Punkten wie Mindestlohn, Rentenreform, Pkw-Maut und Bildungsfinanzen bringen. Als am Dienstagmittag die Chefrunde zur Klärung der die vielen strittigen Punkte begann, war klar, dass die Entscheidungen nicht länger aufgeschoben werden können - schließlich soll vor Weihnachten eine neue Regierung stehen.

Mehr als 17 Stunden lang tagten die künftigen Koalitionäre. Vor allem in kleiner Runde mit 15 Teilnehmern, zwischendurch aber auch im Sechs-Augen-Gespräch der drei Vorsitzenden. Die übrigen rund 60 Mitglieder der großen Verhandlungsrunde übten sich derweil in der von Merkel so geschätzten Kunst des Wartens.

Stundenlang lungerten in der Nacht dann Minister, Ministerpräsidenten und Abgeordnete in den oberen Etagen des Willy-Brandt-Hauses herum, während der kleine Kreis hinter verschlossenen Türen um Kompromisse rang. "Für den menschlichen Zusammenhalt in einer großen Koalition ist das heute vielleicht der wichtigste Abend", freute sich Hintze über Gesprächsgelegenheiten mit einstigen politischen Gegnern. Und beim gemeinsamen Fußballgucken bei Bier und Buletten sei die Freude über den 3:1-Sieg von Dortmund parteiübergreifend gewesen, hieß es.

Das sagt die Presse zum Koalitionsvertrag

Das sagt die Presse zum Koalitionsvertrag

Irgendwann nach 23 Uhr dann erste Erfolgsmeldungen: Jeder bekommt offenbar seine wichtigsten Wünsche erfüllt - die Union die Verbesserungen für ältere Mütter bei der Rente, die SPD die Rente mit 63 für langjährige Beitragszahler und einen Mindestlohn. Doch in den Morgenstunden hakte sich die kleine Runde beim Finanztableau fest, stundenlang passierte nichts.

Gegen drei Uhr morgens saß dann so manches Mitglied der großen Runde dem Vernehmen nach schon etwas derangiert im Sessel. "Das Warten nervt", twitterte die SPD-Abgeordnete Eva Högl. Ihre CSU-Kollegin Dorothee Bär wandte sich hilfesuchend an ihre Follower: "Eure Tipps ab wann der Gruppenkoller beginnt..."

Doch alle harrten aus - um dann im Morgengrauen endlich zum Zug zu kommen. In nur wenigen Minuten war das Votum der großen Runde klar: Einmütig wurde, wie Gabriel am Mittwochmittag dann hervorhob, der Koalitionsvertrag gutgeheißen.

Auch für die gut 473.000 SPD-Mitglieder hat das Warten jetzt ein Ende: Sie dürfen nun den Koalitionsvertrag durcharbeiten und dann ihr Votum abgeben. Gabriel bemühte sich nach Kräften, Bedenken zu zerstreuen, dass die Mühen der langen Koalitionsnacht vergebens gewesen sein könnten: "Die Mitglieder der SPD werden mit Sicherheit zustimmen."

So geht es in den kommenden Wochen weiter

Hier wird der Koalitionsvertag präsentiert

Hier wird der Koalitionsvertag präsentiert

AFP

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Die Vereidigung von Bundespräsident Steinmeier im Ticker zum Nachlesen
Die Vereidigung von Bundespräsident Steinmeier im Ticker zum Nachlesen
Kabinett will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren
Kabinett will verurteilte Homosexuelle rehabilitieren
Angela Merkel: So stehen ihre Chancen, Kanzlerin zu bleiben
Angela Merkel: So stehen ihre Chancen, Kanzlerin zu bleiben
Nach Erdogans Drohung: EU bestellt türkischen Botschafter ein
Nach Erdogans Drohung: EU bestellt türkischen Botschafter ein

Kommentare