Grüne gegen Olympia - Roth verlässt Kuratorium

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Claudia Roth hatte sich für die Olympia-Bewerbung stark gemacht.

Freiburg - Nach dem Nein des Grünen-Parteitags zu Olympia in München verlässt die frisch wiedergewählte Parteichefin Claudia Roth das Kuratorium für die Bewerbung um die Winterspiele 2018.

Ein Antrag gegen die Bewerbung hatte am Samstagabend auf dem Kongress in Freiburg gegen den Willen der Parteiführung eine Mehrheit gefunden. 289 Delegierte stimmten dem Antrag gegen Olympia zu, 244 waren dagegen. Es gab 70 Enthaltungen. Danach habe der Parteivorstand beschlossen, dass sich die Grünen aus dem Gremium zurückzögen, sagte Sprecher Jens Althoff der Nachrichtenagentur dpa.

Die Grünen sind bei dem Thema seit längerem gespalten. Roth hatte sich für Olympia stark gemacht. Im Oktober hatte sich der bayerische Landtag einmütig hinter die Bewerbung gestellt - mit Ausnahme der oppositionellen Grünen. Im Münchner Stadtrat kann sich Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) in der Frage hingegen bislang auf seinen grünen Koalitionspartner stützen.

30 Jahre "Die Grünen": Das wurde aus den Gründungsmitgliedern

Die Grünen: Das wurde aus den Gründungsmitgliedern

Denkt man an die Grünen, werden rasch die Namen wie Joschka Fischer oder Daniel Cohn-Bendit genannt. In der Gründerzeit der Ökopartei spielten aber ganz andere Protagonisten eine Rolle. Nachfolgend eine Übersicht über den Werdegang ausgewählter Grünen-Politiker früher Tage (Bild vom Gründungsparteitag in Karlsruhe am 13. Januar 1980): © dpa
Rudolf Bahro: Der Sozialwissenschaftler und Schriftsteller war einer der Mitbegründer der Grünen und erst kurz vorher aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen. © dpa
Einer breiten Öffentlichkeit war er durch sein Werk “Die Alternative“ bekanntgeworden, das an den Grundfesten der SED rüttelte und ihm eine mehrjährige Haftstrafe einbrachte. © AP
Dem Bundesvorstand der Grünen gehörte er von 1982 bis 1984 an, verließ die Partei aber 1985 bereits wieder. Bahro war danach weiter als Schriftsteller und Wissenschaftler tätig. Er starb 1997 im Alter von 62 Jahren in Berlin. © dpa
Marieluise Beck(-Oberdorf): Die Mitbegründerin der Partei gehörte der ersten Bundestagsfraktion an (Foto: Mitte, neben Helmut Kohl) und wurde neben Petra Kelly (links) und Otto Schily Sprecherin der Grünen-Parlamentarier. © dpa
Dem damals noch geltenden Rotationsprinzip gemäß schied sie 1985 aus dem Bundestag aus, kehrte aber vorübergehend 1987 zurück und gehört seit 1994 wieder dem Parlament an. © AP
Von 1998 bis 2005 bis war sie Ausländerbeauftragte der rot-grünen Bundesregierung. © AP
Lukas Beckmann (Mitte. Links: Otto Schliy, Rechts: Gerd Bastian): Beckmann war Gründungsmitglied der ersten Stunde, war von 1979 bis 1984 hauptamtlicher Bundesgeschäftsführer und bis 1987 Vorstandssprecher neben Jutta Ditfurth und Rainer Trampert. © dpa
Heftige Differenzen mit den beiden Vorstandskollegen mündeten in einem Verzicht auf eine erneute Kandidatur Beckmanns. Foto: Beckmann im Oktober 1983 mit einem "persönlichen Friedensvertrag" bei DDR-Staats-und Parteichef Erich Honecker. Mitte: Petra Kelly. © AP
Er war anschließend maßgeblich an der Gründung der Heinrich-Böll-Stiftung beteiligt, deren Geschäftsführer er 1987 wurde. Seit 1994 Fraktionsgeschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion. © dpa
Jutta Ditfurth: Seit der Gründung der Grünen eine der profiliertesten Vertreterinnen des linken “ökosozialistischen“ Flügels (Fundis). © dpa
Von 1984 bis 1988 war sie Bundesvorsitzende der Grünen. 1991 trat sie wegen deren “Rechtsentwicklung“ aus, und gehörte dem Frankfurter Stadtparlament seit 2001 für die Gruppe ÖkoLinX an. © dpa
Im Mai 2008 legte sie ihr Mandat nieder. Als Autorin trat sie zuletzt etwa mit der Veröffentlichung einer Biografie der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof in Erscheinung und legte dabei einige bislang kaum bekannte Aspekte offen. © dpa
Thomas Ebermann: Der Grünen-Mitbegründer und Fundi-Vertreter wurde einer breiten Öffentlichkeit 1982 bekannt, als er mit dem damaligen Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, der über keine eigene Mehrheit mehr verfügte, Tolerierungsgespräche führte (“Hamburger Verhältnisse“). © AP
Nach seiner Zeit in der Bürgerschaft zog er in den Bundestag ein und wurde 1987 einer von drei Fraktionssprechern. Seine knapp gewonnene Wahl in dieses Amt führte zu einem erbitterten Streit in der Partei - unter anderem mit Otto Schily (Foto: links). © AP
Ebermann selbst verlor sein Mandat später im Zuge der Rotation und trat 1990 gemeinsam mit anderen - darunter Rainer Trampert - aus der Partei aus. Er arbeitet als Publizist. © AP
Daniel Cohn-Bendit: “Dany le Rouge“, der sich selbst als “Lautsprecher“ der 68er-Bewegung bezeichnet, trat erst 1984 den Grünen bei und wurde rasch zu einem prominenten Vertreter des Realo-Flügels. © dpa
Von 1989 bis 1997 war er in Frankfurt am Main Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten. Auf dem Bild ist Conh-Bendit (links) mit Joschka Fischer zu sehen. © dpa
Ihm gelang das Kunststück, nacheinander sowohl als Kandidat der französischen wie der deutschen Grünen ins Europaparlament gewählt zu werden. Dort ist er seit 2002 Vorsitzender der Fraktion der Grünen/Freie Europäische Allianz. © dpa
Bei der Europawahl 2009 stellte er sich als Spitzenkandidat in Frankreich zur Wahl. © dpa
Joschka Fischer: Der bis heute wohl bekannteste Grüne überhaupt wurde erst 1982 Parteimitglied und zog schon ein Jahr später in den Bundestag ein. © dpa
Legendär bis heute ist seine Vereidigung zum hessischen Umweltminister 1985 in weißen Turnschuhen und Sportsakko. © dpa
Der spätere Außenminister und Vizekanzler war damit das erste Grünen-Kabinettsmitglied in Deutschland überhaupt. © dpa
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt betätigt er sich seither als Berater - unter anderem bei Siemens, BMW (Foto) und der Nabucco-Pipeline-Gesellschaft. © dpa
Petra Kelly: Die früh politisch aktive Kelly war bis 1979 SPD-Mitglied und gründete nach ihrem Austritt die Grünen mit. © dpa
Sie führte im selben Jahr die bundesweite Liste zur Europawahl an. 1980 wurde sie eine von drei Bundesvorstandssprechern. 1983 zog sie als Mitglied der ersten Grünen-Bundestagsfraktion ins Parlament ein und wurde neben Otto Schily und Marieluise Beck-Oberdorf Fraktionssprecherin. © AP
1985 unterwarf sie sich als einzige Grünen-Politikerin nicht dem Rotationsprinzip und blieb auf Beschluss der Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss als stellvertretendes Mitglied. Innerhalb der Partei wurde Kelly immer mehr zur idealistischen Einzelkämpferin. © AP
Im Oktober 1992 wurde sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Exgeneral und Abgeordneten Gert Bastian (Foto: links) tot in ihrer Wohnung in Bonn-Tannenbusch gefunden. Bastian hatte zunächst Kelly, offenbar im Schlaf, und dann sich selbst erschossen. © dpa
Otto Schily: Der spätere Bundesinnenminister (1998 bis 2005) war Gründungsmitglied der Partei und stand an der Spitze der ersten Bundestagsfraktion. © dpa
Ende der 80er Jahre verschärften sich die Auseinandersetzungen zwischen den “Realos“ und “Fundis“ - unter anderem über mögliche Bündnisse etwa mit der SPD. In deren Folge verließ Schily die Partei 1989 und wechselte zu den Sozialdemokraten. © dpa
Waltraud Schoppe: Mit ihrem Rededebüt im Bundestag erregte sie zu Zeiten der ersten Grünen-Fraktion Aufsehen, als sie plötzlich vom “alltäglichen Sexismus“ im Parlament sprach und Bundeskanzler Kohl seine “Liebesunfähigkeit“ vorwarf. © dpa
Einer größeren Öffentlichkeit wurde sie bekannt, als sie im April 1984 mit Annemarie Borgmann, Antje Vollmer und Christa Nickels einen Fraktionsvorstand bildete, der nur aus Frauen bestand (“Feminat“). © AP
Sie wurde eher dem Realo-Flügel ihrer Partei zugerechnet und saß bis 1998 mit Unterbrechungen immer wieder im Bundestag. Von 1990 bis 1994 war sie Familienministerin in Niedersachsen. © dpa

In einer hitzigen Debatte hatten die Olympia-Gegner kritisiert, die Spiele seien nur vorgeblich ökologisch ausgerichtet. Unberührte Flächen würden unnötig zugebaut, die Spiele müssten im Kunstschnee stattfinden. Roth und weitere Befürworter hatten entgegengehalten, die Grünen könnten nur bessere Bedingungen erreichen, wenn sie die Veranstaltung mitorganisierten. Roth verfolgte die Verkündung der Entscheidung mit versteinerter Miene.

Roth und Özdemir wiedergewählt 

Zuvor waren Roth und der Co-Vorsitzende Cem Özdemir mit insgesamt gutem Ergebnis für weitere zwei Jahre in ihren Ämtern bestätigt worden. Der 44-Jährige erzielte mit 88,5 Prozent 9,3 Punkte mehr als bei seiner ersten Wahl 2008. Auf die langjährige Parteichefin Roth entfielen mit 79,3 Prozent 3,4 Punkte weniger als vor zwei Jahren. Bereits vor ihrer Wiederwahl hatte sie sich kritischen Fragen zu Olympia stellen müssen.

Aufsichtsratschef Michael Vesper erklärte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag: “Ich bin natürlich nicht begeistert, aber ihre Entscheidung wird keine negativen Auswirkungen auf die Bewerbung haben - die Substanz der Bewerbung ändert sich dadurch nicht.“ 

Kritik von Westerwelle, Gröhe und Schneider

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Widerstand der Grünen gegen eine deutsche Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 kritisiert. Die Ausrichtung eines internationalen Sportereignisses könne dem Land viel Ansehen bringen, erklärte Westerwelle am Sonntag in Berlin. “Mit dem Ausstieg aus der Olympia-Bewerbung auf solche Chancen für unser Land zu verzichten, halte ich für einen schweren Fehler.“ Er werde sich im In- und Ausland unverändert für die Olympia-Bewerbung einsetzen. Westerwelle ist Mitglied des Olympia-Kuratoriums.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat den Grünen vorgeworfen, mit einer “Anti-Haltung“ Deutschland massiv zu schaden. Ihr Freiburger Parteitag habe “einmal mehr bewiesen: Die Grünen sind eine “Gegen-Alles-Bewegung““, sagte Gröhe am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Sie seien gegen Infrastrukturprojekte wie das Bahnprojekt Stuttgart 21, gegen bezahlbare und saubere Energie und gegen Olympia 2018 in München. “Gegen soviel Starrsinn ist kein Kraut gewachsen!“

Staatskanzlei-Chef Siegfried Schneider hat am Sonntag das Nein der Grünen zu Olympia 2018 kritisiert. “Hier hat grüne Ideologie gegen überzeugende Sachargumente für die ökologischste Bewerbung für olympische Winterspiele, die es jemals gab, gesiegt“, sagte Schneider in einer Stellungnahme. “Die Grünen stellen sich ein weiteres Mal ins gesellschaftliche Abseits.“ Ihre Vorsitzende Claudia Roth gebe die Partei damit der Lächerlichkeit preis. “Sie ist aus vollem Herzen für Olympia und muss jetzt dagegen polemisieren. Claudia Roth als Empörungsspezialistin hat jetzt allen Grund zur Empörung ­ über sich und über die Grünen.“

Olympia-Bewerbungsgesellschaft bedauert Roth-Rückzug

Die Münchner Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Winterspiele 2018 hat mit Bedauern auf die Ablehnung der Bewerbung durch den Bundesparteitag der Grünen und den Rückzug von Parteichefin Claudia Roth aus dem Kuratorium reagiert. Sie verliere dadurch “eine sportaffine, starke Mitstreiterin“, erklärte Katarina Witt, die Vorsitzende des Kuratoriums von München 2018, am Sonntag. “Claudia Roth musste wohl offenbar aufgrund des parteipolitischem Votums ihre Entscheidung in dieser Form treffen.“

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von München 2018, Bernhard Schwank, betonte, dass es keine vollständige Ablehnung der Bewerbung gebe. Das zeige die hohe Zahl derer, die auf dem Parteitag der Grünen anders gestimmt oder sich enthalten hätten. Auch künftig wolle man mit den Grünen auf allen Ebenen sprechen und die “bisher positive und konstruktive Zusammenarbeit“ vor Ort fortführen. Nicht zuletzt wegen dieser Zusammenarbeit habe das Umwelt- und Nachhaltigkeitskonzept “international eine hervorragende Resonanz gefunden und wurde äußerst positiv bewertet“, betonte Schwank. Er versicherte, dass das Umweltkonzept im Falle eines Zuschlags konsequent umgesetzt werde. Dies hätten alle Gesellschafter so beschlossen.

dpa/dapd

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