Guttenberg fordert Stolz auf Widerstandskämpfer

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Wirtschaftsminister zu Guttenberg fordert Stolz auf Widerstandskämpfer.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit den Widerstandskämpfern des 20. Juli gefordert.

Aus Anlass des feierlichen Gelöbnisses zum 65. Jahrestag des Hitler-Attentats am Montag warf der CSU-Politiker, dessen Urgroßonkel 1945 als Widerstandskämpfer von den Nazis ermordet wurde, der heutigen Generation Hochmut in ihrem geschichtlichen Urteil vor.

Guttenberg sollte am Nachmittag bei der Feierstunde der Bundesregierung in der Gedenkstätte Plötzensee in Berlin sprechen. “Immer wieder wird im Zuge des 20. Juli über den Mangel an demokratischem Bewusstsein unter den Verschwörern geklagt. Was für ein komfortables, ja manchmal hochmütiges Urteil aus unserer Zeit!“, schrieb der Minister in der “Bild“-Zeitung. Er forderte stattdessen eine offene Auseinandersetzung mit den Menschen, die für die Überwindung der Grauen des Nationalsozialismus ihr Leben geopfert haben. “Deutschland sollte unvoreingenommen stolz auf die Männer und Frauen des Widerstandes sein“, schrieb Guttenberg.

Am 65. Jahrestag des Hitler-Attentats sollten am Abend (19.30 Uhr) rund 400 junge Soldaten ihr Gelöbnis vor dem Reichstag ablegen. Während des feierlichen Appells vor dem Sitz des Bundestags wollte auch Kanzlerin Angela Merkel zu den Rekruten sprechen. Mit ihrer Gelöbnisrede wollte die Kanzlerin ihre Wertschätzung für den Dienst in den Streitkräften zum Ausdruck bringen.

Robbe fordert mehr Anerkennung für die Truppe

Anlässlich des Gelöbnisses beklagte der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe fehlende Anerkennung für die Truppe. “Es gibt in unserer Gesellschaft zu wenig menschliche Zuwendung gegenüber unseren Soldatinnen und Soldaten“, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung“ in Halle. Diese “fehlende moralische Unterstützung“ sei eine wirkliche Belastung für die Truppe.

Gelöbnisse vor dem Reichstag, die Vergabe von Tapferkeitsmedaillen und der Bau eines Ehrenmals für tote Soldaten seien “wichtige symbolische Gesten“, sagte der Wehrbeauftragte des Bundestags. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bezeichnete den deutschen Widerstand als politisches und moralisches Vorbild für das Bundeswehr-Leitbild des Bürgers in Uniform. “Die Bundeswehr stellt sich in die Tradition des Kreises um Claus Schenk Graf von Stauffenberg“, erklärte Pofalla. Mit dem öffentlichen Gelöbnis zeigten die Soldaten, dass die Bundeswehr in der Mitte der Gesellschaft stehe.

Mit Protesten gerechnet

Auch Verteidigungsminister Franz Josef Jung wollte eine Gelöbnis-Ansprache halten. Der CDU-Politiker hatte sich nach der Premiere vor dem Reichstagsgebäude im Jahr 2008 dafür ausgesprochen, die Vereidigung am 20. Juli immer dort abzuhalten und nicht mehr wie zuvor im Bendlerblock, dem Sitz des Verteidigungsministeriums in Berlin. Im vergangenen Jahr wurde die Zeremonie von lautstarken Protesten von rund 250 linken Demonstranten begleitet.

Auch am Montag wurde mit Protesten gerechnet. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter hatten 1944 versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten. Nach dem gescheiterten Attentat wurden sie im Hof des Bendlerblocks, in dem sich das Oberkommando des Heeres befand, in der Nacht zum 21. Juli standrechtlich erschossen. In der ehemaligen Hinrichtungsstätte Plötzensee wurden zwischen 1933 und 1945 mehr als 2.500 Menschen getötet.

AP

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