Hannelore Kraft: Von der "Trümmerfrau" zur Hoffnungsträgerin

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Die SPD-Spitzenkandidatin Hannelore Kraft (M) freut sich am Sonntag im Landtag in Düsseldorf.

Düsseldorf - Sie könnte nach der Abwahl von Schwarz-Gelb die nächste SPD-Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen werden: Das ist Hannelore Kraft.

Als Hannelore Kraft nach der verlorenen Landtagswahl 2005 die Führung der SPD in Nordrhein-Westfalen übernahm, wurde sie in mitleidigen Kommentaren als “Trümmerfrau der Sozialdemokraten“ beschrieben. Die SPD hatte nach 39 Jahren die Macht in ihrem Stammland verloren, die Mitglieder liefen in Scharen davon und personell war die Partei ausgeblutet. Die “Platzhirsche“ Wolfgang Clement und Peer Steinbrück hatten sich nach Berlin davongemacht oder waren auf dem Sprung. Kraft wurde Fraktionschefin und später auch Landesvorsitzende.

Am Sonntag konnte die 48-Jährige triumphieren, auch wenn der Wahlabend für sie zur Zitterpartie wurde. Kraft hatte die SPD auf Augenhöhe mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) geführt. “Die SPD ist wieder da“, rief sie ihren jubelnden Anhängern zu. “Schwarz- Gelb ist abgewählt.“

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In der SPD hatte die Frau aus dem Ruhrgebiet schnell Karriere gemacht. Kaum eingetreten, saß sie schon im Unterbezirksvorstand in ihrer Heimatstadt Mülheim. Die politische Ochsentour blieb ihr auch danach erspart. “Mit Hinterzimmer-Politik hatte ich nie viel am Hut“, sagt Kraft heute. Nur ein Jahr nach ihrer Wahl in den Landtag wurde sie 2001 Ministerin: In zwei rot-grünen Kabinetten arbeitete sie zunächst als Europa- und dann als Wissenschaftsministerin. Nach der SPD-Niederlage bei der Bundestagswahl 2009 stieg sie zur Vize- Vorsitzenden der SPD auf.

NRW: Bilder vom Wahlabend

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Kraft pflegt das Bild der Arbeitertochter - ihr Vater war Straßenbahnfahrer, die Mutter Verkäuferin. Wenn die 48-Jährige am Rednerpult des Landtags oder im Wahlkampf lauter wird, ist deutlich zu hören, dass sie aus dem Ruhrgebiet stammt. CDU und FDP bezeichnen Kraft, die vor der Politik als Unternehmensberaterin gearbeitet hat, gerne als “schrill“.

Ihre Zeit als SPD-Spitzenfrau in Nordrhein-Westfalen war zunächst alles andere als eine Erfolgsgeschichte. In den Turbulenzen um den Parteiaustritt von Ex-Ministerpräsident Clement machte Kraft keine gute Figur als Konfliktmanagerin. Und 2009 war geradezu ein Horrorjahr für die Landeschefin: Nach Europa-, Kommunal- und Bundestagswahl musste sie jeweils das schlechteste SPD-Ergebnis in der Geschichte des Landes kommentieren. Bei allen Wahlen blieb die SPD unter der 30-Prozent-Marke.

In den vergangenen Wochen hat hat Kraft deutlich an Statur gewonnen. Kraft sei im Wahlkampf “erstaunlich stark“, bescheinigte Clement seiner “Entdeckung“. Die SPD-Spitzenkandidatin, die mit Ehemann Udo und dem 17-jährigen Sohn Jan in Mülheim lebt, hat einen sehr persönlichen Wahlkampf geführt. Das Versprechen, die Studiengebühren abzuschaffen, begründet sie mit der eigenen Bildungsgeschichte. Was Arbeitslosigkeit bedeuten kann, kennt sie aus der eigenen Familie. “Wir haben das auch schon einmal durchgemacht.“

Von Claus Haffert

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