Hermann Gröhe: Kirchenmann ist CDU-"General"

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CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe

Berlin - Nach rund fünf Monaten im Amt ist Hermann Gröhe nun auch offiziell CDU-Generalsekretär. Der 49-Jährige im Porträt:

Hermann Gröhe redet Klartext. “Reißt euch zusammen!“, sagt der CDU-Generalsekretär am Montag, bevor er nach fünf Monaten kommissarischer Arbeit formal gewählt wird. Der Appell ist auch an die eigenen Reihen gerichtet, nicht länger öffentlich zu streiten. Gröhe hält es für ein Alarmsignal, dass die schwarz-gelbe Koalition in Umfragen derzeit keine Mehrheit hat. Für ihn jedenfalls stimmt später eine große Mehrheit: fast 97 Prozent stimmen beim kleinen CDU-Parteitag in Berlin für ihn.

Der 49-jährige Rheinländer hat einiges vor sich: Seine Parteichefin, Kanzlerin Angela Merkel, will die CDU für neue Wähler öffnen. Gleichzeitig soll der Kontakt zu Stammwählern erhalten bleiben. Gröhe will sich keine Scheindebatte aufzwingen lassen, ob Stammwähler oder Wechselwähler im Vordergrund stehen. “Wir brauchen beide“, sagt er. Und weil eine Volkspartei groß ist, betont er, Politik sei ein Mannschaftsspiel. “Eine erfolgreiche Mannschaft lebt von ganz unterschiedlichen Charakteren.“

Wer in welchem Bundesland regiert

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Gröhe sieht es als Aufgabe an, auch den christlich-konservativen Flügel der Partei wieder sichtbar zu machen. Er kommt aus der evangelischen Jugend und ist als Rechtsanwalt zugelassen. Das “C“ im Parteinamen ist ihm sehr wichtig - schließlich war er mehr als zehn Jahre lang Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der CDU-Mann aus dem größten Landesverband Nordrhein-Westfalen gehört seit langem zu den politischen Strippenziehern in der Union. Bevor er Ronald Pofalla als Generalsekretär ablöste, war Gröhe als Staatsminister im Kanzleramt für die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zuständig. Er ist sehr gut vernetzt in der Union, aber nicht nur dort.

Der frühere Chef der CDU/CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union gehörte Mitte der 90er Jahre zu einem Kreis von Nachwuchspolitikern der CDU, der sich in Bonn in der “Pizza-Connection“ mit Grünen- Kollegen traf. Gröhe befürwortet eine langfristige Öffnung zu den Grünen, sieht aber auch noch große Gegensätze etwa in der Atompolitik. In seiner Heimat NRW setzt er auf Schwarz-Gelb und nennt Rot-Grün den politischen Gegner, weil die Grünen ein Bündnis mit der SPD anstrebten.

Einen Namen machte sich Gröhe in der Zeit vor dem Irak-Krieg 2003. Er lehnte einen Militärschlag der USA und Großbritanniens gegen Irak ohne entsprechenden Beschluss des UN-Sicherheitsrates ab. Damit vertrat er eine rigorosere Linie als die damalige Fraktionschefin Merkel. Von der bekam er am Montag Lob und Vertrauensvorschuss für die kommenden Jahre zugleich: “Ich finde, er hat es bis hierher prima gemacht“, sagt die CDU-Chefin.

Von Marc-Oliver von Riegen

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