Honduras: Gestürzter Präsident verschiebt Rückkehr

Manuel Zelaya (Mitte) gestürzter Präsident von Hondurs und seine Außenministerin Patricia Isabel Rodas in Panama City ein. Sie nehmen an der Amtseinführung von Präsident Ricardo Martinelli teil.
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Manuel Zelaya (Mitte) gestürzter Präsident von Honduras und seine Außenministerin Patricia Isabel Rodas in Panama City ein. Sie nehmen an der Amtseinführung von Präsident Ricardo Martinelli teil.

Tegucigalpa - Der Druck auf die nach dem Sturz von Präsident Manuel Zelaya eingesetzte und international isolierte Regierung in Honduras wächst.

Die Organisation Amerikanischer Staaten ( OAS ) in Washington forderte die neuen Machthaber am Mittwoch ultimativ auf, den am vergangenen Sonntag abgesetzten Präsidenten innerhalb von 72 Stunden wieder einzusetzen. Anderenfalls drohe dem Land der Ausschluss aus der Organisation. Die OAS beauftragte zudem ihren Vorsitzenden José Miguel Insulza , sich mit Vertretern “mehrerer anderer Staaten“ um die Wiederherstellung der Demokratie in Honduras zu bemühen.

Die internationale Staatengemeinschaft einschließlich der Vereinten Nationen wirft der Regierung in Honduras vor, einen demokratisch gewählten Präsidenten gestürzt und damit der Demokratie in dem mittelamerikanischen Land Schaden zugefügt zu haben. Zelaya reiste am Mittwoch zur Vereidigung des panamaischen Präsidenten Ricardo Martinelli nach Panama. Dort erklärte er, die Frist der OAS zu respektieren und seine Heimreise nach Honduras erst am Wochenende anzutreten. Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner sowie der ecuadorianische Staatschef Rafael Correa und Insulza erklärten, sie würden als “Begleitschutz“ mit Zelaya reisen.

Demonstration gegen Roberto Micheletti in Tegucigalpa.

Zelaya ist in seiner Heimat umstritten. Interims-Präsident Roberto Micheletti erklärte, er werde Zelaya bei dessen Einreise sofort festnehmen lassen. Dem gestürzten Präsidenten wird von seinen Gegnern, und wohl auch von der Mehrheit der Bevölkerung, vorgeworfen, das Land in das Lager der linken Staaten Lateinamerikas geführt zu haben und eine Diktatur anzustreben. Eine Parlamentskommission hatte berichtet, der Präsident, der 2006 als Kandidat der konservativen Liberalen Partei an die Macht gekommen war, habe unter anderem vorgehabt, noch am Sonntagabend , dem Tag seiner Absetzung, den Kongress aufzulösen.

Interims-Präsident Roberto Micheletti spricht vor Anhängern in Tegucigalpa.

Die honduranischen Justizbehörden haben inzwischen einen Haftbefehl gegen Zelaya ausgestellt. Am Dienstag hatten erstmals nach dem Staatsstreich viele Tausende in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa und in San Pedro Sula gegen Zelaya und für die neue Regierung demonstriert. “Ja zur Demokratie, nein zur Diktatur“ war auf Transparenten zu lesen. Die Demonstranten warfen Zelaya vor, mehrfach die Verfassung gebrochen und eine Diktatur in Honduras angestrebt zu haben.

Zelaya war am Sonntag von Militärs festgesetzt und umgehend außer Landes gebracht worden. In Tegucigalpa akzeptierte der Kongress den “Rücktritt“ Zelayas und bestimmte seinen ehemaligen Parteifreund Roberto Micheletti zum Interims-Präsidenten. Dieser hat versichert, die Verfassung zu achten und das Land bis zum Beginn des kommenden Jahren zu führen. Der neue Präsident werde wie vorgesehen Ende November dieses Jahres gewählt.

dpa

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