Hungersnot in Ostafrika: UN dringt auf "schnelles" Handeln

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Was kann man gegen die Hungersnot in Ostafrika tun? Eine UN-Konferenz berät über Auswege.

Rom - Nach der schwersten Dürre seit 60 Jahren wütet eine furchtbare Hungersnot am Horn von Afrika. Zehntausende starben bereits, über eine halbe Million Kinder ist vom Hungertod bedroht. Eine UN-Konferenz beriet Auswege.

“Schnelles Handeln“ ist angesichts der Hungerkatastrophe in Ostafrika geboten und auch noch möglich. Zu diesem Ergebnis kam eine Konferenz der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) mit Experten und Politikern am Montag in Rom. “Der Hunger ist kein Skandal von gestern, sondern ein Skandal von heute, und wenn wir nichts unternehmen, wird er auch ein Skandal von morgen sein“, mahnte der französische Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire. Frankreich, das die diesjährige G8- und G20-Präsidentschaft innehat, hatte das römische Treffen angeregt.

Es bestehe jedoch immer noch “ein Zeitfenster“, um die betroffenen Menschen ausreichend zu unterstützen und sie in die Lage zu versetzen, ihre Existenzgrundlagen wiederaufzubauen, hielten die FAO-Konferenz in ihrer Abschlusserklärung fest. Hierzu seien sowohl humanitäre Soforthilfe als auch langfristige Maßnahmen notwendig. Die Situation ist dramatisch: Nach der schwersten Dürre der vergangenen 60 Jahre sind in Ostafrika nach Schätzungen der UN in Somalia, Kenia, Äthiopien, Dschibuti, Sudan und Uganda rund 12 Millionen Menschen von Nahrungsmittelknappheit betroffen. In Regionen im Süden Somalias herrscht schwere Hungersnot. Zehntausende starben bereits. Nach letzten Angaben des Kinderhilfswerks Unicef ist mehr als eine halbe Million Kinder vom Hungertod bedroht. Um zu helfen, solle Hirten sowie Landwirten mit Viehzucht besondere Unterstützung zukommen, die ein wichtiger Bestandteil der möglichen Nahrungsmittelsicherheit darstellten. In diesem Kontext sei es auch entscheidend, die Bewegungsfreiheit der Hirten in den einzelnen Ländern und auch grenzübergreifend zu garantieren und abzusichern, hielt die Konferenz fest. Ebenso sei, soweit möglich, die Vertreibung von Menschen zu vermeiden. Bauern und Fischern müsse zur Selbsthilfe geholfen werden.

In den Brennpunktgebieten ist unmittelbares Handeln geboten. “Die Kombination von Dürre, Inflation und politischen Konflikten haben eine katastrophale Situation geschaffen“, erklärte der scheidende FAO-Direktor Jacques Diouf. Um diese Krise zu überwinden, seien in den kommenden Monaten mindestens 1,6 Milliarden Dollar (etwa 696 Millionen Euro) notwendig, schätzte Diouf.

Die Weltbank genehmigte Medienberichten zufolge am Montag bereits 500 Millionen Dollar (348 Millionen Euro) gegen die Hungerkrise. Auch die Bundesregierung stockte am Montag ihre Hilfe um mehr als 45 Millionen Euro auf. “Die schlimme Lage für die Menschen am Horn von Afrika muss schnell gelindert werden, um so viele Menschenleben wie möglich zu retten“, erklärte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) in Berlin.

Für die Hilfsorganisation Oxfam gibt es “keine Entschuldigung“ mehr für die internationale Gemeinschaft, nicht sofort großzügig zu helfen. “Kein anderes Problem kann dringender sein als Millionen Menschen, die in Afrika dem Schreckgespenst des Hungers entgegensehen“, erklärte Barbara Stocking, Direktorin von Oxfam in Großbritannien. Stocking kritisierte, dass Warnungen und Lehren von Hungersnöten offenbar nichts bewirkt hätten. “Wir brauchen mehr als alles andere ein globales Nahrungsmittelsystem, das es jedem erlaubt, genug zu essen“, sagte Stocking.

Verantwortlich für die Hungersnot in Ostafrika sei allerdings nicht nur die schwere Dürre, die rund zwölf Millionen Menschen betreffe, auch politische Konflikte und hohe Preise spielten eine Rolle, stellte die Konferenz fest. Dringend notwendig sei in diesem Kontext die Umsetzung des von den G20 im Juni in Paris beschlossenen Plans einer international koordinierten Zusammenarbeit, erklärte der französische Landwirtschaftsminister. Mit dem Plan sollen die negativen Auswirkungen rasanter Preissteigerungen bei Lebensmitteln auf die armen Länder zumindest eingeschränkt werden.

dpa

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