Iran testet neue Rakete

Teheran - Der Iran demonstriert in der Krise Stärke. Raketen und angeblich selbst produzierte Kernbrennstäbe sollen seine Macht unter Beweis stellen. Die Drohkulisse soll den Weltmächten Kompromisse abringen.

Der Iran hat die letzte Phase seines Manövers am Persischen Golf „Stärke“ genannt. Und die will der Gottesstaat den Weltmächten auch in der jetzigen Krise vermitteln. „Einschüchtern kann uns keiner, wir werden nicht einen Zentimeter kürzer treten“, sagt Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Die von den USA gesetzlich beschlossenen neuen Sanktionen gegen die iranische Zentralbank, die auch den Ölexport und damit das Haupteinkommen des Landes betreffen, kann der Iran nicht einfach ignorieren. Genauso wenig die milliardenschweren Waffendeals der USA mit den Golfstaaten Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate, die derzeit nur einen einzigen Grund haben können: den Iran.

Das iranische Waffenarsenal

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Präsident Ahmadinedschad hat am Sonntag den Auftrag für die Produktion von hochangereichertem Uran erteilt - eine Geste der Provokation nach den Signalen des Einlenkens vor der Münchner Sicherheitskonferenz. © dpa
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Der Iran unterhält mit mehr als 520 000 Mann die größte Streitmacht im Nahen Osten. © dpa
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Noch bedrohlicher erscheint den Nachbarn und den Westmächten das abgeschirmte Nuklearprogramm des Landes. © dpa
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Der Westen befürchtet, dass das Mullah-Regime in den Besitz von Atomwaffen gelangen will. © dpa
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Raketen, die solche Massenvernichtungswaffen wohl transportieren könnten, hat der Iran bereits. © dpa
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Im Arsenal sind mehrere hundert Geschosse der Typen Schahal 1 und 2, die bis zu 330 und 700 Kilometer weit reichen. © dpa
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Mit den mehrstufigen Raketen Schahab 5 und 6 (auf dem Bild eine Shahab 3) könnten die Iraner sogar Städte in Mitteleuropa angreifen. © dpa
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Für den Bau einer einsatzfähigen Interkontinentalrakete benötigt der Iran jedoch noch zehn bis 15 Jahre, vermuten westliche Experten. © dpa
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Ausgangsbasis für die Herstellung von Atomwaffen ist hoch angereichertes Uran, das iranische Wissenschaftler in den Nuklearfabriken Natans und Ghom herstellen. © dpa
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Der Westen bezweifelt, dass das Atomprogramm wie behauptet nur friedlichen Zwecken dient. © dpa
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Der UN-Sicherheitsrat hat 2006 erstmals den Stopp der Urananreicherung verlangt - ohne Erfolg, trotz späterer Sanktionen. © dpa
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Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat US-Senator Joseph Lieberman jetzt mit einem Militärschlag gegen den Iran gedroht, wenn Wirtschaftssanktionen nicht wirken sollten. © dpa
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Westliche Geheimdienste vermuten, dass der Iran bald genügend Material für eine Bombe haben könnte. Sie rätseln aber, wann ein funktionsfähiger Sprengkopf zur Verfügung steht. © dpa

„Wir wollen die für Öltransporte wichtige Meerenge von Hormus nicht blockieren, sollten aber unsere Interessen dort gefährdet werden, würden auch die Interessen anderer Staaten (am Golf) gefährdet“, sagt der Marine-Vizekommandeur Mahmud Mussawi.

Die Straße von Hormus am Persischen Golf bietet Teheran derzeit das effektivste Druckmittel. Eine Blockade könnte 40 Prozent des globalen Seetransports von Erdöl gefährden. Zur Drohkulisse gehören Marschflugkörper und ballistische Raketen, die nach iranischen Angaben derzeit im Manöver erfolgreich getestet wurden. Dazu wird propagandawirksam behauptet, die Reichweite der Lenkwaffen seien vergrößert worden.

Iran will Anerkennung des Atomprogramms

All dies würde es nicht geben, wäre da nicht der Streit um das iranische Atomprogramm. Die Weltmächte wollen eine Einstellung der Urananreicherung im Iran, Teheran lehnt dies ab und will stattdessen internationale Anerkennung für sein Atomprogramm, einschließlich der Urananreicherung. Das lehnen die Weltmächte ab, weil sie die Urananreicherung als Vorstufe zur Fertigung von Kernwaffen ansehen.

„Der Iran weiß, dass man in den Atomverhandlungen auf keine Kompromisse eingehen kann, daher will das Land durch militärische Stärke und Weiterentwicklung des nuklearen Know-hows die andere Seite zu Kompromissen zwingen“, sagt ein Politologe in Teheran. Der Iran hat auch schon den nächsten nukleartechnischen Durchbruch verkündet. Iranischen Wissenschaftlern soll es gelungen sein, einen eigenen Kernbrennstab zu produzieren und in einem Forschungsreaktor in Teheran einzusetzen.

"Es riecht nach Ärger"

Diese Kernbrennstäbe brauchen bis zu 20 Prozent angereichertes Uran, was Iran derzeit angeblich ohne weitere Mühe produzieren kann. „Wir wollen das ja alles nicht, aber wenn es keine internationale Zusammenarbeit gibt, dann machen wir es halt selber“, sagt Außenminister Ali-Akbar Salehi. Die Weltmächte hatten vorgeschlagen, dass Russland und Frankreich iranisches Uran auf 20 Prozent anreichern und zu Kernbrennstäben verarbeiten. Aber bisher kam es darüber zu keiner Einigung. „Wir hören aber damit sofort auf, sobald wir sie vom Ausland bekommen“, verspricht Ahmadinedschad.

Allmählich wird das Säbelrasseln auch für die Menschen im Iran Grund zur Sorge. „Diesmal scheint es ernst zu sein“, sagt Mohsen S., ein Student in Teheran. Für den pensionierten Bankier Kazem M. sind US-Sanktionen gegen die Zentralbank, Ölembargo und Hormus-Blockade neue und gefährliche Dimensionen. „Ich bin ja immer Optimist gewesen, aber diesmal riecht es nach Ärger“, sagt er pessimistisch.

dpa

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