Anhänger glauben an Giftanschlag

Untersuchung zu Arafats Tod wirft Fragen auf

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Ist der frühere Palästinenserführer Jassir Arafat vergiftet worden?

Tel Aviv/Ramallah - Starb der frühere PLO-Chef Arafat nach einem Giftanschlag? Eine Untersuchung durch Schweizer Experten brachte keine Klarheit. Viele Palästinenser fordern deshalb eine erneute Überprüfung.

Auch nach einer intensiven Untersuchung der sterblichen Überreste von Jassir Arafat ist nicht klar, ob der damalige Palästinenserpräsident 2004 durch das Gift Polonium getötet wurde. Zwar unterstützten die Ergebnisse nachvollziehbar die Vergiftungsthese und ein Einwirken "von außen", sagte am Donnerstag der Wissenschaftler François Bochud in Lausanne. Aber es könne nicht zweifelsfrei gesagt werden, "dass das Polonium die Todesursache war".

In den sterblichen Überresten Arafats seien bis zu 20 Mal höhere Werte gemessen worden als üblich, sagte Bochud. Dies deute darauf hin, dass Arafat das Gift "von außen" zugeführt worden sei. Die Wissenschaftler äußerten sich, nachdem am Mittwochabend der arabische Fernsehsender Al-Dschasira berichtet hatte, dass das Schweizer Ärzteteam Hinweise auf eine Polonium-Vergiftung gefunden habe.

Arafat-Witwe spricht von "politischem Verbrechen"

Arafats Witwe Suha sprach in Al-Dschasira von einem "politischen Verbrechen". Ihr Mann sei "auf feige Weise" umgebracht worden. "Ich weiß nicht, wer dafür verantwortlich ist, aber es ist schrecklich." Angesichts der Schweizer Erkenntnisse forderten die Palästinenser die Einsetzung einer internationalen Untersuchungskommission. "Die Untersuchungsergebnisse haben bewiesen, dass Arafat mit Polonium vergiftet wurde - und diese Substanz wird von Staaten besessen, nicht von Einzelpersonen", sagte Wasel Abu Jussef in Ramallah im Westjordanland. "Das Verbrechen wurde also von einem Staat begangen", fügte das Mitglied des Exekutivkomitees der Palästinensischen Befreiungsorganisation hinzu.

Die Schweizer Angaben widersprechen allerdings bisherigen Angaben aus Russland, wo gleichfalls Proben aus Arafats letzter Ruhestätte untersucht wurden. Mitte Oktober hatte dort der Leiter der Behörde für biologische Analysen, Wladimir Uiba, laut der Nachrichtenagentur Interfax gesagt, Arafat könne nicht mit Polonium vergiftet worden sein. Ein Sprecher betonte später aber, es sei noch kein amtliches Ergebnis veröffentlicht.

Israel wies Mordverdacht vehement zurück

Arafat war im November 2004 in einem Militärkrankenhaus bei Paris mit 75 Jahren verstorben. Auf Bitte seiner Witwe wurde damals keine Autopsie vorgenommen. Die genaue Todesursache blieb daher unklar. Im November 2012 wurden die sterblichen Überreste Arafats dann doch in Ramallah exhumiert. Von palästinensischer Seite wurde von jeher der Verdacht geäußert, Israel habe den damaligen Präsidenten vergiftet.

Israel wies diesen Verdacht vehement zurück. Das Außenministerium erklärte, die Untersuchungen seien interessengeleitet und nicht unabhängig gewesen. Auch der Berater des damaligen israelischen Regierungschefs Ariel Scharon zeigte sich empört. "Ariel Scharon hatte angeordnet, alles zu tun, damit Arafat - dessen Amtssitz in Ramallah von der israelischen Armee umzingelt war - nicht durch unsere Soldaten getötet wird", sagte Raanan Gissin der Nachrichtenagentur AFP. "Die Anweisung von Scharon war, alle nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit Israel nicht für den Tod von Arafat verantwortlich gemacht werden kann." Deshalb habe Scharon auch erlaubt, Arafat nach Frankreich auszufliegen.

AFP

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