Italienischer Senat verabschiedet Sparpaket

Mailand - Der italienische Senat hat am Donnerstag ein milliardenschweres Sparpaket abgesegnet. Nur wenige Stunden vor der Abstimmung besorgte sich das hoch verschuldete Land frisches Geld am Markt.

Allerdings musste Italien bei der Auktion Rekordzinsen für langfristige Anleihen zahlen. Am (morgigen) Freitag entscheidet die Abgeordnetenkammer über die Sparmaßnahmen. Italien platzierte Papiere im Volumen von 4,96 Milliarden Euro, musste den Investoren für die Titel mit Laufzeiten zwischen fünf und 15 Jahren jedoch erheblich höhere Risikoaufschläge anbieten. Die Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren werden mit 5,9 Prozent verzinst, dem höchsten Satz seit Einführung des Euros. Bei der letzten Auktion dieser Papiere am 15. Juni lag die Rendite noch bei 3,9 Prozent.

Für Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 15 Jahren wird eine Rendite von 4,93 Prozent gezahlt, das ist der höchste Satz seit Juni 2008. Die Papiere wurden gut gezeichnet, in einigen Fällen besser als in den letzten Monaten. Der Verkauf der Papiere lege nahe, dass die Nachfrage nach italienischen Staatsanleihen stark bleibe, schrieb die Analystin beim Finanzdienstleister Unicredit, Luca Cazzulani. Bei einer Auktion zwölfmonatiger Schuldverschreibungen hatte Italien in dieser Woche bereits 6,75 Milliarden Euro eingenommen.

Abstimmung über Sparpaket vorverlegt

Der Mittelmeerstaat ist unter Druck, die nervösen Märkte zu beruhigen, und hatte daher die Abstimmung über das Sparpaket von August auf Ende der Woche vorverlegt. Finanzminister Giulio Tremonti sagte, das Sparpaket enthalte 16 wachstumsfördernde Maßnahmen, die bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt ermöglichen sollen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone hat mit 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts einen der höchsten Schuldenstände in der Region.

Regierungsvertreter traten indes Gerüchten entgegen, wonach Tremonti angesichts der Spannungen zwischen ihm und Ministerpräsident Silvio Berlusconi seinen Rücktritt erwäge. “Ich glaube nicht, dass Tremonti zurücktreten wird. Ich denke, derzeit ist es ratsam, dass er im Amt bleibt“, sagte Claudio Scajola, ein Mitglied von Berlusconis Regierungskoalition. Die Zeitung “La Repubblica“ hatte Berlusconi vergangene Woche mit den Worten zitiert, Tremonti sei “kein Teamplayer“.

dapd

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