Deutscher Botschafter in China gestorben

Merkel trauert um Vertrauten: „Erschüttert mich zutiefst“ - Maas nennt erste Details zu Todesumständen

Jan Hecker ist tot. Deutschlands Botschafter in China ist mit 54 Jahren gestorben. Die Umstände sind unklar. Er war ein Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel.

Update vom 6. September, 12.10 Uhr: Nach dem überraschenden Tod des deutschen Botschafters in China*, Jan Hecker, deutet laut Außenminister Heiko Maas (SPD) nichts auf eine Verbindung zu dessen Arbeit hin. „Wir haben aufgrund der Todesumstände keine Hinweise, dass Jan Heckers Tod in irgendeinem Zusammenhang mit seiner dienstlichen Funktion als deutscher Botschafter in Peking steht“, sagte Maas am Montag der dpa bei einem Besuch des Bundesamts für Auswärtige Angelegenheiten in Brandenburg/Havel. „Das ist für uns alle ein großer Schock gewesen, der uns völlig unvorbereitet getroffen hat.“

„Es ist für uns alle schwer zu fassen, was dort geschehen ist und dass ein Mensch so unvermittelt aus dem Leben gerissen wird, mit dem man vor kurzem noch zusammengesessen hat und wirklich große und wichtige Fragen erarbeitet hat“, sagte der Außenminister. „Jan Hecker hat viel geleistet und dabei nie das Rampenlicht gesucht.“ Er betonte: „Für alles Weitere gilt: Auch ein Diplomat und seine Familie haben ein Recht auf Privatsphäre und darauf, in Frieden zu trauern.“

Der neue Botschafter in China war nur kurz nach dem Antritt seines Postens in Peking überraschend gestorben. Die Ursache seines Todes blieb zunächst unklar.

Merkel trauert um engen Vertrauten: „Erschüttert mich zutiefst“

Update vom 6. September, 8.36 Uhr: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bestürzt über den überraschenden Tod des deutschen Botschafters in China geäußert. „Der Tod Jan Heckers erschüttert mich zutiefst“, sagte sie am Montagmorgen in einer in Berlin verbreiteten Erklärung. „Ich trauere um einen hochgeschätzten langjährigen Berater von tiefer Menschlichkeit und herausragender Fachkenntnis. Ich denke voller Dankbarkeit an unsere Zusammenarbeit und bin froh, mit ihm über Jahre so eng verbunden gewesen zu sein.“ Sie fügte hinzu: „Mein tiefstes Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Kindern und den anderen Angehörigen in ihrem unermesslichen Schmerz.“

Hecker hatte vor seiner Tätigkeit in Peking im Bundeskanzleramt gearbeitet und galt wichtiger Berater Merkels (siehe Erstmeldung). Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der als frühere Kanzleramtschef ebenfalls eng mit Hecker zusammengearbeitet hatte, nannte Heckers Tod auf Twitter eine Tragödie und einen großen Verlust für alle, die ihn kannten. „Sein Pflichtbewusstsein, seine menschliche und berufliche Kompetenz und tiefe Bildung waren herausragend.“

Kurz nach Amtsantritt: Deutscher Botschafter in China gestorben - er war ein Vertrauter von Kanzlerin Merkel

Deutschlands Botschafter in China, Jan Hecker, ist tot.

Erstmeldung vom 6. September, 6.29 Uhr: Peking - Der deutsche Botschafter in China, Jan Hecker, ist tot. Das teilte das Auswärtige Amt am Montagmorgen mit. Der 54-Jährige hatte den Posten erst im August übernommen. Die Umstände seines Todes waren zunächst unklar. Zuvor war Hecker als außenpolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU*) tätig.

Deutscher Botschafter in China stirbt: Trauer um Jan Hecker

„Mit tiefer Trauer und Bestürzung haben wir von dem plötzlichen Tod des deutschen Botschafters in China, Prof. Dr. Jan Hecker, erfahren“, hieß es in der Mitteilung des Auswärtigen Amts. „Unsere Gedanken sind in diesem Moment bei seiner Familie und den Menschen, die ihm nahestanden.“ Der 54-Jährige ist in Kiel geboren, war verheiratet und hinterlässt drei Kinder.

„Was für traurige und schockierende Nachrichten“, reagierte ein hoher Beamter des chinesische Außenministeriums auf den Tod des neuen Botschafters. Ein führender deutscher Unternehmensvertreter, der gerade erst mit ihm zusammengetroffen war, sagte: „Tragisch. Er war ein solch schlauer und zurückhaltender Mann. Ein guter Zuhörer.“

Deutschlands Botschafter in China, Jan Hecker, ist tot.

Botschafter Jan Hecker gestorben: Er arbeitete auch im Bundeskanzleramt

Nach der Ankunft in Peking hatte er mit seiner Familie zunächst die in China übliche Corona*-Quarantäne durchlaufen. Zuvor war er im Bundeskanzleramt seit 2017 Leiter der Abteilung Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik gewesen und damit ein enger Vertrauter der Kanzlerin.

Zwischen 2011 bis 2015 war der Rechts- und Politikwissenschaftler als Richter am Bundesverwaltungsgericht tätig, nachdem er von 1999 bis 2011 im Bundesinnenministerium gearbeitet hatte. 2015 wurde Hecker Leiter des damals neu geschaffenen Koordinierungsstabes Flüchtlingspolitik. Er war in der Flüchtlingskrise maßgeblich mitverantwortlich dafür, das von der Kanzlerin ausgegebene Versprechen „Wir schaffen das“ in die Tat umzusetzen. Damit rückte Hecker ins Zentrum der Regierungspolitik an Merkels Seite auf.

Deutscher Botschafter in China gestorben - Jan Hecker (54) war ein enger Vertrauter von Kanzlerin Merkel

Er war der erste außenpolitische Berater der Kanzlerin, der nicht die klassische Diplomatenkarriere durchlaufen hatte und galt als herausragender außenpolitischer Aufsteiger. Nach der Bundestagswahl und dem Ende der Kanzlerschaft Merkels sollte Hecker nach Einschätzung von Beobachtern für Kontinuität im schwierigen Verhältnis zur aufstrebenden Großmacht China sorgen.

Vertreter des chinesischen Außenministeriums hatten seine Ernennung ausdrücklich begrüßt und auf seine Nähe zur Kanzlerin verwiesen, die in den zunehmenden Spannungen Europas mit China einen eher zurückhaltenden Kurs vertritt.

In Peking übernimmt Heckers Vertreter, der Gesandte Frank Rückert, vorläufig seine Aufgaben. (kam/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Reuters Pool/Annegret Hilse/dpa-Bildfuk

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