Juli hält traurigen Rekord für US-Truppen

Kabul - Während die ersten Soldaten abziehen, erstarken die Taliban erneut. Der Juli hält einen traurigen Rekord, er ist der verlustreichste Monat der US-Truppen seit Beginn der Offensive.

Mit mindestens 63 getöteten US-Soldaten in Afghanistan ist der Juli für die amerikanischen Streitkräfte zum verlustreichsten Monat seit Beginn der Offensive am Hindukusch vor knapp neun Jahren geworden. Wie die NATO am Freitag mitteilte, kamen am Donnerstag bei zwei Explosionen im Süden des Landes drei US-Soldaten ums Leben.

Trauerfeier der in Afghanistan getöteten Soldaten

Trauerfeier für die Afghanistan-Soldaten

US-Verteidigungsminister Robert Gates schließt unterdessen nach der Veröffentlichung von geheimen US-Militärakten im Internet ein Vorgehen gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange nicht aus. Die Zahl von 63 Todesopfern basiert auf einer Zählung der Nachrichtenagentur AP auf der Grundlage von Militärangaben. Bisher hielt der vergangene Monat den traurigen Rekord. Im Juni kamen 104 Angehörige der internationalen Streitkräfte in Afghanistan ums Leben, darunter 60 US-Soldaten. Auch deutsche Truppen wurden weiter zum Ziel der Aufständischen. Allein am Donnerstag kam es nach Angaben der Bundeswehr zu zwei derartigen Zwischenfällen: Erst wurde eine Transall-Frachtmaschine kurz nach dem Start vom Flugfeld in Kundus mit Handfeuerwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen. Später griffen Aufständische eine Patrouille sechs Kilometer westlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus an. In beiden Fällen wurde niemand verwundet, auch die Transall blieb unbeschädigt.

Pentagon verschärft Vorschriften zur Geheimhaltung

Derzeit leiten Experten der Army im US-Verteidigungsministerium die Ermittlungen nach den Quellen der Internetplattform, die zu Beginn der Woche mehr als 90.000 Dokumente ins Netz stellte. Gates sagte am Donnerstag, er habe das FBI eingeschaltet, um die Verräter zu finden. Laut einem Bericht des “Wall Street Journal“ wird dafür der Gefreite Bradley Manning verantwortlich gemacht, der Wikileaks schon ein brisantes Video über den Beschuss von Zivilpersonen aus einem US-Militärhubschrauber zugespielt haben soll, das im April international für Aufsehen sorgte. Falls das FBI tätig würde, rückten auch Zivilpersonen ins Blickfeld. Das Justizministerium könnte Verdächtige vor ein Bundesgericht bringen. Ob gegen den australischen Staatsbürger Assange oder gegen die Medien, die das Wikileaks-Material verwendeten, ermittelt werden soll, ließ Gates offen. Laut Gates verschärft das Pentagon infolge der Datenpanne die Regeln zum Umgang mit geheimen Dokumenten in Kriegsgebieten.

Was dürfen deutsche Soldaten in Afghanistan?

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Assange hat mehrfach gesagt, er betreibe die Veröffentlichung der Dokumente über den Einsatz in Afghanistan zum Wohle der Allgemeinheit, die ein Recht auf eine umfassende Information habe. Wikileaks wolle den westlichen Truppen in Afghanistan und ihren Informanten durch die Veröffentlichung nicht schaden, deshalb seien nur Berichte ins Netz gestellt worden, die keine Gefahr darstellten. Doch das Pentagon wies diese Darstellung zurück. “Herr Assange kann über das Gemeinwohl, dem er und seine Quellen zu dienen glauben, erzählen, was er will“, sagte Generalstabchef Mike Mullen. “Aber in Wahrheit könnte bereits das Blut junger amerikanischer Soldaten oder das von afghanischen Familien an seinen Händen kleben.“ Assange sagte dem australischen Sender ABC in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview, Wikileaks habe über die “New York Times“ versucht, das Weiße Haus vor der Veröffentlichung der Dokumente zu kontaktieren. Den Regierungsbeamten sei angeboten worden, einen Blick auf die Geheimberichte zu werfen, um sicherzustellen, dass keine unschuldigen Menschen identifiziert würden. Das Weiße Haus habe auf das Angebot aber nicht reagiert.

DAPD

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