Putschgerüchte in Thailand - Kämpfe an der Grenze

Bangkok - In Thailand kursieren seit Donnerstag Putschgerüchte. Auslöser waren eine ungewöhnliche Militärübung in Bangkok und ein Ausfall der Fernsehsignale am Abend. Gleichzeitig flammten neue Kämpfe an der Grenze zu Kambodscha auf.

Die Übernahme von Radio und Fernsehen ist oft eine der ersten Maßnahmen des Militärs bei einer Machtübernahme. Die Zeitung “The Nation“ konstatierte am Freitag Panik im ganzen Land. Der Ausfall der Fernsehsignale sei ein technisches Problem gewesen, sagte ein Regierungssprecher. Gleichzeitig sorgten Berichte von neuen Kämpfen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze für Unruhe. Es soll bereits mehrere Tote gegeben haben.

Durch Thailand zieht sich seit Jahren ein tiefer politischer Graben. Zunächst standen sich das alte Establishment der städtischen Eliten, die sogenannten Gelbhemden, und die armen Bauern aus dem Nordostens, die Rothemden gegenüber, doch sind die Fronten längst zerfasert. Premierminister Abhisit Vajjajiva, ursprünglich von den Gelbhemden im Amt begrüßt, hat Rückhalt verloren. Er hat Wahlen spätestens im Juli angekündigt. Dabei rechnen sich die Rothemden eine gute Siegeschance aus.

Das Militär wolle einen Sieg der Rothemden an der Wahlurne verhindern, heißt eine der Theorien hinter den Putschgerüchten. Es hatte zuletzt 2006 die Macht übernommen. Damals stürzte es die Regierung der Galionsfigur der Rothemden, den damaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra. Am Freitagmorgen meldete die kambodschanische Regierung, dass thailändische Soldaten in der Provinz Oddar Meanchey auf kambodschanisches Territorium vorgedrungen seien. Das Gebiet liegt etwa 200 Kilometer vom Tempel Preah Vihear auf kambodschanischem Gebiet entfernt, den beiden Länder beanspruchen. Dort waren bei Kämpfen im Februar zehn Menschen ums Leben gekommen.

dpa

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