Kein Strategiewechsel in Afghanistan

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Die Bundesregierung will auch nach dem jüngsten tödlichen Taliban-Angriff an ihrer Einsatzstrategie in Afghanistan festhalten.

Berlin - Kein Richtungswechsel: Die Bundesregierung will auch nach dem jüngsten tödlichen Taliban-Angriff an ihrer Einsatzstrategie in Afghanistan festhalten.

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“Die Strategie wird nach wie vor für sinnvoll gehalten“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Freitag in Berlin. Das von den Aufständischen mit einer Sprengfalle angegriffene deutsche Fahrzeug gehörte zu einer 3000 Mann starken Einheit aus afghanischen Soldaten und Kräften der Internationalen Schutztruppe ISAF. Darunter sind auch Ausbilder aus Deutschland. Auch der Sprecher des Außenministeriums sagte, ein neues Mandat sei nicht notwendig. Die Bewertung als bewaffneter Konflikt lasse an Deutlichkeit keine Fragen offen.

Die Bundeswehr in Afghanistan

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Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans unterstrich, die Bundesregierung halte eine Änderung des Mandates für den Bundeswehreinsatz am Hindukusch nicht für notwendig. Der Einsatz der Deutschen in dem Land werde von der Bundesregierung ständig beobachtet und bewertet. Dabei seien immer wieder “kleinere Nachjustierungen“ notwendig. Die deutsche Afghanistan-Strategie sei nie ein statisches Konzept gewesen, sagte Steegmans, sondern immer ein dynamischer Prozess, “wo es kleinere Nachsteuerungen innerhalb des bestehenden Mandats und der bestehenden Strategie gibt“.

Ein Beispiel sei die Nachbestellung von gepanzerten Fahrzeugen in dieser Woche. Steegmans betonte, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe immer wieder betont, dass das Ziel des Afghanistan-Einsatzes allein mit militärischen Mitteln nicht zu erreichen sei. Ebenso wichtig sei Hilfe für den zivilen Aufbau und den Ausbau der Staatsstrukturen.

Verletzte Soldaten warten auf Rückflug

Unterdessen sind die fünf in Afghanistan verletzten Soldaten außer Landes nach Süd-Usbekistan zum deutschen Stützpunkt Terme gebracht worden. Von dort sollen sie möglichst noch am Freitagnachmittag gemeinsam mit Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Richtung Deutschland abfliegen, wie ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage berichtete. Wann und wo die Maschine ankommt, sei wegen wegen der europaweiten Flugbeschränkungen infolge der Aschewolke aber noch unklar. Die vier Leichen der getöteten Soldaten sollen später nach Deutschland gebracht werden.

Der Luftstützpunkt Terme im Süden Usbekistans ist das entscheidende Drehkreuz für den ISAF-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Die Hafenstadt liegt am Grenzfluss Amu-Darja. Knapp 300 Soldaten tun Dienst auf dem Stützpunkt, für den jeder Einsatzsoldat, jede Patrone und jede Schraube für Afghanistan mit großen Airbus-Transportern aus Deutschland eingeflogen wird. Dann geht es mit kleineren Transall-Propellermaschinen weiter, die auf Sicht die schroffen Berge in Afghanistan überwinden, oft auch unter widrigen Wetterbedingungen.

dpa/DAPD

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