Interview über den Tag der Ermordung

Khashoggis Verlobte spricht über Mordfall - „Er sagte: ‚Warte auf mich, es dauert nicht lange‘“ 

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Das letzte Bild von Jamal Khashoggi: Hier betritt er am 2. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul. Kurz darauf ist er tot.

Der Journalist Jamal Khashoggi ist 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet worden. Jetzt spricht zum ersten Mal seine Verlobte - sie wartete an jenem Tag vor dem Gebäude.

Istanbul - Zum ersten Mal meldet sich die Verlobte des im Oktober 2018 ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi in einem Interview zu Wort. Geäußert hat sie sich im Gespräch mit der französischen Zeitung Paris Match.

Hatice Cengiz (34) berichtet darin, wie sie den saudischen Journalisten bei einer Konferenz in Istanbul kennen und lieben lernte. Doch vor allem gibt sie einen neuen Einblick des 2. Oktobers - jenes Tages, an dem ihr Verlobter im saudischen Konsulat in Istanbul bisherigen Erkenntnissen nach von 18 Agenten verhört, gefoltert, ermordet und zerstückelt wurde. In die Falle gelockt unter dem Vorwand eines wichtigen Termins im Konsulat wegen seiner bevorstehenden Hochzeit mit Hatice Cengiz.

Hatice Cengiz: Khashoggi war misstrauisch vor dem Termin im Konsulat

Laut Cengiz war Jamal Khashoggi von vornherein sehr misstrauisch wegen des Termins. So habe er gefragt, ob er verpflichtet sei, zum Konsulat zu gehen. Angeblich hätte er wichtige Dokumente für die Hochzeit dort holen müssen. Wie sich herausstellen sollte, war es eine Falle. Khashoggis Leichenteile sind bis heute nicht aufgetaucht. Angeblich sollen sie in Säure aufgelöst und in die Kanalisation geschüttet worden sein. 

Mohammed bin Salman steht unter Verdacht, den Mord an Khashoggi befohlen zu haben. Beteiligte Saudis sollen in den USA ausgebildet worden sein.

Auch wenn Khashoggi vor dem Besuch des Konsulats misstrauisch war, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als den Termin wahrzunehmen, sagt Cengiz in dem bei bild.de nachzulesenden Interview (Bezahl-Inhalt): „Ihm wurde gesagt, dass er ein offizielles Dokument braucht.“ Sie riet ihm, seine saudischen Freunde in Washington zu fragen. Ob er diesen Ratschlag beherzigte, weiß sie nicht. 

Fall Khashoggi: Bedroht habe er sich nicht gefühlt, er fürchtete lediglich um seinen Pass

Wurde der Mord an Jamal Khashoggi (l.) vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (r.) befohlen?

Bedroht habe er sich zu dieser Zeit nicht gefühlt. „Jedoch fürchtete er, dass sie seinen Pass konfiszieren würden, wenn er zum Konsulat gehen würde.“ Doch dass was bei dem angeblich wichtigen Termin passiert, war für das Paar nicht einmal ansatzweise vorstellbar. Um 13.14 Uhr betritt Khashoggi das Konsulat. Er sollte es nie mehr lebend verlassen.

Khashoggi-Mord: UN sieht Hinweise auf Saudi-Kronprinz.

Seine letzten Worte zu seiner Verlobten waren: „Warte auf mich. Es wird nicht lange dauern.“ Eine Stunde lang hörte Cengiz nichts von ihrem Verlobten. Sie begann sich Sorgen zu machen. Auffälligkeiten sind ihr nach eigenen Angaben nicht aufgefallen. Sie sah nicht die Mörder oder deren Fahrzeuge. Alles schien normal.

Fall Khashoggi: Aggressiver Mann aus Konsulat sagt: „Es ist niemand mehr drin. Alle sind weg“

Erst, als sie ihre Schwester um 16 Uhr in einer Nachricht fragte, wie lange das Konsulat geöffnet hat und diese mit 15.30 Uhr antwortete, ahnte Khashoggis Verlobte Schlimmes. „Meine Hände zitterten. Ich hatte Angst“, sagt sie gegenüber Paris Match

Lesen Sie auch: UN-Expertin sieht Hinweise auf Verantwortung von Saudi-Kronprinz bei Khashoggi-Mord.

Cengiz erklärte zwei türkischen Polizisten, dass Jamal Khashoggi nicht herausgekommen war: „Sie sagten, dass sie nichts tun könnten.“ Dann rief sie das Konsulat an. „Das Gespräch lief so: Ich fragte: ,Wo ist Jamal?‘ – ,Wer bist du?‘ – ,Ich bin seine Verlobte.‘ – ,Wo bist du?‘ – ,Draußen an der Barriere.‘ – ,Beweg dich nicht. Ich komme.‘ Ein Mann mit ernstem Gesicht kam heraus. Aggressiv sagte er zu mir: ,Es ist niemand mehr drin. Alle sind weg.‘“

Jamal Khashoggi war zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits tot. Hatice Cengiz, seine Verlobte, schreibt später: „Sie haben deinen Körper aus meiner Welt genommen. Dein wunderschönes Lachen wird immer in meiner Seele bleiben.“ 

Laut Medienberichten soll die saudische Führung inzwischen Khashoggis Kinder entschädigt haben.

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