Hat Kims Sohn das Zeug zum Despoten?

Seoul - Der langjährige Staatsführer der Atommacht Nordkorea, Kim Jong Il, ist tot. Experten bezweifeln, dass die Übergabe der Macht an Kims jüngsten Sohn reibungslos verlaufen wird.

Die Machtverhältnisse in Nordkorea nach dem Tod von Kim Jong Il sind nach Einschätzung des Korea-Kenners Bernhard Seliger noch nicht geklärt. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass Kims Sohn Kim Jong Un sich als Nachfolger durchsetzen könne, sagte der Leiter des Korea-Büros der Hanns-Seidel-Stiftung am Montag im Deutschlandradio Kultur.

Der jüngste Sohn Kims sei mit 28 Jahren noch sehr jung. Zudem sei unklar, ob er genug Gefolgschaft in Partei, Armee und Regierung finde. Sein Vater habe 30 Jahre in der Partei gearbeitet, davon 15 Jahre als offizieller Thronfolger, bevor er schließlich der Führer des Landes geworden sei, sagte Seliger. Kim Jong Un werde hingegen erst seit zwei Jahren auf die Nachfolge vorbereitet. Man müsse damit rechnen, dass sein Rückhalt viel geringer sei.

“Es könnte also gut sein, dass es wie in China nach dem Tod Maos zu Nachfolgekämpfen kommt“, sagte Seliger. Daran könnte sich dann möglicherweise eine Phase der Reformen anschließen.

Kim Jong Il: Der rätselhafte Despot

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Kim, der nach einem vermuteten Schlaganfall 2008 als gesundheitlich angeschlagen galt, hatte zuletzt die Übertragung der Macht auf seinen Sohn vorangetrieben. Kim Jong Un war im September 2010 in die erweiterte Führungsriege der Arbeiterpartei aufgenommen worden. Kim Jong Il hatte ihn damit praktisch zum Nachfolger ernannt.

Nordkorea hatte die Bevölkerung nach dem Tode des Machthabers Kim Jong Il aufgerufen, dessen Sohn Kim Jong Un als Nachfolger treu ergeben zu sein. In Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA wurde Kim Jong Un am Montag als “großer Nachfolger“ seines Vaters bezeichnet.

Das Land müsse “den achtbaren Genossen Kim Jong Un treulich verehren.“ Unter der “weisen Führung“ Kims könne keine Macht der Erde den revolutionären Fortschritt der Partei, der Armee und der Bevölkerung aufhalten.

Steht eine politische Wende bevor?

Der Tod Kims löste derweil Sorgen über Instabilität in der Region aus. Das Nachbarland Südkorea ordnete höchste Alarmbereitschaft für die Streitkräfte an. Beide Staaten befinden sich völkerrechtlich seit dem Ende des Korea-Kriegs (1950-53) noch im Kriegszustand. Japan berief seinen Sicherheitsrat ein.

Der japanische Ministerpräsident Yoshihiko Noda wies am Montag das Verteidigungsministerium und andere Regierungsstellen an, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Japan stehe mit seiner Schutzmacht USA sowie China und Südkorea bereits in engem Kontakt, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Europäische Union hat ohne Bedauern auf den Tod von Kim Jong II reagiert. “Wir nehmen die Mitteilung der nordkoreanischen Staatsmedien zur Kenntnis, wonach Kim Jong-Il am Wochenende gestorben ist“, heißt es in einer Erklärung des Sprechers der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton vom Montag in Brüssel. Die EU beobachte die Lage aufmerksam und sei “mit ihren strategischen Partnern in Kontakt, um Einschätzungen über mögliche Auswirkungen auszutauschen“.

Die Bundesregierung sieht in der Entwicklung auch eine Chance: Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin rief die neue Führung in Pjöngjang am Montag zu einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung des Landes auf. Nach Ansicht des britischen Außenministers, William Hague, könnte der Tod Kims eine Wende in der Politik des kommunistischen Landes ermöglichen. Die Nachfolger müssten anerkennen, dass die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft die beste Möglichkeit biete, die Lebensqualität des Volkes zu heben, hieß es in einem Statement Hagues.

dpa/dapd

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