Korea-Konflikt spitzt sich zu

Propaganda-Video zeigt Angriff auf die USA

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Eine Szene aus dem Video zeigt, wie eine amerikanische Stadt bombardiert wird.

Seoul - Der Konflikt zwischen Süd- und Nordkorea hat sich zugespitzt. Die Zeichen stehen auf Angriff. Unterdessen ist auf Youtube ein Propaganda-Video von einem fiktiven Angriff auf eine US-Stadt aufgetaucht.

Erst ein greller Lichtblitz, dann eine US-Flagge, dann eine brennende Stadt - der schaurige Propaganda-Film zeigt, wie eine amerikanische Metropole von nordkoreanischen Raketen unter Beschuss genommen wird. Die Handlung in Kurzform: Ein Mann träumt, wie Raketen durch den Weltraum fliegen. Schließlich ist zu sehen, wie sie auf eine amerikanische Stadt regnen. Musikalisch untermalt ist das bizarre Szenario mit dem Michael-Jackson-Hit "We are the World".

Unterdessen blickt die Welt mit Sorge in Richtung Korea. Denn es könnte nur noch eine Frage der Zeit sein, dass Nordkorea eine Militäraktion gegen Südkorea startet. Dafür spricht das Muster, wie der Konflikt beider Länder in der Vergangenheit verlief. Die Regierung in Seoul betont ihrerseits: Sie wird dieses Mal hart zurückschlagen. Aus dem Konflikt der beiden koreanischen Staaten, so wird nun befürchtet, könnte sich ein Flächenbrand entwickeln.

Angesichts der nordkoreanischen Androhung eines Atomschlags gegen die USA als Reaktion auf die neuen UN-Sanktionen ging ein Satz aus der Erklärung des obersten Militärkommandos in Pjöngjang vom 5. März völlig unter: Nordkorea, so heißt es dort, behalte sich vor, jederzeit jedes beliebige Ziel anzugreifen. Ähnliche Äußerungen fielen bereits im Jahr 2009, nachdem der Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen das Land wegen seines Raketen- und Atomprogramms verhängt hatte.

Im November 2009 ereignete sich dann im Gelben Meer ein Seegefecht zwischen Soldaten beider Staaten, bei dem nach südkoreanischen Angaben ein Kriegsschiff des Gegner beschädigt wurde. Die Regierung in Pjöngjang kündigte Vergeltung an. Im März 2010 explodierte die „Cheonan“, eine Korvette der südkoreanischen Marine, auf hoher See. 46 Menschen kamen dabei ums Leben.

Südkorea geht davon, dass Nordkorea für den Vorfall verantwortlich ist - was die Führung in Pjöngjang stets bestritten hat. Das Versenken der „Cheonan“ sei möglicherweise ein Vergeltungsschlag gewesen wegen der Niederlage bei dem Seegefecht vier Monate zuvor, sagt Koh Ju Hwan, Spezialist für Nordkorea an der Dongguk-Universität in Seoul.

Es gibt eine weitere Parallele zur aktuellen Situation: Nordkorea forderte den Süden im November 2010 auf, ein Manöver auf der Inselgruppe Yeonpyeong im Gelben Meer abzubrechen. Das Gebiet liegt nur etwa zwölf Kilometer von der nordkoreanischen Grenze entfernt. Das Manöver wurde fortgesetzt. Wenig später beschoss das nordkoreanische Militär die Insel mit Granaten. Vier Menschen, zwei Zivilisten und zwei Marineinfanteristen, starben.

Nach nordkoreanischer Darstellung war der Beschuss eine Reaktion auf Angriffe aus dem Süden. Südkorea wiederum erklärte, bei dem Manöver seien nur Schüsse in Richtung Westen, also nicht in Richtung der nordkoreanischen Grenze, abgegeben worden.

Derzeit findet wieder eine Militärübung im Süden statt: Die USA und Südkorea haben Anfang der Woche mit ihrem jährlichen Großmanöver begonnen - trotz Warnungen aus Nordkorea, die es als Vorbereitung für eine Invasion des Nordens bezeichnet haben.

Das Manöver wird bis Ende April dauern. Experten ziehen daraus Rückschlüsse, wann ein Angriff des Norden auf Südkorea zu erwarten ist. Wahrscheinlich nicht während der Übung, bei der sich hochmoderne US-Waffensysteme vor Ort befinden, sagt Chon Hyun Joon von dem von der Regierung in Seoul finanzierten Institiut für Nationale Einheit. In den Jahren 1999, 2002 und 2009 fanden Seegefechte zwischen nord- und südkoreanischen Truppen kurz nach solchen Großübungen mit den USA statt.

Und noch einen Hinweis gibt die Vergangenheit, dass ein nordkoreanischer Angriff kurz bevor stehen könnte: Ende Februar wurde die neue südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye ins Amt eingeführt. Wie ihr Vorgänger Lee Myung Bak gehört sie der konservativen Saenuri-Partei an, und sie hat angekündigt, wie er hart auf eventuelle Aggressionen seitens des Nordens reagieren zu wollen.

Seit 1992, so haben Victor Cha, ehemals Asien-Berater von US-Expräsident George W. Bush, und Ellen Kim vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington erklärt, hat Nordkorea jedes Mal auf die Amtseinführung eines neuen Staatsoberhauptes in Südkorea mit einer militärischen Aktion reagiert. „Mit einer nordkoreanischen Provokation ist in den nächsten Wochen zu rechnen“, schreiben die beiden.

ole/AP

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