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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

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Einkaufszentrum in Krementschuk
Feuerwehrleute des staatlichen ukrainischen Katastrophenschutzes arbeiten an dem Brand im Einkaufszentrum. © Efrem Lukatsky/AP/dpa

In der zentralukrainischen Stadt Krementschuk steht ein Einkaufszentrum nach einem Raketenangriff in Flammen. Es sind dramatische Szenen. Die Entwicklungen im Überblick.

Kiew - Aufnahmen vom verheerenden Einschlag einer Rakete in einem Einkaufszentrum in der Ukraine sind beim G7-Gipfel im bayerischen Elmau mit Bestürzung aufgenommen worden.

Das Gebäude in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk, in dem sich laut Präsident Wolodymyr Selenskyj mehr als tausend Zivilisten aufgehalten haben sollen, brannte nach dem Raketentreffer am Montagnachmittag aus. Nach Behördenangaben gab es mindestens 15 Tote und 40 Vermisste. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden 59 Menschen medizinisch behandelt, rund die Hälfte von ihnen sei in einem ernsten Zustand.

Während die Opferzahlen im Ukraine-Krieg weiter steigen, erhöhen die G7-Staaten den Druck auf Russland und sagen der Ukraine weitere finanzielle, militärische, humanitäre und diplomatische Unterstützung zu. Die Nato kündigte zudem an, die Zahl ihrer schnellen Einsatzkräfte um ein Vielfaches zu erhöhen.

Bestürzung nach Angriff auf Einkaufszentrum

Aus Moskau gab es zunächst keine Reaktion auf den Vorwurf, russische Truppen seien verantwortlich für den Raketeneinschlag in Krementschuk. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte handelte es sich um Luft-Boden-Raketen des Typs X-22, die von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden seien. In unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums befinden sich mehrere Industrieanlagen, darunter eine Fabrik für Straßenbaumaschinen. Dem ukrainischen Sicherheitsrat zufolge schlug eine zweite Rakete in ein örtliches Sportstadion ein.

„Die Besatzer haben mit Raketen auf ein Einkaufszentrum geschossen, in dem mehr als tausend Zivilisten waren“, schrieb Selenskyj im Nachrichtendienst Telegram. Er verbreitete ein Video, das die brennende Ruine und dicke dunkle Rauchwolken zeigt.

Am Dienstag (21.00 Uhr, MESZ) will der UN-Sicherheitsrat zu dem Angriff beraten, wie Diplomaten in New York am Montag mitteilten. Das Treffen war auf Bitten der Ukraine anberaumt worden.

Staats- und Regierungschefs verurteilen Angriff

Der G7-Gipfel hat den Angriff verurteilt und Russland mit Konsequenzen gedroht. „Willkürliche Angriffe auf unschuldige Zivilistinnen und Zivilisten sind Kriegsverbrechen. Der russische Präsident Putin und die Verantwortlichen werden dafür Rechenschaft ablegen müssen“, hieß es in einer Erklärung der Gipfelteilnehmer am Montagabend.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Angriff als „absoluten Horror“ bezeichnet. Man teile den Schmerz der Familien der Opfer und die Wut über eine solche Schmach, schrieb der Staatschef am Montagabend in einem Tweet. Das russische Volk müsse die Wahrheit sehen.

Auch US-Präsident Joe Biden hat Russland für den Raketenangriff verantwortlich gemacht und scharf dafür kritisiert. „Der Angriff Russlands auf Zivilisten in einem Einkaufszentrum ist grausam“, schrieb Biden in der Nacht zum Dienstag auf Twitter. „Wir sind solidarisch mit dem ukrainischen Volk.“ Biden hält sich derzeit beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern auf.

Der US-Präsident schrieb weiter: „Wie beim G7-Gipfel gezeigt, werden die USA gemeinsam mit unseren Verbündeten und Partnern Russland weiterhin für solche Gräueltaten zur Rechenschaft ziehen und die Verteidigung der Ukraine unterstützen.“

Kämpfe in Ukraine gehen erbittert weiter

Unterdessen gingen die Gefechte in der Ukraine weiter. So schlug das ukrainische Militär westlich von Lyssytschansk nach eigenen Angaben russische Angriffe zurück und verhinderte damit eine Einkesselung der strategisch wichtigen Großstadt im Osten des Landes.

Dort kamen mehrere Menschen durch einen Raketenangriff ums Leben. Behördenangaben zufolge starben acht Menschen, die sich vor einem Tankwagen anstellten, um Trinkwasser zu bekommen. In der Stadt Charkiw wurden nach Angaben der regionalen ukrainischen Befehlshabers Oleg Sinegubow bei russischem Beschuss 5 Zivilisten getötet und 22 weitere verletzt.

Das russische Militär wiederum teilte mit, bei Angriffen auf die Region Mykolajiw im Südosten der Ukraine seien mehr als 40 ukrainische Soldaten getötet worden. Wie so viele Angaben zum Kriegsgeschehen waren auch diese nicht zu überprüfen.

Putin plant erste Auslandsreise seit Kriegsbeginn

Russlands Präsident Wladimir Putin wird am Dienstag seine erste Auslandsreise seit Kriegsbeginn antreten und laut Kreml Gespräche mit dem tadschikischen Staatschef in dem zentralasiatischen Land führen. Tags darauf nimmt er an einem Gipfel der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres in Turkmenistan teil. Außerdem kündigte der Kreml Putins Teilnahme am G20-Gipfel im Herbst in Indonesien an.

Verteidigungsminister fordert Raketenabwehrsysteme

Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow forderte konkret moderne Raketenabwehrsysteme mit hoher Reichweite vom Westen. Diese müssten schnell stationiert werden, um so auch die Sicherheit für europäische Städte zu gewährleisten, schrieb er bei Facebook. Er bezeichnete Raketenangriffe auf „friedliche ukrainische Städte“ als heimtückisch, weil sie entweder vom russischen Territorium aus oder von Belarus oder vom Kaspischen und Schwarzen Meer aus abgefeuert würden. Resnikow schlug zudem eine Entmilitarisierung von Teilen Russlands vor als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen.

Moskau stellt erneut Bedingung für Verhandlungen mit Kiew

Russland hat abermals Verhandlungen mit der Ukraine an die Bedingung geknüpft, dass Kiew die Forderungen Moskaus akzeptiert. Das sagte die Vorsitzende des russischen Föderationsrats, Valentina Matwijenko, wie die Staatsagentur Tass meldete. Die in der Öffentlichkeit geäußerten Forderungen Moskaus zu Beginn des Kriegs bestanden etwa in der Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten sowie der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Staatsgebiet. dpa

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