Letzter Kriegsverbrecher in Serbien verhaftet

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Der letzte vom UN-Tribunal in Den Haag angeklagte mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher, Goran Hadzic, ist verhaftet worden (Archivbild).

Belgrad - Nach acht Jahren auf der Flucht ist der frühere kroatisch-serbische Rebellenführer und mutmaßliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic im Norden Serbiens verhaftet worden.

Dies bestätigte Staatspräsident Boris Tadic am Mittwoch in Belgrad. Hadzic sei in der bergigen Region Fruška Gora gestellt worden, wo auch seine Familie lebe, sagte Tadic. “Damit hat Serbien das schwierigste Kapitel in der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal geschlossen“, sagte der Präsident. Der frühere kroatisch-serbische Rebellenführer Hadzic war der letzte der vom Internationalen Strafgerichtshof für das frühere Jugoslawien gesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher.

Die EU begrüßte die Festnahme sowie die “Entschiedenheit und Entschlossenheit“ der serbischen Regierung. Serbien habe einen weiteren wichtigen Schritt bei der Realisierung seiner europäischen Perspektive, wie auch für die Bedeutung der internationalen Justiz gemacht, hieß es in einer Stellungnahme von EU-Präsident Herman Van Rompuy, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Gegen Hadzic, der seit acht Jahren auf der Flucht war, wurde im Jahr 2004 Anklage wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kroatienkriegs in den Jahren 1991 bis 1995 erhoben.

Er wird für den Mord an Hunderten kroatischen Zivilpersonen und die gewaltsame Vertreibung von rund 28.000 Menschen verantwortlich gemacht. Einer Festnahme im Norden Serbiens war Hadzic bei einer früheren Gelegenheit nur knapp entgangen, weil er offenbar einen Tipp aus dem Kreis der serbischen Sicherheitsbehörden erhalten hatte.

Serbien hofft nun auf EU-Beitritt

Knapp zwei Monate nach der Festnahme des früheren Oberbefehlshabers der bosnischen Serben während des Krieges in Bosnien-Herzegowina, Ratko Mladic, hat Belgrad mit der Ergreifung Hadzics ein weiteres Hindernis auf dem Weg zurück in die internationale Gemeinschaft beiseite geräumt. Zuvor war bereits der frühere Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, festgenommen und nach Den Haag ausgeliefert worden. Jahrelang sahen sich die serbischen Behörden dem Vorwurf ausgesetzt, sie würden nicht genug zur Ergreifung der mutmaßlichen Kriegsverbrecher tun. Dies hatte auch eine mögliche Aufnahme des Landes in die Europäische Union verhindert.

Nun hofft das Land, noch Ende des Jahres den Status eines Beitrittskandidaten zu erhalten. Serbien habe nun seine “rechtlichen Verpflichtungen, wie auch seine moralische Pflicht erfüllt“, sagte Tadic mit Blick auf die Forderung der EU, alle flüchtigen Kriegsverbrecher festzunehmen. Tadic bestritt, dass Behörden in Serbien bereits seit längerer Zeit gewusst hätten, wo Hadzic sich versteckt gehalten habe. In Brüssel begrüßte auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen die Festnahme des Gesuchten und lobte die serbischen Behörden für die Erfüllung ihrer internationalen Verpflichtungen.

Nach der Überstellung von Ratko Mladic nach Den Haag könne nun eines der schmerzlichsten Kapitel der jüngeren europäischen Geschichte geschlossen werden, teilte Fogh Rasmussen in einer Stellungnahme mit. “Serbiens Zukunft liegt in einer konstruktiven Zusammenarbeit mit seinen Nachbarn und der europäisch-atlantischen Familie“, sagte Mehr als 10.000 Menschen kamen in dem kroatischen Krieg ums Leben, der mit der Übernahme der von den Serben gehaltenen Gebiete durch Zagreb im Jahr 1995 endete.

dapd

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