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Rätsel um Krim-Explosionen: Ukraine verstrickt sich in Widersprüche - jetzt wird über neue Waffe spekuliert

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Von: Stephanie Munk

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Bilder von gewaltigen Explosionen auf der Halbinsel Krim, die in sozialen Netzwerken kursieren, geben Rätsel auf. Ist der Ukraine ein symbolträchtiger Angriff gegen Russland gelungen?

Kiew/Jewpatorija - Mehrere gigantische Explosionen erschütterten am Dienstag (9. August) die von Russland 2014 annektierte Halbinsel Krim. Bilder und Videos, die in sozialen Netzwerken kursieren, zeigen Detonationen und Rauchwolken in direkter Nähe zu Badestränden. Touristen verließen das Gebiet offenbar fluchtartig: Videos zeigen lange Staus von der Krim in Richtung Russland. Ein Mensch sei getötet, neun weitere Personen verletzt worden, teilte der pro-russische Krim-Chef Sergej Aksjonow nach Angaben russischer Agenturen mit.

Auf der Halbinsel Krim hat es am Dienstag, 9. August, mehrere gewaltige Explosionen gegeben. Am Strand von Saky steigt Rauch auf.
Auf der Halbinsel Krim hat es am Dienstag, 9. August, mehrere gewaltige Explosionen gegeben. Am Strand von Saky steigt Rauch auf. © picture alliance/dpa/Anonymous/AP

Die gewaltigen Explosionen - die Rede ist von bis zu 12 - sollen sich bei dem Dorf Nowofjodorowka unweit des Strandbades Jewpatorija ereignet haben. Das Gebiet ist äußerst relevant, denn dort befindet sich der Luftaffenstützpunkt Saky, von dem aus Russland seit Beginn des Ukraine-Kriegs Luftangriffe auf die Südukraine fliegt. Das russische Militär hat dort Bomber und Mehrzweckkampfflugzeuge stationiert. Erste, noch nicht verifizierte Videos von dem Stützpunkt zeigten zahlreiche ausgebrannte Autos, aber auch einen zerstörten russischen Bomber.

Explosionen auf der Krim: Gelang der symbolträchtiger Ukraine ein Angriff auf Russland?

Ist der Ukraine also ein symbolträchtiger Angriff auf die Krim gelungen? Anzahl und Wucht der Explosionen legen jedenfalls einen gezielten Angriff der Ukraine nahe. Es wäre die erste militärische Attacke auf die Schwarzmeerhalbinsel seit der Annexion 2014. Symbolisch wäre das für Russlands Präsident Wladimir Putin ein ähnlich schwerer Schlag wie Mitte April das Versenken des Kreuzers „Moskwa“, des Flaggschiffs der russischen Schwarzmeerflotte.

Annexion der Krim

Am 18. März 2014 annektierte Russland völkerrechtswidrig die zum Staatsgebiet der Ukraine gehörige Halbinsel Krim mit über zwei Millionen Einwohnern. Zuvor hatten bewaffnete Kräfte, offenbar russische Spezialtrupps, strategisch wichtige Punkte auf der Krim besetzt. Sie kontrollierten bald das Regionalparlament und hissten die russische Flagge auf offiziellen Gebäuden. Es folgte ein international umstrittenes Referendum. Weder die Volksabstimmung noch die Annexion der Krim werden bis heute international anerkannt. Ende 2014 gab Wladimir Putin laut einem Bericht der Bundeszentrale für politische Bildung zu, dass russische Soldaten an der Besetzung der Krim im Februar 2014 und an der Vorbereitung des Referendums beteiligt waren.

Explosionen auf der Krim: Besitzt Ukraine neuartige Waffe?

Wie der Militärexperte Egon Ramms gegenüber dem Nachrichtensender „Welt“ erklärte, verfügt die Ukraine derzeit über keine Waffen mit der Reichweite, die nötig wäre, um auf die 220 bis 240 Kilometer entfernte Halbinsel Krim zu schießen. Der Mehrfachraketenwerfer Himars, den die USA an die Ukraine lieferten, könne zwar mit einer bestimmten Munitionssorte bis zu 300 Kilometer entfernte Ziele treffen. Diese Munitionsart sei aber nicht an die Ukraine geliefert worden, sondern nur Munition mit einer Reichweite von nur 80 bis 90 Kilometer. „Das spricht gegen einen entsprechenden Angriff“, so seine Einschätzung.

In einem Bericht der US-Zeitung New York Times zu den Krim-Explosionen ist allerdings von einer neuartigen Waffe die Rede, die die Ukraine selbst entwickelt haben soll. Das Blatt beruft sich dabei auf Informationen eines namentlich nicht genannten ukrainischen Militär-Beamten. „Das war ein Luftwaffenstützpunkt, von dem regelmäßig Flugzeuge zu Angriffen auf unsere Kräfte an der südlichen Front gestartet sind“, wird der Offizier zitiert. Partisanen auf der Krim, die loyal zu Ukraine stünden, hätten den Angriff unterstützt.

Auch der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Olexij Arestowytsch, sprach inoffiziell von einem Angriff mit einer neuen ukrainischen Waffe, „während die Partner uns noch keine weitreichenden Raketen schicken“. Die ukrainische Rüstungsindustrie mache Fortschritte. Arestowytsch erwähnte auch den möglichen Einsatz von Partisanen.

Explosionen auf der Krim: Ukraine sagt bisher nichts zur Ursache

Die Ukraine bestätigt offiziell keinen Angriff auf die Krim. Vom ukrainischen Verteidigungsministerium heißt es bisher, man könne nichts zur Ursache der Explosionen sagen. Auf die Frage des unabhängigen russischen Fernsehsenders „Doschd“, ob Kiew die Verantwortung für die Explosionen trage, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak laut einem Bericht des Spiegel: „Natürlich nicht. Was haben wir damit zu tun?“

Zuvor hatte Podoljak dagegen auf Twitter geschrieben: „Das ist erst der Anfang.“ Die Krim habe eine Zukunft als Reiseparadies ohne russische Besatzung vor sich. Und Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk erklärte, „die heutigen Explosionen in Nowofjodorowka sind ein weiterer Beleg dafür, wem die Krim gehört.“ Die Angaben der Ukraine sind somit derzeit widersprüchlich.

Explosionen auf der Krim: Russland spricht von explodierter Munition - aus Fahrlässigkeit

Russland gibt an, es habe keinen Angriff der Ukraine auf der Krim gegeben, sondern es sei aus Fahrlässigkeit Munition explodiert, wahrscheinlich wegen eines Verstoßes gegen Brandschutzregeln. Eine ähnliche Begründung hatte Moskau mit Blick auf den Kreuzer „Moskwa“ geliefert. Auch damals hieß es, ein Brand an Bord habe zu einer Explosion auf dem Kriegsschiff geführt.

„Es gibt keine Anzeichen, Beweise oder gar Fakten, dass die Munition vorsätzlich zur Explosion gebracht wurde“, hieß es laut der Deutschen Presse-Agentur nun von einer Quelle aus dem russischen Verteidigungsministerium zu den Explosionen auf der Krim. Flugzeuge seien nicht beschädigt worden. Dies widerspricht Videos, auf denen zerstörte russische Kampfflugzeuge zu sehen sind. Das Bildmaterial ist allerdings nicht verifiziert.

Explosionen auf der Krim: Selenskyj verspricht seinem Volk Befreiung der Halbinsel

Selenskyj ging am Dienstag (9. August) in seiner abendlichen Videoansprache auf die Explosionen auf der Krim ein und versprach seinem Volk die Befreiung der Halbinsel von russischer Besatzung. Russland habe die Krim mit der Annexion im Jahr 2014 in einen der gefährlichsten Orte Europas verwandelt. „Die Schwarzmeerregion kann nicht sicher sein, solange die Krim besetzt ist“, erklärte er. „Dieser russische Krieg gegen die Ukraine, gegen das ganze freie Europa, hat mit der Krim begonnen und muss mit der Krim enden, mit ihrer Befreiung.“

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält seine nächtliche Videoansprache an die Nation anlässlich de
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hält seine nächtliche Videoansprache an die Nation. © Ukrainian Presidential Office/dpa

Russland betrachtet die Halbinsel als sein Staatsgebiet und hat für den Fall ukrainischer Angriffe mit massiver Vergeltung gedroht. Die meisten Staaten erkennen an, dass die Krim völkerrechtlich weiter zur Ukraine gehört und lehnen die russische Annexion ab. (smu mit Material von dpa)

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