Ukraine-Krisenplan: EM-Spiele in Deutschland?

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Die EM 2012 steht im Schatten der politischen Aktionen der Ukraine.

Berlin - Der Ukraine droht das große EM-Debakel. Nach Angaben der Polizeigewerkschaften, gibt es bereits seit einem Jahr einen Notfallplan, nach dem Spiele der Fußball-EM nach Deutschland verlegt werden könnten.

Eine kurzfristige Verlegung von Spielen der Fußball-Europameisterschaft aus der Ukraine nach Deutschland wäre nach Ansicht der deutschen Polizeigewerkschaften kurzfristig möglich. „Bereits vor mehr als einem Jahr haben sich Vertreter von Uefa, DFB und Bundesinnenministerium an einen Tisch gesetzt, um ein Krisen-Szenario zu entwickeln“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, der „Bild am Sonntag“ (Feiertagsausgabe am Dienstag).

„Fakt ist: Es gibt in der Schublade einen Alternativplan. Danach ist Deutschland in der Lage, kurzfristig die ukrainischen EM-Spiele zu übernehmen. Die Zeit dafür würde auch jetzt noch ausreichen.“ Solche Pläne seien normal, wenn Großveranstaltungen in politisch instabilen Ländern stattfänden, betonte Witthaut.

Dagegen zitierte die Zeitung einen Sprecher des Bundesinnenministeriums mit den Worten, ein Krisenplan zur Übernahme eines Teils der EM-Spiele sei ihm nicht bekannt.

Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat eine kurzfristige Verlegung von Spielen der Fußball-EM aus der Ukraine nach Deutschland erneut kategorisch ausgeschlossen.

Lange Haftstrafe: Julia Timoschenko im Porträt

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Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, sagte der „Bild am Sonntag“, er halte die deutsche Polizei für ausreichend gerüstet, um ein sportliches Großereignis wie die EM kurzfristig abzusichern. „Deutschland wäre bereit. Wir würden das sofort schaffen. Zwar steht die Polizei immer unter Belastungen, aber in einem solchen wichtigen und dringenden Fall hätten wir die Manpower und das Know-how.“

UEFA-Turnierdirektor Martin Kallen hatte einen kurzfristigen Wechsel von Spielen der Fußball-Europameisterschaft von der Ukraine nach Deutschland am Montag ausgeschlossen. „Das bekäme man in so kurzer Zeit nicht hin“, hatte er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Sollte eine EM nicht durchführbar sein, müsste das Turnier in ein anderes Jahr verschoben werden.

Politiker für Verlegung der Spiele

Die menschenrechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Erika Steinbach schlug eine Verlegung der ukrainischen EM-Spiele vor. „Eine Verlegung der Spiele von der Ukraine nach Polen, Österreich oder Deutschland wäre das richtige politische Signal an die undemokratische Regierung in Kiew. Das würde den größten Druck erzeugen“, sagte Steinbach der „Bild am Sonntag“ (Feiertagsausgabe am Dienstag). FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte der Zeitung: „Sollte es Alternativen zu den Spielstätten in der Ukraine in Polen geben, muss man diese ernsthaft und schnell überprüfen.“

Niebel unterstützt Boykott-Drohung

Bundesentwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) unterstützt die Drohung mit einem politischen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine wegen der Haftbedingungen für die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko. “Es ist gut, der Ukraine aufzuzeigen, was schlimmstenfalls passieren kann“, sagte Niebel der Düsseldorfer “Rheinischen Post“ (Dienstagausgabe) laut Vorabbericht. Die Ukraine solle die Zeit und die Chance nutzen, zu den Standards von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit und damit auf den Weg nach Europa zurückzukehren.

Die Bilder von der malträtierten Politikerin Timoschenko in Haft sorgen im Westen für Empörung. Die Diskussionen über einen EM-Boykott reißen nicht ab. Medienberichte über einen möglichen Boykott der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine durch die Bundesregierung sind in Kiew auf Unverständnis gestoßen.

dpa

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