Lafontaine: Keine Kampfkandidatur gegen Bartsch

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Der Parteivorsitzende der Linken, Oskar Lafontaine (l), und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch (r).

Berlin - Eine Kampfkandidatur gegen Dietmar Bartsch will Oskar Lafontaine nicht. Klein beigeben will er aber auch nicht. Wer sich durchsetzt, ist offen. Am Ende könnten beide verlieren.

Die beiden Kontrahenten saßen so weit voneinander entfernt, wie es nur geht. Auf der einen Seite des Rosa-Luxemburg-Saals im Berliner Karl-Liebknecht-Haus nahm Oskar Lafontaine Platz, auf der anderen Dietmar Bartsch. Dazwischen saßen die Mitglieder des geschäftsführenden Bundesvorstands und die Landesvorsitzenden. Viereinhalb Stunden diskutierten sie darüber, wer von den beiden Kontrahenten nun Parteivorsitzender werden soll. Der amtierende Parteichef Klaus Ernst sprach später von einer “kulturvollen Debatte“. Gebracht hat sie aber nichts.

Das ist die Linken-Führung

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Am Ende waren eigentlich alle genauso schlau wie vorher. Im Machtkampf um den Parteivorsitz gibt es eine Pattsituation. Fraktionsvize Bartsch hält an seiner Kandidatur fest, Ex-Parteichef Lafontaine behält sich eine solche vor. Die Ost-Landesverbände sympathisieren mehrheitlich mit Bartsch, die West-Landesverbände sind überwiegend für Lafontaine. Keiner der beiden Widersacher will klein beigeben. Die Partei droht im Chaos zu versinken. Und auf dem Parteitag in Göttingen im Juni könnte das Schreckgespenst der Spaltung der erst 2007 gegründeten Partei auftauchen.

Lafontaine hatte den Machtkampf am Montag von Saarbrücken aus eröffnet. In einem Radio-Interview äußerte er sich erst vorsichtig zu seinen Karriereplänen, dann etwas forscher in einer Pressekonferenz in Saarbrücken. Der Saarländer schlug eine Verknüpfung von Parteivorsitz und Spitzenkandidatur vor und sprach davon, dass die Arbeitsbedingungen stimmen müssen.

Im Klartext kam bei vielen die Botschaft an: Ich will alles machen, und zwar genau so, wie ich es mir vorstelle. Damit heizte Lafontaine die ohnehin gereizte Stimmung in der Partei noch weiter an. Von einem Erpressungsversuch war die Rede.

Am Dienstag versuchte der Ex-Vorsitzende die Wogen zu glätten. Von Bedingungen war keine Rede mehr, sondern nur noch von Voraussetzungen. Und die beschränkten sich darauf, dass eine Mehrheit für seine Kandidatur sein müsse, und dass ein gutes Team zustande komme. Außerdem schloss Lafontaine eine Kampfkandidatur aus. “Das wäre nicht unbedingt der krönende Abschluss meiner Karriere, nachdem ich bisher alle Aufgaben, die ich übernommen habe, ohne Kampfkandidatur übernehmen durfte.“

Entfallen ist dem saarländischen Fraktionschef dabei, dass er sich 1995 in einer spektakulären Kampfabstimmung gegen Rudolf Scharping an die SPD-Spitze geputscht hatte. Mit 321 zu 190 Stimmen setzte er sich auf dem Mannheimer Parteitag durch.

Der Verzicht auf eine weitere Kampfkandidatur brachte die Diskussion aber nicht voran. Lafontaine setzt darauf, dass er letztlich so viel Rückendeckung bekommt, dass Bartsch gar nichts anderes übrig bleibt, als sich zu beugen. Der 54-jährige Stralsunder hat dazu bisher aber keinerlei Anstalten gemacht. Er werde sich Lafontaine nicht unterordnen, sagt er.

Beide Politiker verbindet eine schwierige Vergangenheit. Bartsch war Bundesgeschäftsführer unter dem damaligen Parteivorsitzenden Lafontaine. Er wurde aber von seinem Chef aus dem Amt gedrängt, weil der Saarländer dem Ostdeutschen eine gezielte Intrige vorwarf.

Wenn Bartsch und Lafontaine sich nicht einig werden, müsste sich die Linke etwas ganz Neues einfallen lassen. Ein Vorschlag dazu dürfte sehr bald von der stellvertretenden Parteichefin Katja Kipping kommen, die einen dritten Weg ins Gespräch gebracht hat. Es wird sogar bereits über eine Doppelspitze spekuliert, der gar keine Männer angehören. Die Parteisatzung lässt ein Frauen-Duo zu.

dpa

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