Landtagswahl in Bayern

"I will di!" - Die Bayern-SPD im Netz

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Christian Ude sieht sich als Uncle Sam.

München - Bayerns Politiker führen ihren Wahlkampf längst nicht mehr nur am Stammtisch, sondern auch im Internet. Seehofer-Herausforderer Christian Ude, der für die SPD als "Uncle Sam" wirbt, weiß das für sich zu nutzen.

Nach dem Rekord-Tief bei der Landtagswahl 2008 verfolgt die SPD ein klares Ziel: Vom Zweiten zum Ersten werden. Doch Bayerns Wahlkampf hat sich gewandelt. Statt Flugblättern vom Info-Stand bleibt jungen Wählern heute eher ein griffiger Tweet oder ein Facebook-Bild zum Teilen im Gedächtnis. Bayerns zweitgrößter Partei-Landesverband hat darauf reagiert - und gibt sich auf seinen Homepages und Netzwerk-Profilen im Internet vor allem kämpferisch.

Schuldenuhr und der BayernVorwärts als PDF

Bayerns SPD im Internet: Rot und Weiß-Blau.

Die Webseite der Bayern-SPD, auf der sich bereits im Layout Rot gegen Weiß-Blau abhebt, steht unter dem Motto "Diesmal hat Bayern eine Wahl!" und spricht den Besucher unverwandt mit Du an. Für Interessierte ist dort zum Beispiel das Regierungsprogramm als PDF-Datei abrufbar. Außerdem kann man sich natürlich über anstehende Termine informieren, Videos ansehen und den Newsletter abonnieren. Mehr Lesestoff für Alt-SPDler bietet der "BayernVorwärts" - seit 2006 gibt es alle Ausgaben der Parteizeitung als PDF.

Die Homepage der SPD-Landtagsfaktion vergisst nie: Das Recherche-Archiv der Seite reicht bis Februar 1999 zurück. Auch die Finanzkrise ist unvergessen: Eine "Schuldenuhr" ruft den Seitenbesuchern ins Gedächtnis, wie viele Zinsen pro Sekunde für die Bayerische Landesbank fällig werden.

Auf der Facebook-Seite "Wir für Ude" finden sich zahlreiche Seitenhiebe gegen die CSU

Besonders hervorgehoben wird auf allen Seiten Christian Ude. Auf Facebook gibt's eine Unterstützer-Seite für den Spitzenkandidaten. Dort findet man zahlreiche Seitenhiebe gegen die CSU. In Anspielung auf die Verwandtenaffäre steht über einem Bild mit Kletteren in einer Steilwand zum Beispiel "Seilschaften gehören in die Berge und nicht in die Politik". Ein anderes Foto zeigt ein altes, demoliertes Telefon mit CSU-Aufdruck. Daneben steht "Kein Anschluss unter dieser Nummer". Christian Ude selbst stellt sich auf seiner Homepage als Uncle Sam dar: "I will di!", fordert die Ude-Karikatur, die mit dem Finger auf den Seitenbesucher zeigt. Außerdem steht seinen Wiesn-Spruch "O'zapft is'!" als Handy-Klingelton zum kostenlosen Download bereit.

"Zu viel Weihrauch macht den schönsten Heiligen rußig"

Die Internetseiten der anderen SPD-Spitzenpolitiker in Bayern demonstrieren vor allem Geschlossenheit. Das Layout ist einheitlich: Meldungen, Termine, Politik, zur Person, Kontakt. Direkte Links von der Homepage zu sozialen Netzwerken gibt allerdings es nicht.

Trotzdem mangelt es nicht an Querverweisen zur eigenen Person: SPD-Landesvorsitzender Florian Pronold überschreibt die Link-Liste zu Medienberichten über sich mit "Zu viel Weihrauch macht selbst den schönsten Heiligen rußig, so ein geflügeltes Wort in Bayern". Der Bundestags-Abgeordnete wacht genau über sein Presse-Echo und ist außerdem bei Facebook und Twitter aktiv.

Der Lebenslauf von Markus Rinderspacher hingegen kommt mit wenigen Stichpunkten aus. "Hobbies: Klassische Musik, Geschichte, Fußball, Gartenarbeit". Auf Facebook präsentiert sich der SPD-Fraktionsvorsitzende im Titelbild neben Christian Ude oder fragt User, ob er sich einen Bart stehen lassen soll (inzwischen ist er wieder ab).

Natascha Kohnen ,Generalsekretärin der Bayern-SPD, erzählt auf ihrer Seite von Begegnungen mit Menschen, die sie inspiriert haben. Auf ihre Tatkraft verweist sie mit einer Liste aller Anträge, an denen sie im Landtag mitgewirkt hat. Zu denen werden sicherlich bis zur Landtagswahl am 15. September noch etliche hinzukommen. Und Bayerns "Sozl'n" werden direkt Bescheid wissen: Denn dank Websites und sozialer Netzwerke ist es für Wähler kein Problem mehr, alle neuen Infos mitzuverfolgen.

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