Bremen: Erstmals 16- und 17-Jährige bei Landtagswahl

+
Erstmals dürfen in einem Bundesland auch 16- und 17-Jährige über ein Landesparlament abstimmen. So auch Julian Burmester, der erst im März 16 Jahre alt geworden ist.

Bremen - Das Interesse der Wähler an der Landtagswahl in Bremen ist bisher deutlich geringer als vor vier Jahren. Daran scheint auch eine historische Neuerung bei Landtagswahlen nichts ändern zu können.

Bundesweites Novum: Im kleinsten deutschen Bundesland Bremen haben Jugendliche am Sonntag erstmals in Deutschland mit über die Zusammensetzung eines Landtags entschieden. Ob sie von ihrem Wahlrecht rege Gebrauch machten, wird sich erst nach Auszählung aller Stimmen zeigen. “Wie groß das Interesse bei den Jungwählern war, können wir noch nicht sagen“, erklärte eine Mitarbeiterin der Landeswahlleitung am späten Nachmittag.

Allen Umfragen zufolge wird die amtierende rot-grüne Koalition in Bremen die Wahl wieder klar gewinnen. Die SPD regiert ununterbrochen seit 1947 im Zwei-Städte-Staat, seit 2005 unter Führung von Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD).

Zweitstärkste Kraft könnten die Grünen werden, sie lagen in den Umfragen bisher über 20 Prozent. Für die Union könnte es nur zur drittstärksten Kraft reichen. Die FDP könnte den Einzug in den Landtag den Umfragen zufolge ganz verpassen. Die Linke wird nach Einschätzung der Demoskopen dagegen im Bremer Parlament weiter vertreten sein.

Bis zum Nachmittag war das Interesse am Urnengang bei den Wählern in Bremen deutlich geringer als noch vor vier Jahren. Die Wahlbeteiligung im kleinsten deutschen Bundesland kletterte bis 16 Uhr auf 38,1 Prozent. 2007 waren zu diesem Zeitpunkt mit 43,0 Prozent Wählern bereits deutlich mehr Stimmberechtigte an die Urnen gegangen.

Allerdings war das Interesse an der Briefwahl diesmal deutlich höher als in den Vorjahren. Fast ein Viertel aller gut 500 000 Bremer Wahlberechtigten hatte die Stimmzettel bereits im Vorfeld beantragt, um sich zu Hause zu entscheiden. Regierungschef Böhrnsen appellierte bei seiner Stimmabgabe vor allem an Jugendliche, sich intensiv an der Wahl zu beteiligen, um ein bundesweites Vorbild zu sein. “Sie sind Pioniere“, betonte Böhrnsen.

Zu den Erstwählern in Bremen gehörte auch der 16 Jahre alte Julian Burmester, der nach seiner Stimmabgabe sagte: “Es war schon eine Befriedigung, dass man sich beteiligen kann. Ich weiß aber auch von vielen Freunden, die nicht wählen gehen.“

SPD-Spitzenkandidat Böhrnsen sagte bei seiner Stimmabgabe, er erwarte für die Sozialdemokraten ein “ordentliches Ergebnis“. CDU-Spitzenkandidatin Rita Mohr-Lüllmann zeigte sich trotz schlechter Umfragewerte für die Union zuversichtlich. “Noch habe ich nicht aufgegeben. Mich interessieren die echten Stimmen“, betonte sie.

Die Wahllokale haben bis 18.00 Uhr geöffnet. Das Auszählen der Stimmen wird Tage in Anspruch nehmen. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird wegen Änderungen im Wahlrecht nicht vor Mittwoch erwartet.

Heftige Attacken blieben im Wahlkampf in Bremen in den vergangenen Wochen aus. Die Finanzpolitik in dem mit rund 18 Milliarden Euro verschuldeten Bundesland war in der politischen Auseinandersetzung der einzige große Zankapfel.

dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Abschaffung von „Obamacare“: Debakel für Trump
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
Bundesfinanzminister Schäuble vergleicht die Türkei mit der DDR
„Linke Saubande“: CSU-Politiker fordern Schließung der Roten Flora 
„Linke Saubande“: CSU-Politiker fordern Schließung der Roten Flora 
Schulz wird konkret: Mit diesen zehn Punkten will er Merkel einholen
Schulz wird konkret: Mit diesen zehn Punkten will er Merkel einholen

Kommentare