ARD-Polit-Talkshow

Corona-Talk bei Anne Will: Presse geht mit Laschets Auftritt ins Gericht - „unwürdig“

Corona-Talk bei Anne Will: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet teilte bei der ARD-Show ordentlich aus - und kassiert nun harte Kritik von der Presse.

  • Beim TV-Talk von Anne Will in der ARD geht es am Sonntagabend um die strikten Maßnahmen in der Corona*-Krise
  • Zu Gast sind dieses Mal unter anderem Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne), Christian Lindner (FDP) und Karl Lauterbach (SPD)
  • Die Positionen um mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen sind bereits vor dem Talk klar.
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Update 28. April, 12.47 Uhr: Armin Laschets* Auftritt bei Anne Will hat nicht nur bei anderen Politikern starke Reaktionen hervorgerufen, sondern auch ein gewaltiges Presse-Echo provoziert - und das ist alles andere als schmeichelhaft. So beschrieb der Kölner Stadt-Anzeiger den Auftritt des NRW-Ministerpräsidenten als „unangemessen laut im Ton, unsensibel bei der Wahl der Worte, nicht sattelfest in den Fakten“. Weiter hieß es in der Zeitung: „Was Laschet am Sonntagabend in der Corona-Debatte bei Anne Will zur besten Sendezeit von sich gab, war eines möglichen Kanzlerkandidaten der Union unwürdig.“

„Anne Will“ (ARD): Laschets Auftritt wird in der Presse zerrissen

Die Berliner Morgenpost kritisierte unterdessen Laschets Kenntnisstand über die Schul-Öffnungen in seinem Bundesland. „Kurz darauf zeigte sich Laschet dann doch verwundert, dass die Schulen in NRW nicht für höhere Hygienestandards vorbereitet seien. Das sei Aufgabe der Kommunen“, schreibt die Morgenpost und zieht eine bittere Bilanz: „Die Schulen wurden also geöffnet, ohne die Einhaltung gewisser Regeln garantieren zu können. Und die Schuld schiebt der Ministerpräsident den Städten und Gemeinden in die Schuhe.“ Ein Verhalten, das wohl nicht nur bei den Redakteuren der Berliner Morgenpost Fragen aufwirft. Der Zeitung zufolge fügte sich dieses Verhalten jedoch „nahtlos in den irrlichternden und wenig souveränen Auftritt Laschets an diesem Sonntagabend“ ein. 

Und auch das Fazit des Tagesspiegel war vernichtend. Nach dieser Sendung werde Laschet niemals Kanzler werden, heißt es bei dem Medium. Denn er habe „in höchster Emotionalität einen Null-Satz nach dem anderen“ aneinandergehängt. 

Nicht von der Presse, aber von vielen Zuschauern wird Reiner Calmunds Auftritt bei „Maischberger. Die Woche“ heftig kritisiert. Der Fußallfunktionär war in der Talk-Show einfach nicht mehr zu bremsen.

„Anne Will“ (ARD): Nach Laschets Auftritt geht Söder auf Distanz zum NRW-Politiker

Update 27. April, 16.08 Uhr: Auch in Bayern sind die Schulen seit mehreren Wochen geschlossen. Der Lockdown hätte „dramatische Auswirkungen auf die Kinder“, wie ein Arzt nun in einem Exklusiv-Interview verrät.

Update 27. April 2020: Söder verpasst Laschet nach der Sendung bei Anne Will einen Seitenhieb: Die CSU-Spitze ging in der Videoschalte deutlich auf Distanz zum nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Dieser hatte am Sonntagabend in der ARD beklagt, dass Virologen alle paar Tage ihre Meinung änderten. Das führe zu Verunsicherung.

Söder sagte ganz grundsätzlich, ohne Laschet namentlich zu nennen: „Es wäre falsch, nicht auf Virologen zu hören, denn sie haben uns bisher gut beraten.“ Auf der Pressekonferenz legte Söder dann nach: Würde man Virologen plötzlich nicht mehr glauben, gefährde das die Glaubwürdigkeit der Bevölkerung in die politischen Entscheidungen. Wie stark sich das Leben der Bayern und darüber hinaus durch das Coronavirus geändert hat, zeigen auch aktuelle Daten von Google und Apple.

„Anne Will“ (ARD): Auch die Bundesliga ist in der Corona-Debatte Thema

Update 22.35 Uhr: Weiter geht es mit einem Schlagabtausch zur Fußball-Bundesliga

Grünen-Politikerin Annalena Baerbock steht einer Bundesligaöffnung sehr kritisch gegenüber. „Wir verspielen sozialen Zusammenhalt, weil es zutiefst ungerecht ist, die Bundesliga zu erlauben, wenn Kinder nicht mal auf die Schaukel können“, schimpft die Politikerin. Der Liberalen-Chef Christian Lindner (FDP) sieht das hingegen nicht ganz so streng: „Alle Bereiche, die ähnliche Standards erfüllen wie jetzt die Bundesliga, sollten ebenfalls geöffnet werden könne.“ 

Die Meinungen zwischen Baerbock und Lindner gehen weit auseinander. Karl Lauterbach (SPD) hat jedoch noch etwas anderes an der Bundesliga auszusetzen. Er sehe Fußballer in der Quarantäne anders behandelt als der Rest der Bevölkerung. Sein Widersacher des Abends, Armin Laschet (CDU), kann da nur seufzen. Er gesteht an ganz anderer Stelle einen Fehler ein - aber nicht bei sich selbst.

Und zwar beim Thema Schulöffnungen: Diese seien nicht ausreichend vorbereitet worden. Nicht einmal die Hygienevoraussetzungen entsprachen angemessenen Corona-Standards. Die Schuld sehe er aber keinesfalls bei seiner Landesregierung. Nein, vielmehr seien die Schulen und ihre Kommunen verantwortlich. „Das ist bei uns Aufgabe der Schulträger, und das ist die jeweilige Stadt.“ 

Im Klartext schimmert durch: Laschet befahl die Öffnung der Schulen in NRW ohne Rücksprache mit den Kommunen. Auf Twitter wüteten die Zuschauer deshalb.

„Anne Will“ (ARD): Laschet und Lauterbach im Duell um Virologen-Aussagen

Update 22.11 Uhr: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und SPD-Politiker Karl Lauterbach liefern sich bei „Anne Will“ einen Showdown. Die Empfehlungen der Virologen zu den entscheidenden Faktoren für die Corona-Maßnahmen änderten sich ständig, kritisiert Laschet. Das führe auch zu Verunsicherung in der Bevölkerung. „Ursprünglich war das Ziel: Wir müssen Bergamo verhindern“, blickt Laschet zurück. „Dafür haben wir Intensiv-Kapazitäten verdoppelt und das ganze Land runtergefahren.“ Das scheine gut funktioniert zu haben. 

Dann sollte der Zeitraum der Verdopplungszahl  ausschlaggebend sein. „Erst war sie bei zehn, dann bei zehn bis 14 Tagen - in NRW haben wir nun 22 erreicht“, so Laschet. Doch nun sei plötzlich der sogenannte R-Faktor zur Reproduktionszahl entscheidend. 

Der indirekte Vorwurf, die deutschen Wissenschaftler änderten ständig ihre Vorgaben, ist für Karl Lauterbach offenbar kaum erträglich. Er beugt sich auf seinem Stuhl nach vorn, schüttelt mit dem Kopf und versucht Laschet zu unterbrechen. Doch der NRW-Ministerpräsident hat sich in Rage geredet: „Und jetzt sehe ich schon den nächsten Faktor“, sagt er empört. Denn jüngst sei nun von dem Ziel von wenigen Hundert Neuinfektionen pro Tag die Rede gewesen. Die Virologen müssten auch mal eindeutige Aussagen treffen, so Laschet.

Da kann Lauterbach nur widersprechen. Die Kriterien seien unterschiedliche Werte, die alle das gleiche Ziel anstrebten. „Wir hatten das Glück, dass wir nicht die ersten warten“, so Lauterbach. Aber es sei von vornherein klar gewesen, dass nach dem Abwenden der Katastrophe die Aufgabe darin liege, eine zweite Welle zu verhindern. Denn solange es keine Immunität gebe, könne man eine solche nicht verhindern. „Eine zweite Welle muss in Deutschland unbedingt verhindert werden“, so der Epidemiologe. Denn bei einer solchen könnten die Infektionsherde nicht mehr nachvollzogen werden. 

Corona-Lockdown Thema bei „Anne Will“ (ARD): Lindner will „andere Strategie wagen“

Update 22.05 Uhr: „Traut Angela Merkel den Bürgern zu wenig zu“, fragt Anne Will Christina Berndt, Wissenschaftsredakteurin der Süddeutschen Zeitung. Berndt stellt sich hinter die Kanzlerin und wertet die Öffnungen in einigen Bundesländern zu „forsch“. Deutschland sei Spitzenreiter in der Coronavirus-Pandemie, diesen Vorsprung sollte man nicht verspielen.

Update 22.01 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner macht deutlich, dass er die Krisenstrategie, wie sie zu Beginn der Krise eingeleitet wurde, nicht mehr überzeugt sei. „Weil ich glaube, dass das Land jetzt in einer anderen Verfassung ist.“ Das Gesundheitswesen sei gestärkt worden, die Bevölkerung gehe verantwortungsvoll mit der Situation um und der Mangel an Schutzausrüstung würde behoben. „Deshalb glaube ich, können wir eine andere Strategie wagen.“

Auch Lindner bezieht sich dabei auf die Helmholtz-Wissenschaftler in Braunschweig. Jedoch auf eine andere Empfehlung. Entscheidend sei demnach nur die Frage: „Gibt es ein Hygiene-Konzept?“ Man solle sich nicht an einzelnen Spaten orientieren. „Wird Abstand gehalten, gibt es Masken - nur das ist entscheidend“, so Lindner. 

ARD-Talk „Anne Will“ zur Corona-Krise: Lauterbach - „Ich hätte nie die Schulen schon geöffnet“

Update 21.54 Uhr: Man sehe, dass die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten steige, macht Karl Lauterbach (SPD) deutlich, dass er mit Laschet nicht übereinstimmt. „Die größte Bedrohung ist nach wie vor der Tod durch diese Krankheit.“ Mit Intensivbetten könne lediglich das Schlimmste verhindert werden. Aber selbst von jenen, die beatmet würden, „sterben 60 Prozent“ an den Folgen der Virusinfektion, so Lauterbach. In den USA liege die Todesrate bei Beatmungspatienten sogar bei 80 Prozent.

Bisher habe man noch nichts gewonnen. In Deutschland seien lediglich ein bis zwei Prozent bisher infiziert gewesen. Dem massiven Großteil der Bevölkerung stehe eine Infektion also noch bevor. „Ich hätte nie die Schulen schon geöffnet“, sagt Epidemiologe und bezieht sich auf die Helmholtz-Studie. Und Lauterbach legt noch einen drauf: „Ich hätte noch gar nicht geöffnet.“

Update 21.53 Uhr: Es geht um Leben und Tod. Darin sind sich ARD-Moderatorin Anne Will und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet einig. Laschet gilt als starker Vertreter eines ganzheitlichen Lockerungsansatzes. „Ich plädiere seit Wochen dafür: Man muss abwägen“, sagt Laschet. Man müsse die einschneidenden Folgen der Corona-Maßnahmen für Kinder beachten - und die gravierenden wirtschaftlichen Folgen, die eine massive Arbeitslosigkeit nach sich ziehen. „Und gleichzeitig stehen 40 Prozent - bei uns in Nordrhein-Westfalen, Stand heute Nachmittag - der Intensivmedizinischen Plätze frei.“ Man müsse zumindest mal darüber sprechen, dass diese Krise am stärksten die schwächsten in der Bevölkerung treffe, so Laschet.

Corona-Talk bei Anne Will: Fordert Laschet wieder „forsch“ mehr Corona-Lockerungen?

Ursprungsartikel vom 26. April 2020:

Berlin - Die Coronavirus-Pandemie* wird auch bei Anne Will im Polit-Talk das beherrschende Thema sein. „Sorge vor zweiter Infektionswelle* - lockert Deutschland die Corona-Maßnahmen ‚zu forsch‘?“ lautet der Titel des Talks am Sonntag um 21.45 Uhr, der im Ersten ausgestrahlt wird.

Seit der vergangenen Wochen wurden die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus* etwas gelockert. Doch für manche Wirtschaftsvertreter oder auch Ministerpräsidenten waren diese Lockerungen nicht weit genug. Kurz darauf gab es den Rüffel der Kanzlerin

Man solle nicht „zu forsch“ die Maßnahmen der Bundesregierung anpassen, kritisierte Angela Merkel. Die Gefahr einer zweiten Infektionswelle bestehe und diese könne noch schlimmer werden. Über diese Thematik werden dann am Sonntagabend in der ARD hochrangige Politiker diskutieren. 

Corona-Talk bei „Anne Will“ (ARD): Fordert Laschet wieder „forsch“ mehr Corona-Lockerungen?

Mit Armin Laschet (CDU), dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, ist dabei einer der wichtigsten Protagonisten in der Lockerungs-Diskussion* zu Gast. Darüber hinaus wird Anne Will mit Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen und Christian Lindner (FDP) auch zwei Parteivorsitzende begrüßen. 

Zudem wird Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsökonom und Epidemiologe, im Studio sein und seine Meinung vertreten. Das Quintett beim Polit-Talk von Anne Will am Sonntagabend in der ARD vervollständigt Christina Berndt, Biochemikerin und Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung

Kürzlich war auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder zugeschaltet, der von der „einzigen Möglichkeit“ sprach. Eine Ärztin, die bei Anne Will zu Gast war, befürchtete den „Kollaps in wenigen Wochen“.

Ab Montag herrscht bundesweit die Maskenpflicht*. Was Sie dabei bedenken müssen, das erfahren Sie in diesem Artikel. Darüber hinaus könnte der Sommer-Urlaub in diesem Jahr wegen der Coronavirus-Pandemie ins Wasser fallen. Gäste bei „Maischberger. Die Woche“ versprechen hitzige Diskussionen.

smk

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Rubriklistenbild: © Screenshot ARD

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