Laufen Merkel die Berater weg?

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Kanzlerin Angela Merkel.

Berlin - Erst gehen Angela Merkel gleich mehrere Unions-Ministerpräsidenten verloren. Jetzt könnte es sein, dass wichtige Berater im Kanzleramt nacheinander den Hut nehmen.

Spekuliert wird in Medien über einen Wechsel von Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann (42) zurück in die Bundesbank. Fest steht, dass Europa-Experte Uwe Corsepius (50) als Generalsekretär der EU-Staaten in diesem Jahr nach Brüssel geht. Sollten beide ziehen, bliebe von den Top-Beratern nur Außen-Fachmann Christoph Heusgen (55).

Das Trio ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt, zieht aber entscheidende Strippen im Hintergrund der Regierungszentrale. Die Kanzlerin kann sich auf ihre Expertentruppe verlassen. Die Berater sind bei internationalen Reisen fast immer an ihrer Seite. Manchmal reicht schon ein Blick von Merkel, dann helfen ihr die Experten bei Details. Entscheidend sind vor allem die strategischen Tipps, die sie der Kanzlerin geben. Sie haben noch etwas gemeinsam: Alle drei sind studierte Volkswirte oder Ökonomen.

Merkels Mimik

Merkels Mimik

Die Arbeit von Wirtschaftsberater Weidmann war für Merkel besonders in der Finanz- und Wirtschaftskrise von großer Bedeutung. In enger Absprache mit Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen war Weidmann an den Verhandlungen über die Rettung des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate beteiligt und schmiedete am Konjunkturprogramm der Regierung mit - auch an der Rettung von Opel wirkte er mit.

Die Gerüchte über einen Wechsel von Weidmann sind nicht neu. Schon seit einigen Monaten gilt der Abteilungsleiter für Wirtschaft und Finanzen, den Merkel 2006 von der Bundesbank nach Berlin geholt hatte, als Kandidat für einen Posten in Frankfurt. Dort läuft der Vertrag von Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler Ende Mai aus. Offiziell gibt es dazu keine Äußerungen im Kanzleramt oder im Bundespresseamt. Für den Posten hat der Bund das Vorschlagsrecht.

Weidmann ist für Merkel wegen der Schuldenkrise einiger Euro-Länder derzeit praktisch unverzichtbar. Dazu kommt, dass er die G8- und G20-Treffen der wichtigsten Wirtschaftsländer von deutscher Seite vorbereitet. Ob er wechselt oder erst später, ist aber noch unklar. Privat würde es ihm vermutlich gefallen, wieder in Frankfurt zu arbeiten, weil seine Familie im Umland lebt.

Corsepius, “Mister Europa“ im Kanzleramt, soll im Sommer Generalsekretär des EU-Ministerrats werden. Darauf hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU vor gut einem Jahr verständigt. Corsepius gilt als “Vater der Berliner Erklärung“ der EU-Staats- und Regierungschefs, um die wesentlichen Inhalte der europäischen Verfassung zu retten. Der Reformvertrag von Lissabon war die Folge. Heusgen, Merkels Außenberater, überlässt seinem Europa-Kollegen das EU-Feld, ist aber bei allen übrigen internationalen Themen gefragt. Bei Reisen ist er manchmal so etwas wie ein wandelndes Lexikon.

Mit dem Wechsel nach Brüssel ist Corsepius für Merkel aber nicht verloren, denn er besetzt eine Schaltstelle in Brüssel. Neben EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) hat Deutschland dann ein weiteres Spitzenamt auf europäischer Ebene inne, um personell stärker Flagge zu zeigen. Und auch der Draht zu Weidmann wäre für Merkel nicht gekappt, wenn er zur Bundesbank ginge. Doch ein Nachfolger müsste erstmal gefunden werden.

dpa

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