Macht sich der Südsudan vom Norden unabhängig?

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US-Schauspieler George Clooney begrüßt den südsudanesischen Präsidenten Salva Kiir.

Juba - Im Südsudan hat am Sonntag das Referendum über die Unabhängigkeit des Gebiets vom Rest des Sudans begonnen.

Rund vier Millionen Südsudanesen waren aufgefordert, bis kommenden Samstag ihre Stimme abzugeben. Der südsudanesische Präsident Salva Kiir nannte die Volksabstimmung einen “historischen Moment“. Begleitet vom Jubel Hunderter Wähler gab er in einem Wahllokal seine Stimme ab. Auch Hollywoodstar George Clooney und US-Senator John Kerry, die sich für den Sudan engagieren, waren vor Ort. Es wird erwartet, dass mit dem Referendum die Unabhängigkeit des mehrheitlich christlichen Südens vom mehrheitlich muslimischen Norden beschlossen wird. Der Norden hat versprochen, eine Loslösung des Südens friedlich zu akzeptieren.

Das Referendum ist Teil eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2005. Das Abkommen beendete damals einen zwei Jahrzehnte dauernden Bürgerkrieg, der mehr als zwei Millionen Menschen das Leben kostete. Der Sudan ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bewohner des Südens werfen den muslimisch geprägten Norden vor, sich an den südlichen Erdöleinnahmen zu bedienen, ohne in den Süden zu investieren. Der Südsudan zählt zu den ärmsten Regionen der Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist es wahrscheinlicher, dass ein 15-jähriges Mädchen bei der Geburt eines Kindes stirbt, als dass es die Schule beendet.

Die Wahllokale im Südsudan sind bis kommenden Samstag geöffnet. Das Geschehen wird von mehr als 4.000 örtlichen und internationalen Beobachtern vor Ort mitverfolgt. Offizielle Ergebnisse des Referendums werden nicht vor Februar erwartet.

Tote bei Auseinandersetzungen

Die Vorfreude der Südsudanesen auf das Referendum wurde am Samstag von tödlichen Auseinandersetzungen in der erdölreichen Region Unity State überschattet. Nach Angaben südsudanesischer Beamter kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Auch in der Region Abyei wurde über Zusammenstößen berichtet. Dort sei es möglicherweise zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern eines arabischen Stammes aus dem Norden und schwarzen Südsudanesen gekommen, hieß es. Zur Anzahl der Toten wurden widersprüchliche Angaben gemacht.

dapd

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