Porträt zur Europawahl 2019

Manfred Weber (CSU) privat: Frau, Familie und Hobbys - Wird er der neue EU-Kommissionspräsident?

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Manfred Weber ist Spitzenkandidat der EVP bei den Europawahlen am 26. Mai 2019.

Manfred Weber (CSU) geht als Spitzenkandidat der EVP in die Europawahl. Lesen Sie mehr im Porträt des Politikers und Privatmanns mit Frau und Kindern.

München - Der CSU-Politiker Manfred Weber gilt als Mann der eher leisen Töne und schickt sich an, Jean-Claude Juncker im mächtigen Amt des Kommissionspräsidenten der Europäischen Union zu beerben. Der Niederbayer geht als Spitzenkandidat der konservativen EVP in die Europawahl, die in Deutschland am 26. Mai 2019 stattfindet. Wir stellen Manfred Weber, seinen politischen und privaten Werdegang und seine Positionen vor.

Manfred Weber: Klassische CSU-Karriere auf ungewöhnlichem Weg

Als 16-Jähriger wurde Manfred Weber aktiv in der Jungen Union Bayern und durchlief dann eine klassische Parteikarriere. Weber zog 2002 mit 29 Jahren als damals einer der jüngsten Abgeordneten in den bayerischen Landtag ein, wurde ein Jahr später Mitglied im Parteivorstand und Landesvorsitzender der JU Bayern. 2004 entschied sich Manfred Weber für einen Weg, den andere Politiker zumeist gegen Ende ihrer Karriere einschlagen: Der Jungpolitiker kandidierte für das Europaparlament

In der Europäischen Volkspartei, dem Zusammenschluss von insgesamt 51 christlich-demokratischen, bürgerlich-konservativen und national-konservativen Mitgliedsparteien der Europäischen Union, setzte Weber seinen Aufstieg fort. 2009 wurde er stellvertretender Vorsitzender der EVP-Fraktion, seit 2014 führt er die Fraktion, die seit 1999 die größte im EU-Parlament ist. Auch daheim in Bayern arbeitete sich Manfred Weber derweil weiter durch die Führungsämter in der CSU, war von 2008 bis 2016 Bezirksvorsitzender in Niederbayern, ab 2009 Mitglied im Präsidium seiner Partei und Vorsitzender der CSU-Zukunftskommission. Seit 2015 ist er stellvertretender CSU-Parteivorsitzender. Als Horst Seehofer 2018 ankündigte, seinen Posten des CSU-Chefs 2019 räumen zu wollen, dachten nicht wenige an Weber. Doch er entschied sich für Europa und ließ Markus Söder den Vortritt.

Manfred Weber will Nachfolger von Jean-Claude Juncker werden

15 Jahre nach seinem Start im Brüsseler Parlament greift Manfred Weber nun nach dem mächtigen Amt des Präsidenten der EU-Kommission, eines der drei wichtigsten Gremien der Europäischen Union. Mit deutlicher Mehrheit hoben die Delegierten der EVP Manfred Weber im November 2018 auf den Schild, Weber setzte sich mit 492 von 619 Stimmen gegen seinen Konkurrenten, den Finnen Alexander Stubb, durch. Das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, das seit November 2014 der Luxemburger Jean-Claude Juncker innehat, geht in der Regel an den Spitzenkandidaten der Fraktion, die aus den Europawahlen als stärkste Kraft hervorgeht. Auch bei der Europawahl 2019 sehen die Umfragen die EVP vorne.

Hat Manfred Weber Frau und Kinder?

Sein Privatleben und die Menschen in seinem persönlichen Umfeld schirmt CSU-Mann Manfred Weber vor der Öffentlichkeit weitgehend ab. Bekannt ist, dass er mit zwei Brüdern aufwuchs. Seit 2002 ist Manfred Weber mit seiner Frau verheiratet ist. „Meine Familie ist für mich der Rückzugsort schlechthin“, schreibt er auf seiner Website. Vermutlich deshalb ist von Manfred Weber über Frau oder auch Kinder fast nichts zu erfahren.

Die politische Karriere bespricht Manfred Weber mit seiner Frau

Der CSU-Mann verrät nicht viel über seine Familie, doch sie ist für Entscheidungen über seine Karriere wichtig. Wie beispielsweise der Spiegel berichtete, konsultierte Manfred Weber seine Frau ebenso wie politische Weggefährten, um eine Entscheidung über die Spitzenkandidatur bei der Europawahl 2019 zu treffen. „Ich habe mich gefragt, ob ich den Job meistern kann“, berichtete er über seine Ambitionen für den Vorsitz der EU-Kommission. Das Ergebnis der Gespräche, auch zwischen Manfred Weber und seiner Ehefrau, war demnach: „Ja, ich bin bereit.“

Geboren wurde Manfred Weber 1972 in Niederhatzkofen im Landkreis Landshut, zuhause ist er in Wildenberg. In der Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Kelheim ist Manfred Weber stark verwurzelt, hier war er bereits eingeschult worden. Zum Studium zog es ihn nach München, wo sich der angehenden Diplomingenieur auf technischen Umweltschutz spezialisierte und später zwei Firmen im Bereich Umweltmanagement und Arbeitssicherheit gründete. Beide hat Manfred Weber inzwischen wieder verkauft.

Der gläubige Katholik ist Mitglied im Zentralrat der Katholiken und nach eigenem Bekunden regelmäßiger Kirchgänger.

Für diese Positionen steht der EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber

Manfred Weber, der den liberalen Flügel der CSU vertritt, gilt als Vermittler und Brückenbauer. „Merkel-Versteher“ nannten manche ihn auf dem Höhepunkt des Streits zwischen den Schwester-Parteien der Union, als er dafür warb, auf die CDU-Vorsitzende zuzugehen. Auf Dialog setzte Weber zunächst auch im Konflikt mit der ungarischen Fidesz-Partei von Viktor Orbán, eine von 51 Mitgliedsparteien der EVP im Europaparlament. Der europafeindliche Kurs von Orbán und Fidesz hat jedoch auch für Weber offensichtlich Grenzen. Zuletzt hatte der ungarische Regierungschef mit einer Plakatkampagne gegen EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker das eigene Lager im Europaparlament gegen sich aufgebracht.

Manfred Weber attackiert Viktor Orbán

Bereits im September 2018 hatte der EVP-Vorsitzende Weber die Einleitung eines Rechtsstaatsverfahrens gegen Ungarn nach Artikel 7 des EU-Vertrags wegen Verletzung von Grundrechten mitgetragen. Das Strafverfahren könnte bis zum Entzug von Stimmrechten auf EU-Ebene führen. 

Im Vorfeld der Europawahl kritisierte Manfred Weber den ungarischen Regierungschef via Twitter: „Viktor Orbán geht politisch den falschen Weg. Gerade wenn es um den Stil geht oder fundamentale Fragen der demokratischen Ordnung, ist das nicht mein Weg und auch nicht der Weg der EVP“, twitterte Manfred Weber am 2. März 2019.

Manfred Weber kündigt Pakt gegen Antisemitismus an

Während Orbán immer wieder auch den US-Milliardär George Soros angreift und dabei auch antisemitische Klischees nutzt, kündigte Manfred Weber einen Pakt gegen Antisemitismus an. „Ein entsprechendes Maßnahmenpaket werde ich in den kommenden Wochen vorschlagen.“ Nötig sei eine europaweit geltende „gemeinsame Definition von Antisemitismus“. Genauso seien strikte Regeln in den sozialen Medien und mehr Engagement der Internetkonzerne notwendig, um die Verbreitung antisemitischen Gedankenguts schneller zu stoppen.

„Manfred Weber stoppen“: Demo gegen Artikel 13 und Uploadfilter

Manfred Weber und die EVP hatten sich schon früh darauf festgelegt, die EU-Urheberrechtsreform durchzusetzen. Das Vorhaben ist besonders wegen des Artikels 13 umstritten ist. Er sieht vor, Plattformen wie Youtube für Rechteverletzungen ihrer Nutzer haftbar zu machen, und dies ab dem Moment, in dem Inhalte hochgeladen sind. Kritiker verweisen darauf, dass sich Uploadfilter bereits in der Vergangenheit als fehleranfällig erwiesen haben, und befürchten, die EU-Urheberrechtsreform werden Netzphänomenen wie Memes, Mashups oder Parodien den Todesstoß versetzen. 

Manfred Webers Hobbys lassen ihn die EU-Urheberrechtsreform unterstützen

Bei seinem  Kampf für die umstrittene Reform argumentiert Manfred Weber mit einem besseren Schutz von Künstlerinnen und Künstlern - und nutzt dabei auch die Tatsache, dass er als Musiker, der 20 Jahre lang in der eigenen Band spielte, zum Kreis der Urheber gehört. „Ich selbst bin Gitarrenspieler, ich weiß, worum es geht. Wir müssen die Kreativität der Menschen schützen.“

mo

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