Maßnahmen gegen sexuelle Gewalt beschlossen

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Der Runde Tisch gegen Kindesmissbrauch berät über Hilfen für die Opfer sexueller Gewalt.

Berlin - Erster Beschluss des Runden Tischs gegen Kindesmissbrauch: Kinder- und Jugendeinrichtungen sollen künftig nur dann Fördermittel erhalten, wenn sie Vorkehrungen gegen Gewalt treffen.

Kinder- und Jugendeinrichtungen sollen künftig nur dann staatliche Fördermittel erhalten, wenn sie einheitliche und konkrete Vorkehrungen gegen sexuelle Gewalt treffen. Das ist das Ziel der Präventions-Arbeitsgruppe des Runden Tischs gegen Kindesmissbrauch, die am Dienstag in Berlin erstmals tagte.

Verbindliche Regeln gibt es noch nicht; sie sollen bei der nächsten Sitzung im Juni formuliert werden. Dies berichtete Familienministerin Kristina Schröder (CDU) nach dem Treffen. Schröder regte an, ein bestimmtes Verhältnis von Nähe und Distanz in konkreten Situationen festzulegen, und zwar zwischen Kindern und Jugendlichen einerseits und Erwachsenen andererseits.

Als Beispiele nannte sie ein “Sechs-Augen-Prinzip“. In bestimmten Lagen oder Fällen hätten Erwachsene grundsätzlich nichts zu suchen - “zum Beispiel, wenn Jugendliche duschen“. Andererseits sollten auch Situationen festgelegt werden, in denen Erwachsene immer anwesend sein sollten.

Darüber hinaus soll es in jeder Einrichtung einen Ansprechpartner für Notfälle geben, wie Schröder sagte. Auch bei der Ausbildung sollten sowohl Kinder und Jugendliche als auch die Pädagogen für Anzeichen sexueller Gewalt sensibilisiert werden, sagte die CDU-Politikerin. Das sei zwar bereits in einigen Lehrplänen verankert, werde aber nach Aussage der Teilnehmer des Runden Tisches zu selten umgesetzt.

Schließlich soll die Bewilligung von Fördermitteln an die Verankerung und Umsetzung dieser Standards in allen Einrichtungen, ob in staatlicher Hand oder von freien Trägern, geknüpft werden, sagte die Ministerin. Sie begrüßte in diesem Zusammenhang, dass an dem Runden Tisch auch Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen säßen, die über die Förderrichtlinien zu entscheiden hätten.

Der Runde Tisch gegen Kindesmissbrauch hatte sich erstmals Ende April in Berlin unter Leitung von drei Bundesministerinnen konstituiert. Das Gremium mit Bundes- und Landespolitikern, Vertreter der Kirchen, der Schulen, der Ärzteschaft und zahlreichen Verbänden soll über Hilfen für die Opfer sexueller Gewalt, Prävention und Fragen des Strafrechts beraten. Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr in einen Zwischenbericht münden.

ap

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