Merkel feiert "Supertyp" Westerwelle

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Außenminister Westerwelle als Vollblutpolitiker gewürdigt und dabei einiges aus dem politischen Nähkästchen verraten.

Berlin - Ein Anruf von Kohl, Plagiatsvorwürfe gegen die Kanzlerin und ein Bundeswehr-Rucksack für den Außenminister. Bei der Geburtstagsfeier für Westerwelle geben Deutschlands Politprofis einiges preis.

Die Kanzlerin fürchtet sich vor dem Außenminister. Nur ein bisschen. Und auch das ist schon lange her. “Als ich dich kennenlernte, bist du mir aufgefallen dadurch, dass du aus dem Koalitionsausschuss rausflogst“, erzählt eine bestens aufgelegte Angela Merkel am Mittwochabend auf der großen Party zum 50. Geburtstag für Guido Westerwelle.

Es werden denkwürdige Stunden in einem Festzelt am Kanzleramt, wo die geschundene FDP noch einmal ihren Ex-Chef für das Rekordergebnis von fast 15 Prozent feiert und Vicky Leandros “Happy birthday“ haucht. Über 800 Gäste sind da, viele Promis, fast das ganze Kabinett und mehr als 40 Botschafter. Der eigentliche Star aber ist wieder einmal die Kanzlerin, ohne den Jubilar zu brüskieren.

Der Guido habe “eiskalt alles durchgestochen, was wir da besprochen haben“, erinnert sich Merkel an die erste gemeinsame Koalitionsrunde in Bonn. Danach sei sie dem Wunderkind der Liberalen mit einer Mischung aus “Bewunderung und Ängstlichkeit“ begegnet. Sie selbst sei ja in der Schule beim Abschreiben immer erwischt worden. Da habe sie gedacht: “Super, der Typ kann das.“ Im Lauf der Jahre sei ein enges Verhältnis gewachsen: “Wir haben uns immer vertraut.“

Kanzler Helmut Kohl fand die Indiskretionen des aufmüpfigen Westerwelle gar nicht witzig. Was den CDU-Patriarchen aber nicht hinderte, den Außenminister jetzt anzurufen und zu gratulieren. Westerwelle räumt ein, manche Sprüche hätte er sich in seiner langen Karriere wohl verkneifen sollen. Aber er sei eben Rheinländer und wohl nicht “uckermärkisch“ genug, spielt er auf Merkels Herkunft und Bodenständigkeit an. Die Geschichte mit dem Füttern der Medien lässt Westerwelle mit einem Augenzwinkern nicht auf sich sitzen. “Ich habe nie etwas aus dem Koalitionsausschuss berichtet, es sei denn, es war dringend notwendig.“

Aber auch Merkel, ohne Ehemann, im fliederfarbenen Blazer, gerät unter Beschuss. Ihr Vizekanzler Philipp Rösler, der sie schon einmal als Barbiepuppe veralberte, wirft der Chefin vor, für eine Regierungserklärung bei Westerwelle ein Zitat geklaut zu haben. Eine neue Schummelaffäre nach Karl-Theodor zu Guttenbergs gefälschter Doktorarbeit? Merkel spielt mit und das Zelt tobt: “Jetzt muss ich die Sache mit dem Plagiat noch bearbeiten. Da ist man ja eigen in der Union, da achten wir drauf.“

So feiert Westerwelle seinen 50. Geburtstag

So feiert Westerwelle seinen 50. Geburtstag

Emotional wird es, als es um Westerwelles Homosexualität geht. 2004 hatte er sich geoutet. Merkel erzählt, wie sehr sie sich gefreut habe, dass er zu ihrem eigenen 50. Geburtstag seinen heutigen Ehemann Michael Mronz mitgebracht habe. Westerwelle ist gerührt. In seiner Jugend habe er sich nie vorstellen können, als Mann mit seiner Veranlagung so im öffentlichen Leben stehen zu können. Diese Worte richtet er direkt an Berlins Regierenden Klaus Wowereit (“Ich bin schwul, und das ist auch gut so“).

Viel Stoff war das für Klatsch und Tratsch unter der Zeltkuppel, am rheinischen Buffet mit Kartoffelpuffern und anderen Spezialitäten. Die Gästeliste der Veranstaltung, die von der FDP selbst bezahlt und von Johannes B. Kerner moderiert wurde, hatte hohe Promi-Dichte. Dazu spielte Westerwelle geschickt die Tischkärtchen aus.

Die Röslers wurden getrennt, die Frau des Vizekanzlers saß am Guido-Tisch, der Kanzlerin gegenüber. Neben Merkel ihr Verteidigungsminister Thomas de Maizière, der Westerwelle einen Bundeswehrrucksack schenkte. Linksfraktionschef Gregor Gysi hatte es mit Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber zu tun, FDP-Fraktionsboss Rainer Brüderle vertrieb sich die Zeit mit der “Begum“, Gabriele Inaara, die um ihre Scheidung von Milliardär Aga Khan kämpft. Am Medientisch saßen Thomas Gottschalk, Bertelsmann-Patriarchin Liz Mohn, Springer-Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner und “Bild“-Chef Kai Diekmann.

Westerwelle, in Umfragen meist unbeliebtester deutscher Politiker, wurden die Lobeshymnen seiner Gäste irgendwann doch zu viel. Er werde die schmeichelnden Worte nicht überbewerten. Wenn einer historisch Herausragendes für die deutsche Außenpolitik geleistet habe, dann der Mann mit dem gelben Pullunder: FDP-Übervater und Westerwelle-Förderer Hans-Dietrich Genscher. Über dessen Besuch freute sich das Geburtstagskind am meisten: “Das ist ein Geschenk für mich, und eine große Ehre für uns alle.“

dpa

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