Merkel lehnt Erhöhung von Hartz-IV ab

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Wer arbeitet, soll mehr Geld zur Verfügung haben, als wenn er nicht arbeitet, findet die Bundeskanzlerin.

Berlin - Die Bundeskanzlerin lehnt eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze ab. Angela Merkel: "Wir müssen aufpassen, dass derjenige, der den ganzen Tag arbeitet, zum Schluss mehr Geld hat, als wenn er nicht arbeitet."

Das sagte Merkel in einem von Jugendlichen geführten Interview der "Welt am Sonntag". Es müsse ein Anreiz für Langzeitarbeitslose bestehen bleiben, ihr Geld selbst zu verdienen. Auch seien die Hartz-IV-Bezüge ebenso wie die Renten zum 1. Juli gerade erst angehoben worden.

Der Vorsitzende der Linken im Bundestag, Oskar Lafontaine, kritisierte: "Die Bundeskanzlerin ist zynisch." Denn sie trage durch die Verweigerung eines gesetzlichen Mindestlohns Verantwortung dafür, dass in Deutschland Löhne von drei bis vier Euro gezahlt würden. Deshalb müssten Menschen, die jeden Tag acht Stunden arbeiteten, zusätzlich noch Hartz IV beziehen.

Die Kanzlerin erklärte auf Fragen nach der gerechten Verteilung von Einkommen, sie sehe kein Problem darin, dass manche Manager mehr Geld verdienten als sie als Regierungschefin. "Wenn ich so viel Geld haben wollte wie ein Wirtschaftsmanager, dann müsste ich eben Managerin oder Unternehmerin werden. Aber das reizt mich gar nicht", sagte sie.

Keine Bezahlung nach Anstrengung

Eine Bezahlung danach, wieviel Mühe sich ein Mensch gibt, lehnte Merkel ab. Auch nach 30 Fahrstunden bekomme man keinen Führerschein, nur weil man sich angestrengt habe. Denn man könne auf der Straße viel Unheil anrichten. "Man muss im Leben schon kämpfen, um etwas zu bekommen", sagte die CDU-Vorsitzende. "Und wer kämpft, sollte dafür auch belohnt werden."

Als nicht in Ordnung in Deutschland bezeichnete Merkel, wenn Alleinerziehende nicht wieder arbeiten können, weil es zu wenige Betreuungsangebote für unter Dreijährige in Kinderkrippen gebe. Auch sei es ungerecht, dass Frauen im Schnitt 20 Prozent weniger verdienten als Männer. "Die Gewerkschaften und auch die Unternehmerverbände, die Verantwortung für Löhne und Gehälter haben, sollten darauf drängen, dass Männer und Frauen bei gleicher Leistung gleich bezahlt werden."

"Zur Politik gehört auch Demut"

Auf die Frage, wann sie zu letzten Mal so richtig ungerecht gewesen seien, lachte Merkel und erklärte: "Na ja, manchmal ist es so, dass man im Eifer des Gefechts jemanden, der etwas möchte, kurz angebunden behandelt. Und hinterher denkt man sich: Ach, hättest du vielleicht doch ein bisschen aufmerksamer sein können. Ansonsten bin ich eigentlich nicht ungerecht, hoffe ich. Für mich ist entscheidend, ob man hinterher die Kraft hat, auch offen zu sagen, wenn man etwas falsch gemacht hat."

Sie finde, dass sie in ihren vier Jahren als Kanzlerin "schon ganz schön viel bewegen und auch zum Guten verändern konnte", sagte Merkel. Manchmal sei man ungeduldig. "Dann träumt man davon, dass man seine Meinung immer eins zu eins umsetzen kann. Aber zur Politik gehört auch Demut. Man muss akzeptieren, dass andere anders denken."

ap

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