Auch CSU-Chef äußert sich 

Merkel-Nachfolge: Umfrage-Explosion für Söder - möglicher Konkurrent voll des Lobes

Markus Söder lässt weiter offen, ob er von München nach Berlin will - Umfragen sehen ihn aber als Kanzlerkandidaten vor seinen Unions-Kollegen. Gibt er dem „Druck“ nach? 

Update vom 14. Juli, 22.46 Uhr:  CSU-Chef Markus Söder hält am bisher bekannten Zeitplan fest, die Kanzlerkandidaten-Frage in der Union erst nach der Wahl des nächsten CDU-Vorsitzenden zu klären. „Die CDU entscheidet völlig souverän und selbstständig, wer Vorsitzender wird“, sagte Söder am Dienstagabend im ZDF-„heute journal“. „Und danach entscheiden die beiden Parteien, wer die besten Chancen hat und wer gemeinsam von beiden Parteien gut getragen werden kann.“ Das gehe nur gemeinsam.

Mit Blick auf den Dreikampf um den CDU-Vorsitz, der auf einem CDU-Parteitag im Dezember in Stuttgart entschieden werden soll, sagte Söder: „Sie haben drei sehr gute Kandidaten: einen sehr erfahrenen Friedrich Merz, einen guten Regierungschef - Armin Laschet - und, wie ich finde, einen sehr jungen und auch dynamischen und nicht zu unterschätzenden Norbert Röttgen.“ Der 55-Jährige hatte Söder am Dienstag selbst sehr gelobt (siehe Update um 18.10 Uhr). In der Union scheint man also auf Gemeinsamkeit zu setzen.

Söder, der ebenfalls als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt wird, wiederholte auf Nachfrage, sein Platz sei in Bayern, wollte sich ansonsten aber nicht zur K-Frage äußern. Unterdessen warnte er vor neuen Corona-Lockerungen und betonte vor dem ARD-Sommerinterview, sein Platz sei in Bayern.

Kanzlerfrage: Norbert Röttgen lobt Markus Söder - „freu mich für ihn“

Update vom 14. Juli, 18.10 Uhr: Bei Angela Merkels Besuch auf Herrenchiemsee war die Kanzlerfrage natürlich ein wichtiges Thema. Bei der Beantwortung einer Journalistenfrage nach den Kanzlerfähigkeiten Söders sorgte Merkel dabei für großes Gelächter. Utopisch scheint eine Kandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten jedoch nicht. Das zeigen die derzeitigen Umfragewerte.

Im ZDF-Politbarometer wird Markus Söder das Kanzleramt momentan mit Abstand am ehesten zugetraut (siehe Erstmeldung). Einer, dem aktuell ziemlich schlechte Chancen zugesprochen werden, ist Norbert Röttgen. Der CDU-Politiker nimmt die niedrigen Umfragewerte bezüglich seiner Person jedoch gelassen - und wartet mit viel Lob für Markus Söder auf.

Die aktuellen Werte des ZDF-Politikbarometers. Die Befragten mussten angeben, inwiefern sie den genannten Personen das Kanzleramt zutrauen würden.

Im ZDF-Morgenmagazin sagte der CDU-Vorsitz-Kandidat: „Ich freue mich für Markus Söder. Er hat in der Krisenzeit eine gute Figur gemacht und das wird anerkannt. Die anderen Kandidaten waren in dieser Zeit einfach nicht so gefragt. Und deshalb führt das zu einem Rückfall an Wahrnehmung.“ Mit diesem muss derzeit auch Röttgen leben. Wie verhält sich Söder selbst zu der im Raum stehenden K-Frage im ZDF-“Sommerinterview“?

Kanzlerfrage: Söder ein Kandidat? „Natürlich könne man sich das vorstellen“

Update vom 12. Juli, 22.22 Uhr: „Anne Will“ hat Sommerpause - dennoch wurde am Sonntagabend über die K-Frage in der Union debattiert: Die Zuschreibungen für Markus Söder (CSU) fielen in einem Online-Talk der Bild dabei nicht immer schmeichelhaft aus - aber Spiegel-Autorin Anna Clauss („Größenwahn, macht Politik wie ein Möbelpacker“), SPD-Politiker Ralf Stegner („politisches Chamäleon mit viel Schauspieltalent“) und Journalist Béla Anda („Hat nach der Wahl grüne Kreide gefressen“) waren sich einig, dass Söder Kanzler kann. Nur Mike Mohring (CDU) und CSU-Generalsekretär Markus Blume wollten sich sichtlich ungern zur „K-Frage“ positionieren.

Auf die „einfache“ Frage, ob Söder Kanzler werden solle, sagte Mohring: Natürlich könne man sich das vorstellen, aber wichtig sei, dass CDU und CSU eine „gemeinsame Lösung“ fänden. Aber wann solle die K-Frage denn geklärt werden, war die ungeduldige Nachfrage an Blume. Erst 2021? „Also, ich sehe, dass wir 2020 andere Probleme haben“, wich der aus. 

Auf die Nachfrage, ob das Thema nicht zwingend bereits am 14. Juli beim Treffen Söders mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Herrenchiemsee aufkommen werde, sagte Blume, er wolle nicht der „Spielverderber“ sein, aber: „Selbstverständlich nicht.“

Merkel-Nachfolge: Umfrage-Explosion für Söder - und ausgerechnet CDU-Kandidat hält ihn für möglich

Update vom 12. Juli, 20.57 Uhr:Nicht nur bei Umfrage-Teilnehmern steht Markus Söder hoch im Kurs - auch Norbert Röttgen hält den CSU-Chef für kanzlerfähig. Das bekräftigte der CDU-Vorsitz-Kandidat im „Sonntags-Stammtisch“ des Bayerischen Rundfunks. Er finde es „albern“, so zu tun, als sei eine Kandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten keine realistische Möglichkeit. „Vielleicht war ich der Erste, der es ausgesprochen hat“, meinte er. „Klar war es jedem.“

Die ebenfalls in der Talk-Runde anwesende Politikwissenschaftlerin Ursula Münch fand Röttgens Loyalität bemerkenswert. Sie bezeichnete es als „ungewöhnliche Konstellation“, wenn ein frisch gewählter CDU-Vorsitzender einen CSU-Kanzlerkandidaten unterstützen würde - wäre das nicht ein Indiz einer Parteikrise oder das Ergebnis einer sehr knappen Wahl? 

Röttgen ließ diese Sichtweise nicht gelten. Wenn es der Union nach der Amtszeit von Angela Merkel (CDU) - stolze 16 Jahre - gelinge, wieder einen Kanzler zu stellen, dann es das eine „große Leistung“.

Norbert Röttgen (CDU) traut Markus Söder (CSU) die Kanzlerschaft zu.

Merkel-Nachfolge: Nächster Söder-Boost? Union debattiert heikle Rochade

Erstmeldung vom 12. Juli:

Berlin - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kennt in Umfragen zur Kanzler-Tauglichkeit zurzeit nur einen Trend: nach oben. Laut ZDF- „Politbarometer“ (64 Prozent Zustimmung bei den Befragten) und Forsa in einer Umfrage für die Bild am Sonntag (40 Prozent) bekam er nun für sein Corona -Krisenmanagement * einen Daumen hoch.

Gerade das ZDF-Politbarometer führt vor Augen, wie enorm Söders Beliebtheit im Laufe der Corona-Krise gestiegen ist. Noch im März waren nur 30 Prozent aller Befragten bei der Umfrage der Meinung, dass sich Söder für das Amt des Bundeskanzlers eignet, heißt es auf der Webseite des Vereins Forschungsgruppe Wahlen, der das Politbarometer erstellt. 51 Prozent fanden damals, dass Söder keinen guten Kanzler abgeben würde. Mittlerweile vertreten nur noch 27 Prozent die Auffassung, dass sich Söder nicht fürs Kanzleramt eignet. Die Zustimmung zu Söder als Kanzlerkandidat hat sich damit seit März mehr als verdoppelt.

Eine „2,6“ in Schulnoten für Söder ermittelte des Meinungsforschungsinstitut Kantar unter 504 befragten Menschen. Damit lag der CSU-Chef nur haarscharf hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die mit einer Wertung von „2,4“ Platz eins belegte.  Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bekam eine „2,8“ - und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet* (CDU) nur eine „3,5“. 

Merkel-Nachfolge: Löst Spahn Laschet als Kandidaten ab?

In der Union wird laut dpa hinter den Kulissen diskutiert, ob es noch einen Rollentausch geben könnte - und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn* an Stelle von Laschet als CDU-Chef kandidieren sollte. Hintergrund sind Laschets sinkende Beliebtheitswerte

Nach Spahn oder dem CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen*, der wie Friedrich Merz* und Laschet für den CDU-Vorsitz kandidiert, haben die Forsa-Meinungsforscher nicht gefragt. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, läge die Union aber demnach mit 38 bis 39 Prozent vorn, gefolgt von den Grünen.

Merkel-Nachfolge: Röttgen, Merz und Lascht in Umfragen hinter der Kanzlerin

Die potenziellen CDU-Kanzlerkandidaten stehen also immer noch im Schatten von Merkel. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt will aber verhindern, dass die Frage, wer 2021 als Spitzenkandidat der Union in den Bundestagswahlkampf zieht, von den Schwesterparteien jetzt schon öffentlich debattiert wird. Er wolle die Diskussion über die Frage, wer Kanzlerkandidat der Union werden solle, nicht mit eigenen Vorschlägen befeuern, sagte Dobrindt der dpa

Auch die SPD hat sich noch nicht festgelegt, wenngleich Beobachter vermuten, dass die Kanzlerkandidatur auf Vizekanzler Scholz zulaufen dürfte - trotz seiner Niederlage im Wettbewerb um den Parteivorsitz im November. Einige SPD-Spitzenfunktionäre betonen allerdings schon jetzt, dass Scholz das dann nicht im Alleingang machen dürfte. Die SPD liegt in Umfragen derzeit bei 15 bis 16 Prozent.

*Merkur.de gehört zum bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionnetzwerk.

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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