Mladic-Prozess ausgesetzt

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Der serbische General Ratko Mladic vor dem UN- Kriegsverbrechertribunal

Den Haag - Die Anklage hat gegen den serbischen General Ratko Mladic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal Beweise für unfassbare Verbrechen vorgelegt. Doch dann wurde der Prozess vertagt.

Weil die Ankläger es jedoch versäumt hatten, der Verteidigung rechtzeitig alle Beweisstücke zu übergeben, setzte der Vorsitzende Richter Alphons Orie am Donnerstag in Den Haag den Prozess auf unbestimmt Zeit aus. Jetzt kann es möglicherweise Monate dauern, bis die ersten der 413 Zeugen vor Gericht aussagen können. Die Eröffnung des Beweisverfahrens sollte eigentlich am 29. Mai beginnen.

Während der ersten beiden Prozesstage warf die Verteidigung dem 70-Jährigen unter anderem Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Massenvergewaltigungen, unmenschliche Gefangenenlager sowie Terror und Vertreibung vor. „Wir können niemals diesen Horror begreifen“, sagt Staatsanwalt Peter McCloskey am Donnerstag bei der Verlesung der Anklage. Bei der Schilderung der unfassbaren Verbrechen stockte immer wieder seine Stimme.

Der Militärchef der bosnischen Serben in den 90er verhöhnte während der Anklage immer wieder Opfer und Justiz. Meist hörte Mladic den Vorwürfen regungslos zu, dann quittierte er unvorstellbare Taten mit verneinendem Kopfschütteln oder abschätzigem Lächeln. Einmal richtete er während der Anklageverlesung seinen Blick auf Munira Subasic, eine der prominentesten Opfervertreterinnen. Mladic fuhr sich dann mit dem Zeigefinger über den Hals, als wolle er ihr die Kehle durchschneiden. In Serbien, wo Mladic immer noch als Volksheld verehrt wird, wurde der Beginn des Prozesses von keiner TV-Anstalt übertragen.

Ziel der Mladic-Truppen sei „die Schaffung von totaler Unsicherheit, Untragbarkeit und Perspektivlosigkeit für die Muslime“ gewesen, „ohne Hoffnung, überleben zu können“, zitierte der Staatsanwalt aus internen Militärdokumenten.

Wie grausam Mladic und seine Gesinnungsgenossen vorgegangen waren, beschrieben die Ankläger an „57 genau spezifizierten Verbrechen, für die der Angeklagte persönlich verantwortlich ist“. Sie berichteten von einer jungen Muslimin, deren Familie ausgelöscht und die von mehr als 50 serbischen Soldaten vergewaltigt wurde. Muslimische Verwandte wurden untereinander zu sexueller Gewalt gezwungen. Auf Bildern waren gefesselte Leichen mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Mündern zu sehen. Ein Video zeigt Leichenberge im Dorf Kravica. Auf einem Foto ist das Gelände eines landwirtschaftlichen Betriebs bei Donja Pilica von Hunderten und Aberhunderten ermordeter Zivilisten übersät.

Um das Riesenverfahren abzukürzen, konzentriert sich die Anklage auf besonders schwere Verbrechen wie das Massaker an bis zu 8 000 muslimischen Jungen und Männer im Juli 1995 im ostbosnischen Srebrenica oder die jahrelange Belagerung von Sarajevo mit über 11 500 Toten. Durch den Dauer-Granatbeschuss habe er unter der Zivilbevölkerung Panik und Terror verbreitet, hieß es. Mehr noch: „Mladic hat persönlich Menschen in Sarajevo erschossen als sei es ein Sport“.

Die Mladic-Truppen gingen gemeinsam mit Paramilitärs aus dem benachbarten Serbien nach dieser Darstellung immer gleich vor. Frauen und Kinder wurden deportiert, die wehrfähigen Männer entweder ermordet oder in Lagern in besonders gefährlichen Kampfzonen zur Arbeit gezwungen. Am Ende beschreibt der Staatsanwalt noch die „Geiselnahme von UN-Blauhelmen“ im Frühjahr 1995 und ihren Missbrauch als „menschliche Schutzschilde“ gegen NATO-Angriffe. Viele „Friedenssoldaten“ seien in Munitionslagern angekettet worden.

dpa

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