Mutmaßlicher Arizona-Attentäter erstmals vor Gericht

Washington/Phoenix - Der mutmaßliche Attentäter von Arizona bleibt weiter in Haft. Bei einer ersten Anhörung des 22-Jährigen vor einem Bundesgericht wurde am Montag eine Freilassung gegen Kaution abgelehnt.

Vertreten wird Jared L. von der Anwältin des Attentäters von Oklahoma City, Timothy McVeigh. Angeklagt ist er in fünf Punkten: Er muss sich wegen Mordversuchs an der Kongressabgeordneten Gabrielle Giffords verantworten, außerdem wegen Tötung und versuchter Tötung von Bundesbediensteten in jeweils zwei Fällen.

Mindestens fünf Tote bei Anschlag in Arizona

Mindestens fünf Tote bei Anschlag in Arizona

L. betrat das Gerichtsgebäude in Phoenix mit Handschellen, seine Anwältin sprach leise mit ihm. Der Kopf des 22-Jährigen war kahlrasiert, an der rechten Schläfe hatte er eine Wunde. Im Laufe der Anhörung äußerte er sich nur ein einziges Mal. Er bejahte die Frage des Richters, ob er verstehe, dass ihm im Fall einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe oder gar die Todesstrafe drohe.

Im Gerichtsgebäude herrschten am Montag scharfe Sicherheitsvorkehrungen, etwa ein Dutzend Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Nach Angaben der Ermittler ist L. ein psychisch labiler Einzelgänger, der die Regierung einer Verschwörung verdächtigte und sich vergeblich beim Militär beworben hatte. Bei dem Blutbad vor einem Einkaufszentrum in Tucson wurden am Samstag sechs Menschen erschossen und 14 weitere verletzt.

Verfahrensfragen werden geprüft

Bei einem der Toten handelt es sich um einen Bundesrichter. Die örtliche Staatsanwaltschaft prüfte unterdessen, ob sie zunächst das Verfahren wegen Mordes an einem Bundesmitarbeiter abwarten muss, oder ob sie gleichzeitig einen eigenen Prozess nach dem Recht des US-Staates Arizona eröffnen kann.

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Stunden vor der Anhörung gedachten Bürger im ganzen Land der Opfer des Blutbads mit einer Schweigeminute. US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle hielten im Gedenken an die Opfer vor dem Weißen Haus eine Minute inne, auf den Stufen des Kapitols gedachten Mitarbeiter des US-Kongresses der Toten. Auch die Richter des Obersten Gerichtshofs legten in einer Verhandlungspause eine Schweigeminute ein. “In den kommenden Tagen werden wir viel nachdenken müssen“, sagte Obama. “Jetzt sind unsere Gedanken und Gebete bei den Betroffenen.“ Der Anschlag in Arizona werde die Abgeordneten nicht davon abhalten, ihre Arbeit zu tun, sagte der Führer der Republikaner im US-Senat, Mitch McConnell. “Eine starke Demokratie braucht den freien Austausch von Gedanken“, sagte McConnell. “Die Tat eines verwirrten Mannes wird das nicht verhindern.“

Giffords Schwager meldet sich aus dem Weltall

Der Schwager der schwer verletzten Demokratin Giffords, der US-Astronaut Scott Kelly, meldete sich aus dem Weltall zu Wort. Wenn er von der Internationalen Raumstation ISS auf die Erde blicke, sehe er einen wunderschönen Planeten, der friedlich wirke, es aber nicht sei, sagte er. Jeder müsse sich noch mehr anstrengen.

Giffords, die am Samstag aus kurzer Entfernung in den Kopf geschossen wurde, befand sich am Montag weiter in kritischem Zustand. Sie reagierte jedoch mit Fingerzeichen auf die Ärzte. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Schwellung im Gehirn der 40-Jährigen nicht zugenommen habe, teilten die Ärzte der Universitätsklinik in Tucson mit. “Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus“, sagte Neurochirurg Michael Lemole. Mit jedem Tag, an dem die Schwellung im Gehirn nicht zunehme, wachse aber der Optimismus der Ärzte.

Wie aus US-Regierungskreisen verlautete, sollte Präsident Obama am Mittwoch nach Arizona reisen, um bei einer Gedenkfeier zu Ehren der Opfer des Blutbads in der Universität von Arizona zu sprechen. Für Donnerstag war ein Gottesdienst für die Opfer in einer Kirche in Tucson geplant.

dapd

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