Polizistenmord von Heilbronn

Zschäpe-Spur nach Baden-Württemberg?

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Beate Zschäpe im Gerichtssaal (Archivbild).

München - War Beate Zschäpe beim Polizistenmord von Heilbronn mit ihren mutmaßlichen NSU-Komplizen im Südwesten unterwegs? Eine Zeugin soll sie gesehen haben, sagen Nebenklage-Anwälte. Die Angaben sind aber noch sehr vage.

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe könnte sich nach Ansicht von Opferanwälten beim Heilbronner NSU-Mordanschlag auf zwei Polizisten in der Nähe aufgehalten haben. Nach einer Zeugenaussage sei Zschäpe zur Zeit des Anschlags im Jahr 2008 im 35 Kilometer entfernten Backnang (Baden-Württemberg) gewesen und habe dort übernachtet, heißt es in einem Beweisantrag von sechs Nebenklage-Anwälten. Die Nebenkläger beantragten am Mittwoch, eine Beamtin der „Ermittlungsgruppe Umfeld“ im NSU-Prozess zu hören. Sie könne nähere Angaben über die Aussage der Zeugin machen.

„Es gab einen Hinweis. Ob sich das bewahrheitet, lässt sich noch nicht sagen“, sagte Nebenklage-Anwältin Seda Basay nach Ende der Hauptverhandlung am Mittwoch. Die Zeugin soll sich erst im Januar diesen Jahres bei den Behörden gemeldet haben. Die „Ermittlungsgruppe Umfeld“ hat Bezüge der Neonazi-Terroristen nach Baden-Württemberg untersucht.

Zschäpe hinterließ bei ihrem Untertauchen 1998 eine Waffensammlung und eine Reichskriegsflagge in ihrer Wohnung. Das berichtete am Mittwoch ein Polizeibeamter, der seinerzeit die Wohnung der NSU-Hauptangeklagten durchsuchte. Unter anderem fanden die Ermittler eine Druckgaspistole, ein Luftgewehr mit Zielfernrohr, eine Armbrust und einen Morgenstern. Bilder aus der Einraumwohnung in Jena zeigen eine Reichskriegsflagge an der Wand.

Unter dem Sofa war ein Exemplar des Brettspiels „Pogromly“ versteckt. Laut Anklage soll Zschäpe das nach dem Vorbild von „Monopoly“ entworfene, NS-verherrlichende Spiel gemeinsam mit ihren Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hergestellt haben. Ziel des Spiels ist es laut Anleitung, deutsche Städte „judenfrei“ zu machen.

Das Gericht versuchte am Mittwoch weiter, die Waffenbeschaffung der mutmaßlichen Neonazi-Terroristen zu klären. Nach Angaben der Angeklagten Holger G. und Carsten S. sollen zwei Pistolen aus dem Jenaer Szeneladen „Madley“ stammen. Eine Waffe soll der Angeklagte Ralf Wohlleben dort erhalten haben, eine andere - wahrscheinlich die „Ceska“, mit der neun Menschen erschossen wurden - hat Carsten S. nach eigenen Angaben im Auftrag Wohllebens dort besorgt.

Der frühere „Madley“-Inhaber Frank L. hatte in seinen Vernehmungen vor Gericht gesagt, er könne sich nicht an Anfragen nach Waffen erinnern. Am Mittwoch wurden nun Kriminalbeamte vernommen, die L. im Ermittlungsverfahren vernommen hatten. Damals - so die Beamten - habe L. gesagt, dass Wohlleben öfter in dem Laden war. Es könne auch sein, dass Wohlleben ihn nach einer Waffe gefragt habe. Damit habe er ihn jedoch wahrscheinlich an seinen Angestellten Andreas S. verwiesen. Konkrete Erinnerungen hatte er ber auch damals nicht geschildert.

Der frühere NPD-Funktionär Wohlleben ist wegen Beihilfe zu neun Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) angeklagt. Insgesamt werden der Gruppe zehn Morde zugeschrieben, außerdem zwei Sprengstoffanschläge und mehrere Raubüberfälle. Zschäpe ist als Mittäterin bei allen Taten angeklagt.

dpa

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