Niedersachsen will Lehrer schärfer überprüfen

Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU)

Hannover - Niedersachsen will als Konsequenz aus Missbrauchsfällen künftig Lehrer vor der Einstellung schärfer überprüfen. Der Deutsche Lehrerverband übt allerdings Kritik.

Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann sagte der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, sie werde von Bewerbern künftig ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangen, in dem auch geringfügigere Strafen wegen Sexualdelikten vermerkt seien. Darunter fielen beispielsweise der Besitz von Kinderpornografie oder die Misshandlung von Schutzbefohlenen. “Ziel ist es, Kinder besser vor Missbrauch zu schützen“, sagte die CDU-Politikerin. Man müsse alle Menschen in den Blick nehmen, die mit Kindern zu tun hätten.

Heister-Neumann kündigte Gespräche mit kommunalen Spitzenverbänden und Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz und der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft an. Die Kultusminister der Länder richteten nach der Serie von Missbrauchsfällen in Schulen eine Arbeitsgruppe ein, die sich mit dem Thema befasst. “Für Mai rechne ich mit ersten Ergebnissen“, sagte Heister-Neumann.

Vorwurf des Aktionismus

Beim Deutschen Lehrerverband stoßen die Pläne des niedersächsischen Ministeriums auf Kritik. Zwar könne grundsätzlich kein angehender Pädagoge etwas dagegen haben, wenn von ihm ein erweitertes Führungszeugnis verlangt werde, sagte Verbands-Präsident Josef Kraus laut “Handelsblatt Online“. “Aber diese Maßnahme riecht ein wenig nach Aktionismus.“ Vor allem könne diese Maßnahme ja nur für Neueinstellungen gelten. “Wichtiger erscheint es mir, dass die Verbreitung von Kinderpornografie strafrechtlich so streng behandelt wird, dass ein entsprechender Verstoß auch in einem normalen Führungszeugnis auftaucht“, sagte Kraus.

apn

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