Nils Schmid wird SPD-Chef in Baden-Württemberg

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Nils Schmid soll das Amt des Landesvorsitzenden der Baden-Württemberg SPD bekommen.

Stuttgart - Der Finanzpolitiker Nils Schmid ist von den baden-württembergischen SPD-Mitgliedern in einer Urwahl zum neuen Parteichef bestimmt worden.

Parteikreise bestätigten am Sonntag in Stuttgart einen entsprechenden Bericht des Südwestrundfunks. Der 36-Jährige folgt damit der bisherigen Parteivorsitzenden Ute Vogt. Sie hatte nach dem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl im September ihr Amt zur Verfügung gestellt.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Schwarz-Gelb, Rot-Rot, Schwarz-Rot, Schwarz-Grün, Rot-Grün oder Jamaika: Welche Parteien regieren welches Bundesland? Ein Überblick über den politischen Fleckenteppich der Bundesrepublik Deutschland. © dpa
Niedersachsen: Rot-Grün. Die CDU/FDP-Koalition von Ministerpräsident David McAllister ist am 20. Januar 2013 nach zehn Jahren abgewählt worden. Nach der 17. Landtagswahl haben SPD und Grüne im Parlament allerdings nur eine Stimme Mehrheit. Neuer Ministerpräsident wird der bisherige hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil. © dpa
Schleswig-Holstein: Torsten Albig (SPD). Bei der vorgezogenen Landtagswahl im Mai 2012 löste der vorige Oberbürgermeister von Kiel den bisher regierenden Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen ab. Seit 12. Juni 2012 regiert eine Koalition aus SPD, Grünen und SSW (Südschleswigischer Wählerverband). Nächste Landtagswahl: 2017. © dpa
Bayern: Schwarz. Ministerpräsident ist Horst Seehofer (CSU). Die Christlich-Soziale Union hatte von 1962 bis 2008 die absolute Mehrheit in Bayern inne. Nach der Landtagswahl 2008 regierte die CSU eine Legislaturperiode lang in einer Koalition mit der FDP. Seit der Landtagswahl im september 2013 regieren Seehofer & Co. wieder alleine.S © dpa
Brandenburg: Rot-Rot. Die SPD stellt seit 1990 den Ministerpräsidenten und regiert aktuell mit der Linkspartei. Matthias Platzeck amtierte seit 2002, musste 2013 aber sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Am 28. August 2013 wurde Dietmar Woidke zum Nachfolger gewählt. Nächste Landtagswahl: 2014. © dpa
Bremen: Rot-Grün. Bürgermeister ist seit dem 8. November 2005 Jens Böhrnsen (SPD). Er regiert in einer Koalition mit den Grünen. Die SPD stellt seit 1945 den Bürgermeister. Nächste Wahlen zur Bürgerschaft: 2015. © dpa
Hamburg: Rot-Grün. Die SPD hat unter Olaf Scholz im Februar 2011 nach fast zehn Jahren Opposition das Hamburger Rathaus zurückerobert. Nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition im vorherigen November wurden Neuwahlen ausgerufen. Nächste Bürgerschaftswahl: 2015. © dpa
Hessen: Schwarz-Grün. Die CDU stellt seit 1999 den Ministerpräsidenten in Hessen. Roland Koch regierte das vormalige sozialdemokratische "Stammland"  seit 1999. 2010 zog er sich aus der Politik zurück. Am 31. August 2010 wurde Innenminister Volker Bouffier (CDU) zu Kochs Nachfolger gewählt. Die Landtagswahl 2013 sorgte für ein Novum: Weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün fanden beim Wähler eine Mehrheit, daher kam es schließlich zur ersten schwarz-Grünen Koalition in einem Flächenland. © dpa
Nordrhein-Westfalen: Nach der vorgezogenen Landtagswahl am 13. Mai 2012 ergab sich eine Mehrheit für Rot-Grün. Ministerpräsidentin ist Hannelore Kraft von der SPD. Zuvor hatte die Koalition bereits als Minderheitsregierung seit Juli 2010 regiert. © dpa
Rheinland-Pfalz: Rot. 18 Jahre lang regierte hier Kurt Beck. Im Januar 2013 erfolgte dann der Wechsel: Becks Sozialministerin Marie-Luise "Malu" Dreyer ist seine Nachfolgerin. Die nächste wahl findet 2016 statt. © dpa
Saarland: Schwarz-Rot. Annegret Kramp-Karrenbauer übernahm im August 2011 das Ministerpräsidentenamt von Peter Müller (CDU), der seit 1999 regierte. Er hatte das erste Jamaika-Bündnis in Deutschland aus CDU, FDP und Grünen gezimmert. Doch die Koalition hat sich im Januar 2012 wegen interner Querelen bei der FDP aufgelöst. Neuwahlen machten die CDU zur stärksten Partei, am 9. Mai wurde Kramp-Karrenbauer als Vorsitzende einer Großen Koalition mit der SPD im Saarbrücker Landtag wiedergewählt. © dpa
Saschen-Anhalt: Schwarz-Rot. Seit April 2011 ist Reiner Haseloff der neue Ministerpräsident. Er regiert in einer Großen Koalition mit der SPD. Nächste Landtagswahl: 2016. © dpa
Mecklenburg-Vorpommern: Minsterpräsident Erwin Sellering (SPD) regierte von 2006 bis 2011 in einer Großen Koalition mit der CDU. Die SPD stellt seit 1998 den Ministerpräsidenten in "Meck-Pom". Bei den Wahlen im September 2011 gingen die Genossen erneut als Sieger hervor, und führen die Koalition mit der CDU fort. Nächste Landtagswahl: 2016. © dapd
Sachsen: Schwarz-Gelb. Seit der Wiedervereinigung stellt die CDU in Sachsen ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Stanislaw Tillich regiert seit Herbst 2009 in einer Koalition mit der FDP. Nächste Landtagswahl: 31. August 2014. © dpa
Thüringen: Schwarz-Rot. Die CDU regiert Thüringen seit der Wiedervereinigung. Christine Lieberknecht wurde im Herbst 2009 zur Ministerpräsidentin gewählt. Sie ist die erste weibliche Landesfürstin der Christdemokraten. Lieberknecht regiert in einer Großen Koalition mit der SPD. Nächste Landtagswahl: 14. September 2014. © dpa
Berlin: Rot-Schwarz. Klaus Wowereit (SPD) regiert die Hauptstadt seit 2002. Bei den Wahlen Mitte September 2011 feierte "Wowi" den dritten Wahlsieg in Folge. Als Koalitionspartner agiert die CDU. Nächste Wahlen zum Abgeordnetenhaus: 2016 © dapd
Baden-Württemberg: Grün-Rot. 2011 hat eine Koalition aus Grünen und SPD die seit 1953 regierende CDU im "Ländle" abgelöst. Ministerpäsident Winfried Kretschmann (Grüne) saß zuvor als Fraktionsvorsitzender der Grünen im baden-württembergischen Landtag. Nächste Landtagswahl: 2016. © dpa

Das offizielle Ergebnis der Mitgliederbefragung soll am Nachmittag auf einer Pressekonferenz verkündet werden. Schmid muss noch formell vom Parteitag am kommenden Wochenende in Karlruhe bestätigt werden. Das Votum der Parteimitglieder gilt aber als Vorentscheidung.

Schmid sitzt seit 1997 im Landtag und hat sich in dieser Zeit einen Ruf als Haushaltsexperte erworben. Er wirbt für eine Öffnung der Partei, beispielsweise für Migranten. Insgesamt waren 40.000 Parteimitglieder zu der Urwahl aufgerufen. Auf Platz zwei kam laut Südwestrundfunk die Parteilinke Hilde Mattheis und auf den dritten Rang SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel. Schmiedel hatte Vogt bereits an der Fraktionsspitze im Stuttgarter Landtag abgelöst. Er hat in der Vergangenheit die umstrittene Agenda 2010 des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder verteidigt, aber auch versucht, beim linken Parteiflügel für sich zu werben.

Der frühere baden-württembergische Juso-Vorsitzende Schmid machte in der Partei eine rasante Karriere. Vom einstigen Hinterbänkler arbeitete sich der Rechtsanwalt zum anerkannten Finanzfachmann hoch, auf dessen Rat selbst der frühere baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) schon zurückgegriffen hatte. Neben seinem Landtagsmandat machte der Politiker seinen Doktor in Jura bei Ferdinand Kirchhof, der inzwischen Richter am Bundesverfassungsgericht ist. Schmid ist seit 2006 auch stellvertretender Chef der SPD-Landtagsfraktion. Der Politiker ist verheiratet mit einer Deutschen, die türkische Wurzeln hat und einen Sohn mit in die Ehe brachte. Er kann aus eigner Erfahrung vom Leben in Migrantenfamilien berichten, spricht inzwischen - neben Französisch und Englisch perfekt - auch noch Türkisch, nicht zuletzt, um die Lebensleistung der Schwiegereltern und anderer Verwandter zu würdigen.

Vogt zehn Jahre Landesvorsitzende

Schmid gilt als eher zurückhaltend. In einem Punkt gab er diese Haltung aber auf. Bei den Regionalkonferenzen erzählte er von der großen Anstrengung seiner Frau, die notwendig war, um zum Studienabschluss zu kommen. Ein radikaler Neubeginn unter Einbeziehung der Migranten sei in der Bildungspolitik notwendig, um die vorhandenen Potenziale nicht brachliegen zu lassen. Ute Vogt war seit 1999 Landesvorsitzende und war bei den Landtagswahlen 2001 und 2006 als Spitzenkandidatin angetreten. Ihr Führungsstil war in der Partei nicht unumstritten. Die SPD ist in Baden-Württemberg in den letzten Jahren bei den Wahlen abgestürzt. Bei der Bundestagswahl ging ihr Ergebnis von 30,1 Prozent im Jahr 2005 auf 19,3 Prozent beim Urnengang im September zurück.

ap

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