Nordkoreas Rakete zerbricht in Einzelteile

Pjöngjang - Trotz internationaler Warnungen hat Nordkorea die umstrittene Langstreckenrakete, die einen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen sollte, gestartet. Doch der Träger blieb nicht lange auf Kurs.

Eine von Nordkorea trotz internationaler Warnungen abgefeuerte Langstreckenrakete mit einem Satelliten an Bord ist kurz nach dem Start abgestürzt. Nur wenige Minuten nach dem Abschuss am frühen Morgen zerbrach die Rakete des Typs Unha-3 in mehrere Teile und stürzte ins Gelbe Meer. Nordkorea begeht zurzeit den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung.

Nach entsprechenden Berichten der USA und der Nachbarländer räumte auch das Regime in Pjöngjang ein, dass die Aktion nicht nach Plan verlaufen sei. Der Satellit habe “nicht den Orbit erreicht“, hieß es im Staatsfernsehen. Die USA sprachen trotz des Fehlschlags von einer “provokativen Aktion“ und kündigten einen Stopp ihrer Nahrungsmittelhilfen an.

Außenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Eskalation. “Das ist eine flagrante Verletzung internationaler Verpflichtungen und wird die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen“, sagte der FDP-Politiker am Freitag in New York. Westerwelle verlangte, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse sich “umgehend mit der Angelegenheit befassen“. Dieser wollte noch am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Der Westen befürchtet militärischen Test

Staatliche nordkoreanische Medien meldeten, der Satellit Kwangmyongsong-3 sei um 07.38 Uhr Ortszeit von der Station Sohae in Tongchnag-ri an der Westküste abgefeuert worden. Nach Angaben der US-Streitkräfte stürzte die Rakete kurz darauf etwa 165 Kilometer westlich der südkoreanischen Küste ins Gelbe Meer. Es wurde erwartet, dass US-Kriegsschiffe sich an die Absturzstelle begeben würden, um nach Wrackteilen zu suchen.

Der japanische Verteidigungsminister Naoki Tanaka sagte, ein fliegendes Objekt sei nach etwas mehr als einer Minute in der Luft wieder abgestürzt. Japanisches Gebiet sei dabei aber nicht getroffen worden. Tokio hatte angekündigt, die Rakete abzuschießen, falls sie über japanisches Territorium fliegen sollte.

Die in Washington tagenden G-8-Staaten verurteilten den Raketenstart. Der Westen und Südkorea befürchten, dass es sich bei der Aktion um einen verdeckten militärischen Test handelte, die im Zusammenhang mit dem nordkoreanischen Atomprogramm stehen. Nach Angaben Nordkoreas hingegen sollte die Rakete einen Beobachtungssatelliten ins All befördern.

Präsentation für ausländische Journalisten

Für das Regime in Pjöngjang bedeutet der Absturz einen erheblichen Rückschlag. Der Raketenstart war nicht zuletzt als Propagandaaktion anlässlich der Feiern zum Jahrestag des 100. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il Sung geplant. Stolz hatte die Regierung des wegen seines Atomprogramms international isolierten Landes die Rakete vorab auch ausländischen Journalisten präsentiert.

dapd

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