Obama beendet offiziell Kampfeinsatz im Irak

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US-Präsident Barack Obama erklärt offiziell die Kampfeinsätze amerikanischer Truppen im Irak für beendet.

Washington - US-Präsident Barack Obama erklärt offiziell die Kampfeinsätze amerikanischer Truppen im Irak für beendet. Er räumte ein, dass die USA einen hohen Preis für den Krieg bezahlt hätten. Seine Pläne:

Es sei im Interesse des Iraks, aber auch im Interesse der USA, dass dieser Krieg jetzt zu Ende gehe, heißt es in Redeauszügen, die das Weiße Haus kurz vor Obamas Rede an die Nation am Dienstagabend (Ortszeit) veröffentlichte. Nun liege die Zukunft des Iraks in den Händen der Iraker.

“Heute Abend erkläre ich, dass die amerikanische Kampfmission im Irak beendet ist“, heißt es in den Auszügen. “Die Vereinigten Staaten haben einen hohen Preis dafür bezahlt, um die Zukunft des Iraks in die Hände seines Volkes zu legen.“ “Diesen Krieg zu beenden, ist nicht nur im Interesse des Iraks - es ist auch in unserem Interesse“, sagte Obama weiter. Mehrmals erinnerte er an den Einsatz und die Opfer der Soldaten.

Obama erhält den Friendensnobelpreis

Obama erhält den Friedensnobelpreis

US-Präsident Barack Obama hat seinen Friedensnobelpreis mit “tiefer Dankbarkeit und großer Demut“ entgegengenommen. © AP
Er räumte bei der Zeremonie in Oslo selbst ein, dass die Vergabe der Auszeichnung an ihn eine beträchtliche Kontroverse ausgelöst habe. © AP
Erstens gebe es andere Persönlichkeiten, die mehr als er geleistet hätten. © AP
Zweitens sei er der Oberkommandierende einer Nation, die in zwei Kriege verwickelt sei. Zugleich setzte sich Obama in seiner Rede für Frieden, Menschenrechte und Abrüstung ein. © AP
Verglichen mit anderen großen historischen Figuren wie Albert Schweitzer und Nelson Mandela sei das bisher von ihm Erreichte gering, gab Obama zu. © AP
“Zudem gibt es Männer und Frauen rund um den Erdball, die im Gefängnis sitzen und geschlagen werden, weil sie nach Gerechtigkeit streben“. Er könne denjenigen nichts erwidern, die darauf verwiesen, das diese Menschen “die Ehre sehr viel mehr verdient haben als ich“. © AP
Auch sei er als US-Präsident für die Stationierung tausender junger Amerikaner in einem fernen Land verantwortlich. © AP
“Einige werden töten. Andere werden getötet.“ Er sei sich der Kosten bewaffneter Konflikte bewusst. © AP
Die Feierlichkeiten werden von massiven Sicherheitsmaßnahmen geschützt, wie es sie in Norwegen noch nicht gegeben hat. © AP
Über 2000 Polizisten sind im Einsatz, darunter 200 US-Spezialagenten. Scharfschützen bewachen die Innenstadt, Hubschrauber sichern den Luftraum. © AP
Für den Abend sind zwei Demonstrationszüge von Friedensgruppen und Kriegsgegnern geplant. © AP
Obama erhält den Friedensnobelpreis © AP

In dem Krieg waren über 4000 US-Soldaten ums Leben gekommen. Allerdings bleiben rund 50 000 US-Soldaten weiter im Land, um irakische Sicherheitskräfte auszubilden und bei Anti-Terror-Einsätzen zu unterstützen. Sie sollen bis Ende 2011 abziehen.

Bereits zuvor hatte Obama deutlich gemacht, dass es keine Siegesfeiern geben wird. “Wir werden nicht in Eigenlob verfallen“, sagte er kurz vor seiner Rede bei einem Truppenbesuch. Unter allen Umständen wollte das Weiße Haus den Eindruck vermeiden, den sein Vorgänger George W. Bush 2003 hinterlassen hatte: Damals war Bush an Bord des Flugzeugträgers “Abraham Lincoln“ vor einem Banner mit den Worten “Mission accomplished“ (Mission erfüllt) aufgetreten. Wenig später fiel das Land in Chaos und Terror.

Eindringlich verwies Obama auf die Eigenverantwortung des Iraks. Für das Land beginne jetzt eine neue Ära: “Der Irak hat die Chance, eine bessere Zukunft für sich selbst zu schaffen“, sagte der Präsident bei einem Truppenbesuch in Fort Bliss im US-Bundesstaat Texas. Obama räumte ein, dass es noch immer Gewalt im Irak gebe. Daher sei die Arbeit der US-Soldaten in dem Land noch nicht ganz beendet.

Hoffnungsträger Obama

Friedensnobelpreis: Obama als Hoffnungsträger

Der charismatische Barack Obama. Er schenkt der Welt neue Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Auch wenn er bis jetzt noch nicht alle Ziele erreicht hat, setzten Menschen aus aller Welt auf ihn. © DPA
Barack Obama ist der erste schwarze US-Präsident. Bereits seine Kandidatur um das höchste Amt im Land galt als Zeichen, dass die Rassenschranken in den Vereinigten Staaten immer niedriger werden. © DPA
In seiner bisherigen Amtszeit hat er sich vor allem für eine Welt ohne Atomwaffen stark gemacht und sich bemüht, das Verhältnis zu den Muslimen zu verbessern. © DPA
Obama wurde am 4. August 1961 als Sohn eines schwarzen kenianischen Austauschstudenten und einer weißen Amerikanerin auf Hawaii geboren. © DPA
Dort wuchs er die ersten Jahre auf. Nach der Trennung der Eltern heiratete die Mutter einen Indonesier, die Familie zog nach Jakarta, wo Obama bis 1971 auf die Schule ging. Danach wuchs er bei seinen weißen Großeltern in Hawaii auf. © DPA
Nach einem Politikstudium in New York, Sozialarbeit in Chicago und einem Jurastudium an der Eliteuniversität Harvard lehrte Obama an der Universität von Chicago Rechtswissenschaft - und bereitete sich auf seine politische Karriere vor. © DPA
1996 schaffte er den Sprung in den Senat des Bundesstaates Illinois, 2004 in den US-Senat in Washington. © DPA
Bereits im Februar 2007 kündigte Obama seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur an. Zunächst galt er als hoffnungsloser Außenseiter. © DPA
Wahlexperten waren überzeugt, dass Obama gegen die ehemalige First Lady Hillary Clinton keine Chance habe. Doch er überzeugte mit rhetorischer Brillanz, die die Menschen fesselte. Seine Botschaft war eingängig: “Hoffnung“, “Wandel“ und “Versöhnung“. © DPA
Am 20. Januar 2009 wurde Obama in Washington als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. In seiner ersten Rede schwor er seine Landsleute auf einen Neuanfang in Amerika ein und forderte „eine neue Ära“ von Verantwortung und Frieden. © DPA
Obama gilt als nachdenklicher, pragmatischer links-liberaler Politiker, der vor allen den ritualhaften Parteistreit un den Politikstil in Washington überwinden will. © DPA
Ein weiteres, wichtiges Ziel ist die Beschränkung des Einflusses der Lobbyisten und höhere Steuern für die Reichen. © DPA
Obama will die ZS-Truppen aus dem Irak zurückziehen, von den Europäern erwartet er aber ein stärkeres Engagement in Afghanistan. © DPA
Bei seinen Reden wirkt er überzeugend. © DPA
Seine charismatische Ausstrahlung fasziniert Menschen rund um den Globus. © DPA
Obama privat. Hier mit seiner Frau nach dem Essen zum 17. Hochzeitstag. © DPA
Obama spricht viel mit seinen Händen. Eine liebevolle Eigenschaft, die seine Worte oft unterstreicht. © DPA
Mit wenigen Worten bringt er die Umstände auf den Punkt. © DPA
Wenn Obama spricht ist alles still. © DPA
Er versteht es zu Reden. © DPA

Mit dem Ende des Kampfeinsatzes würden die USA ihr Augenmerk nun noch stärker auf Afghanistan und Pakistan legen - was den Krieg gegen den Terror einschließt. Obama bezeichnete den Krieg in Afghanistan als harten Kampf. “Es wird eine große Schufterei“, sagte er vor den Soldaten.

Die USA hatten den Irak-Krieg im März 2003 ohne UN-Mandat begonnen. Mehrere europäische Verbündete - darunter Deutschland und Frankreich - waren strikt dagegen. In der ganzen Welt gab es damals Proteste.

Offizielle Begründung für die Invasion der Verbündeten - neben den USA vor allem Großbritannien - war die Behauptung Washingtons, dass der Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Diese Waffen wurden allerdings später nicht gefunden. Zugleich machten die USA aber auch klar, das ihr Ziel auch ein “Regimewechsel“ in Bagdad sei - sie wollten die Herrschaft von Machthaber Saddam Hussein beenden.

Nach Angaben des Pentagons wurden in dem Krieg 4418 US-Soldaten getötet, etwa 32 000 seien verwundet worden. Mindestens 9500 irakische Soldaten und Polizisten kamen ums Leben. Die Zahl der getöteten irakischen Zivilisten wird mit über 112 600 angegeben.

Allerdings nimmt die Gewalt im Irak in letzter Zeit wieder deutlich zu: In der vergangen Woche kamen bei einer Terrorwelle über 70 Menschen ums Leben. Hinzu kommt politische Instabilität: Auch rund ein halbes Jahr nach der Parlamentswahl im März konnten sich die Verantwortlichen immer noch nicht auf eine neue Regierung einigen.

dpa

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