Obama setzt pakistanische Regierung unter Druck

Washington - Eine Woche nach den tödlichen Schüssen auf bin Laden will US-Präsident Obama endlich wissen, wem der Aufenthalt des Terrorchefs bekannt war. Die Regierung in Islamabad soll dabei helfen, fordert er.

US-Präsident Barack Obama verstärkt den Druck auf Pakistan. Eine Woche nach dem tödlichen Angriff auf Osama bin Laden forderte Obama die Regierung in Islamabad in einem TV-Interview auf, die Helfer des Topterroristen zu ermitteln. “Wir glauben, dass es ein Unterstützer-Netzwerk für Bin Laden in Pakistan gegeben hat“, erklärte Obama in seinem ersten langen Fernsehinterview seit dem Einsatz einer US-Spezialeinheit gegen Bin Laden auf dessen Anwesen in der pakistanischen Stadt Abbottabad.

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Unklar sei, ob Bin Ladens Helfer aus dem Kreis der Regierung stammten, sagte Obama am Sonntagabend dem Sender CBS. “Das ist etwas, was wir untersuchen müssen, und noch wichtiger: was die pakistanische Regierung untersuchen muss.“ Islamabad habe signalisiert, an der Aufklärung ein starkes Interesse zu haben. Dies sei jedoch keine Frage von drei oder vier Tagen. “Es wird uns einige Zeit kosten, die Geheiminformationen auszuwerten, die wir vor Ort sammeln konnten“, sagte Obama.

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Am Montag will sich Pakistans Premier Yousuf Raza Gilani im Parlament in Islamabad zu dem US-Einsatz gegen Bin Laden äußern. Seine Regierung ist wegen des eigenmächtigen Vorgehens der USA auf pakistanischem Territorium unter innenpolitischen Druck geraten. Gilani wird vorgeworfen, die Souveränität seines Landes nicht geschützt zu haben. Selbst aus der eigenen Volkspartei PPP gibt es Rücktrittsforderungen an ihn und Präsident Asif Ali Zardari.

Obama lobte in dem Interview die bisherige Zusammenarbeit mit den pakistanischen Behörden. “Wir haben nirgendwo soviele Terroristen getötet wie auf pakistanischem Boden, und das wäre ohne pakistanische Hilfe nicht möglich gewesen“, erklärte er. Anhand des gefundenen Materials gehe er davon aus, dass die USA die Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet besiegen könnten.

Obama: Chance bei Bin-Laden-Aktion war größer als Risiko

Zum ersten Mal sprach Obama auch öffentlich über das, was er empfand, als er den Angriff auf das Bin Laden-Versteck per Bildschirm im Situation Room des Weißen Hauses verfolgte. Dort sei es sehr still und angespannt gewesen. “Es waren die längsten 40 Minuten meines Lebens“, gab Obama zu. Nur als seine kleine Tochter Sasha im Alter von drei Monaten Meningitis hatte, sei er ähnlich angespannt gewesen. Seine erste Sorge habe den Einsatzkräften der Navy SEALs gegolten und der Frage: “Wenn ich sie reinschicke, wie kann ich sie auch wieder herausholen?“

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Die Erleichterung sei sehr groß gewesen, als die Einsatzkräfte aus dem Gebäude herauskamen und verkündeten: “Geronimo (so der Deckname Bin Ladens) ist getötet worden.“ Obama erklärte, nur die wenigsten Mitarbeiter des Weißen Hauses hätten von den Plänen gewusst - auch nicht seine Familie. Er habe die Operation angeordnet, weil er der Ansicht gewesen sei, dass die Chance, den Terroristenführer “endlich zu kriegen“ größer sei als die Risiken, erklärte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview der Sendung “60 Minutes“ des Fernsehsenders CBS. Die Chance, den Einsatz erfolgreich zu beenden, habe 55 zu 45 gestanden. Es sei nicht sicher gewesen, dass Bin Laden sich zu dem Zeitpunkt in dem Haus aufhielt.

“Es war es wert, das politische Risiko zu tragen und das Risiko für unsere Männer“, sagte Obama. Mit dem Vorwurf, dass bei der Aktion Menschen getötet worden seien, komme er klar. “So nervös ich während des ganzen Prozesses war: Die Tatsache, die mir am wenigsten den Schlaf geraubt hat, war die, dass wir Bin Laden ausgeschaltet haben.“

dpa

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