Osama bin Laden: Dschihad statt Jet-Set-Leben

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Osama bin Laden

Washington - Osama bin Laden wurde als Kind einer reichen Unternehmerfamilie geboren. Statt Jet-Set-Leben entschied er sich für den Dschihad. Das Portrait des Terror-Fürsten:

Mit den Anschlägen vom 11. September 2001 veränderte Osama bin Laden die USA für immer. Er erschütterte das Sicherheitsgefühl des mächtigsten Landes der Welt und setzte eine Kettenreaktion in Gang, die Amerika in Kriege in Afghanistan und Irak führte. Der gesamte US-Geheimdienstapparat wurde überholt, während gleichzeitig die wohl größte Menschenjagd der Geschichte in Gang gesetzt wurde. Und doch dauerte es fast zehn Jahre, bis Bin Laden schließlich gefunden wurde.

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Mit seinem Geld und seinen Predigten inspirierte Osama bin Laden die Terroranschläge vom 11. September, die 2001 fast 3.000 Menschen in New York, Washington und Pennsylvania das Leben kosteten. Doch auch für zahlreiche weitere Taten wurde seine Al-Kaida verantwortlich gemacht, darunter die Angriffe auf zwei US-Botschaften in Afrika 1998 und der Anschlag auf den US-Flugzeugträger “USS Cole“ im Jahr 2000. Bin Laden gelang es, noch aus seinem Versteck heraus eine neue Generation von Gesinnungsgenossen heranzuziehen, die in seinem Namen mordeten. Die meisten ranghohen Al-Kaida-Führer wurden in den Jahren nach den Terroranschlägen in den USA entweder gefangen genommen oder getötet. Die Geheimdienste in Europa und Asien sehen derzeit die größte Terrorgefahr in einheimischen radikalen Gruppen, die sich Bin Laden verbunden fühlen.

Die Al-Kaida rief wiederholt zum weltweiten Dschihad auf. Sie lieferte nach allgemeiner Einschätzung jedoch keine finanzielle oder logistische Unterstützung für die Gruppe nordafrikanischer Muslime, die 2004 die Bombenanschläge auf den Madrider Nahverkehr verübte. Ebenso wenig fanden sich Verbindungen zu den vier britisch-muslimischen Selbstmordattentätern, die 2005 in London 52 Menschen töteten. Aber diese Anschlägen hätte es wohl nicht gegeben, wenn Bin Laden nicht junge muslimische Radikale in der ganzen Welt gegen den Westen aufgehetzt hätte.

Sohn eines wohlhabenden Vaters

Lange bevor Osama bin Laden zum meistgesuchten Mann der Welt wurde, hätten die meisten Menschen in seinem Umfeld einen anderen Lebensweg für ihn erwartet. Bin Laden wurde 1954 als Sohn eines wohlhabenden Vaters in Saudi-Arabien geboren. Als Jugendlicher kam er in den 70er Jahren mit der fundamentalistischen Bewegung in Kontakt, die damals das Land erfasste. Er studierte islamistische Schriften und hörte Predigten in Mekka. In den 80er Jahren schloss sich Bin Laden dem Krieg der Afghanen gegen die sowjetischen Besatzungstruppen an. Er galt als mutiger und entschlossener Kommandeur. Das Vermögen seiner Familie half ihm dabei, seinen Bekanntheitsgrad unter den Kämpfern der Mudschaheddin zu steigern.

Zu dieser Zeit deckten sich Bin Ladens Interessen noch mit denen Washingtons. Die USA unterstützten den Krieg gegen die Besatzungstruppen mit Geld und Waffen. Bei seiner Rückkehr nach Saudi-Arabien wurde er mit Lob und Spendengeldern überschüttetet, er war als Prediger in Moscheen gefragt. Schon bald ging er auf Konfrontationskurs zu seinen ehemaligen Unterstützern im Westen. “Wenn wir amerikanische Waren kaufen, sind wir Komplizen bei der Ermordung von Palästinensern“, sagte er in einer seiner Reden damals.

Ausweisung aus Saudi-Arabien

Ein wegweisender Moment im Leben von Osama bin Laden kam 1990, als amerikanische Truppen auf saudiarabischem Boden landeten, um von dort aus die irakischen Soldaten aus Kuwait zu vertreiben. Bin Laden versuchte vergeblich, die Regierung zu bewegen, nicht-muslimischen Soldaten keinen Zugang zu gewähren. Er kritisierte das Königshaus und dessen enge Beziehungen zu Washington scharf. Dafür wurde ihm schließlich die Staatsbürgerschaft entzogen.

“Ich sah radikale Veränderungen in seiner Persönlichkeit, während er von einem ruhigen, friedlichen und sanftmütigen Mann, der Muslimen helfen wollte, zu einem Menschen wurde, der glaubte, er könne eine Armee aufstellen und kommandieren, um Kuwait zu befreien“, sagte der frühere saudiarabische Geheimdienstchef Prinz Turki Ende 2001 in einem Fernsehinterview. “Das zeigte seine Arroganz und seinen Hochmut.“ Trotzdem habe nichts auf seine zukünftige Entwicklung hingedeutet. Bin Laden sei ein enthusiastischer junger Mann gewesen, der wenig gesprochen habe.

Keine Angst vor dem Tod

Abdel Bari Atwan, Redakteur der in London erscheinenden arabischen Zeitung “Al-Quds al-Arabi“, erklärte, Bin Laden habe das Leiden von Millionen in der arabischen Welt angesprochen. Er habe sich als Alternative zu den arabischen Regimen präsentiert, die nicht in der Lage seien, die israelische Besetzung arabischen Bodens zu beenden und den Stolz der Menschen wiederherzustellen.

Den Tod hätten der Terrorchef und seine Anhänger nie gefürchtet. “Diese Männer sprachen über den Tod wie junge Männer darüber sprechen, in die Disco zu gehen“, erklärte Atwan weiter. “Sie haben diejenigen beneidet, die im Kampf gefallen sind, weil sie als Märtyrer für die göttliche Sachen starben.“

Trotzdem tat Bin Laden alles, um am Leben zu bleiben. Nach seiner Ausweisung aus Saudi-Arabien suchte er zunächst im Sudan Zuflucht, danach ging es weiter nach Afghanistan. Dort übernahmen im September 1996 die Taliban die Macht, und Bin Laden sicherte sich mit Geld die Unterstützung der religiösen Miliz.

Vier Ehefrauen und bis zu 23 Kinder

In seiner neuen Heimat führte Bin Laden ein bescheidenes Leben: Er stand bei Tagesanbruch auf und nahm ein einfaches Frühstück mit Käse und Brot zu sich. Fast täglich übte er mit seinen Anhängern Anschläge, warf Sprengstoff auf Ziele und schoss auf imaginäre Feinde. Er ritt gerne mit seinen Pferden aus und gab gerne den traditionellen Heiler. Er verschrieb häufig Honig, sein Lieblingsessen, und Kräuter gegen Erkältungen und andere Erkrankungen. Begleitet wurde er oft von seinen vier Ehefrauen - die maximale Zahl, die das islamische Recht erlaubt. Schätzungen zufolge soll er bis 23 Kinder gehabt haben.

Seit dem 11. September 2001 war Osama bin Laden seinen Häschern stets einen Schritt voraus. Als die Taliban unter dem Druck der US-Bombardierungen fielen, floh er in die unwirtlichen Gebirgszüge zwischen Pakistan und Afghanistan. Immer wieder meldete er sich jedoch mit Video- und Audiobotschaften zu Wort, in denen er Amerika und später auch Deutschland, Großbritannien und Frankreich drohte.

Mehrfach schien seine Festnahme kurz bevor zu stehen, doch Bin Laden gelang immer wieder die Flucht. Er schwor wiederholt, er sei bereit, für seinen Kampf zu sterben, dafür, die Israelis aus Jerusalem und die Amerikaner aus Saudi-Arabien und dem Irak zu vertreiben. “Die Amerikaner können mich nicht lebend bekommen“, sagte er einem pakistanischen Journalisten kurz nach der US-Invasion in Afghanistan. “Ich kann ausgelöscht werden, aber nicht meine Mission.“

Paul Haven, ap

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