Pentagon: Afghanistan-Einsatz nur mäßiger Erfolg

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US-Soldaten in Afghanistan.

Washington - Das US-Verteidigungsministerium zieht trotz der massiven Truppenaufstockung nur eine verhaltene Erfolgsbilanz des Afghanistan-Einsatzes während der vergangenen Monate.

Die Fortschritte im Land seien “unausgewogen“, wobei es mit Blick auf Sicherheit und Regierungsstrukturen lediglich “moderate“ Zugewinne gebe, heißt es in einem Pentagon-Bericht für den US-Kongress, der am Dienstag (Ortszeit) vorgelegt wurde. Der Report, der zweimal im Jahr erstellt wird, betrachtet den Zeitraum von April bis September.

Nach wie vor gebe es “bedeutende Herausforderungen“, allerdings zeigten sich auch “Anzeichen von Fortschritt“. So komme die Entwicklung der Region um die Hauptstadt Kabul voran. Die Wirtschaftslage bessere sich langsam. Die Zunahme der Gewalt in den vergangenen Monaten sei vor allem auf die zusätzlichen Truppen zurückzuführen, die Präsident Barack Obama entsandte.

Das ist Afghanistan

Das ist Afghanistan

Seit dem Sturz der Taliban vor acht Jahren sind Milliarden Hilfsgelder nach Afghanistan geflossen. © dpa
In dem Land am Hindukusch sind inzwischen mehr als 100.000 internationale Soldaten stationiert. © dpa
Afghanistan ist jedoch immer noch eines der korruptesten, ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt © dpa
In Afghanistan leben auf einer Fläche, die knapp doppelt so groß ist wie Deutschland, rund 33 Millionen Menschen. © dpa
Dem Entwicklungsindex (HDI) der Vereinten Nationen zufolge ist Afghanistan derzeit das zweitärmste Land der Welt. Schlechter ist die Lage nur im Niger. © dpa
Der Index berücksichtigt neben dem Einkommen auch Faktoren wie Kindersterblichkeit, Unterernährung und Bildung. © dpa
Mehr als 50 Prozent der Afghanen leben Schätzungen zufolge unter der Armutsgrenze. © dpa
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt laut Vereinten Nationen bei 44 Jahren (Deutschland: 80 Jahre). © dpa
Der Durchschnitt der ärmeren Länder liegt laut Weltbank bei 59 Jahren. © dpa
Auf dem Korruptionsindex 2009 von Transparency International ist Afghanistan weiter zurückgefallen und steht auf dem vorletzten Rang. Noch schlechter ist die Lage nur in Somalia. © dpa
Die Wirtschaftsleistung (BIP) lag laut Internationalem Währungsfonds (IWF) unter Einberechnung eines Kaufkraftausgleichs 2008 bei 21,4 Milliarden Dollar oder 760 Dollar pro Kopf. © dpa
Für 2009 rechnet der IWF mit einem BIP von 25,1 Milliarden Dollar. © dpa
Das Volumen des illegalen Opiumhandels wird von der Weltbank auf ein Drittel des regulären BIP geschätzt. © dpa
Afghanistan produziert mehr als 90 Prozent des weltweit gehandelten Opiums, woraus Heroin hergestellt wird. © dpa
Für Projekte der Entwicklungshilfe und des Wiederaufbaus sind von der Bundesregierung von 2002 bis 2010 mehr als 1,2 Milliarden Euro Hilfsgelder zugesagt. © dpa
Bis Mitte August 2009 wurden davon 830 Millionen Euro ausgezahlt. © dpa
Damit ist es das größte Empfängerland deutscher Entwicklungshilfe. © dpa

Jedoch hätten die Bemühungen, die Nachschubrouten der Taliban über Pakistan und den Iran zu unterbrechen und die dortigen Rückzugsgebiete zu verringern, “keine messbaren Ergebnisse“ erbracht. “Der Aufstand zeigt sich mit Blick auf Logistik, Kommando und Kontrolle widerstandsfähig“, befindet der Bericht weiter.

Die radikalislamischen Taliban schöpften Kraft daraus, dass die Bevölkerung bald mit dem Abzug der alliierten Truppen rechne. “Dadurch wird glaubwürdig, dass ein Sieg der Taliban unvermeidlich ist“, befindet der Report. “Die Taliban sind nicht populär, aber sie nutzen den Frust der Menschen durch eine schwache Regierung aus.“

Der Kampfeinsatz von derzeit rund 130 000 internationalen Soldaten in Afghanistan soll 2014 auslaufen. Nach einem Teil-Rückzug der Schutztruppe Isaf soll das Land am Hindukusch dann weitgehend selbst für seine Sicherheit sorgen.

Die US-Regierung will in der zweiten Dezemberhälfte ihre mit Spannung erwartete Zwischenbilanz zu Präsident Obamas neuer Afghanistan-Strategie vorlegen. Ziel des Reports sei, die Wirksamkeit des Ansatzes zu überprüfen, sagte ein hoher US-Beamter. Alternative Strategien werde er aber nicht beinhalten.

Präsident Obama hatte im Dezember 2009 seine neue Strategie für den Krieg am Hindukusch verkündet. Das US-Militär hat die Aufgabe, das Land nachhaltig zu befrieden und die Verantwortung schrittweise an die afghanische Regierung zu übergeben. Dazu schickte Obama dieses Jahr weitere 30 000 Soldaten ins Land und weitete die Drohnen- Angriffe auf mutmaßliche Taliban-Verstecke in Pakistan aus. Im Juli 2011 soll dann der Abzug der US-Truppen beginnen.

dpa

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