Plagiatsaffäre: SPD als Gewinner

Sigmar Gabriel
+
Aufwärtstrend: SPD-Chef Sigmar Gabriel zeigt an, wohin es gerade für seine Partei geht.

Hamburg - Die Plagiatsaffäre und der Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg schadet der Union. Nutznießer ist der politische Gegner: Die SPD legt in den Umfragen zu.

Die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der Wahlsieg von Olaf Scholz in Hamburg geben der SPD starken Auftrieb. Im neuen Stern-RTL-Wahltrend legten die Sozialdemokraten sprunghaft um 4 Punkte auf 27 Prozent zu. Das ist ihr bester Wert seit Anfang September 2010. Die Union sank in der Wählergunst im Vergleich zur Vorwoche um 2 Punkte auf 34 Prozent.

Die Zustimmungswerte zu den Grünen gingen nach der am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage ebenfalls um 2 Punkte auf 16 Prozent zurück. Das ist ihr schlechtester Wert seit Anfang Juni 2010. Die FDP blieb unverändert bei 5 Prozent, die Linke bei 10 Prozent. Mit zusammen 43 Prozent liegen SPD und Grüne damit wieder 4 Punkte vor dem schwarz-gelben Regierungslager (zusammen 39 Prozent).

"Copy, paste, delete": Das schreibt die Presse über Guttenberg

"Copy, paste, delete": Das schreibt die Presse über Guttenberg

Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Das “Wall Street Journal“ schreibt: “Guttenbergs Rücktritt bedeutet ernsthaften Ärger für Merkel, deren Partei von Guttenbergs Popularität unter den deutschen Wählern profitiert hat. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Ihre Christdemokraten stehen am 27. März vor schweren Wahlen in Baden-Württemberg und Guttenberg, Mitglied der verbündeten Christsozialen im benachbarten Bayern, war ein wichtiger Aktivposten.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Ähnlich sieht es die “New York Times“: “Sein Rücktritt ist ein herber Rückschlag für Kanzlerin Angela Merkel, für die Guttenberg in sechs wichtigen Regionalwahlen eine tragende Rolle spielen sollte. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Angesichts der vernichtenden Niederlage der Christdemokraten bei der Wahl in Hamburg vor zehn Tagen verließ sich die Partei darauf, dass Guttenberg Wahlkampf macht, sobald sich der Skandal einmal beruhigt hat.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Aus “NZZ-Online“: “Der Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs ist richtig, doch er kommt viel zu spät. Jetzt muss er nicht nur die Notbremse ziehen, sondern den Rückwärtsgang einlegen. © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
Indem er aber auf Feld Eins zurückkehrt, tut er sich und Deutschland den größten Gefallen.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
 © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“Daily Mail“: “Dr Googleberg tritt als Verteidigungsminister zurück.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
 © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“Der kampfbereite einstige 'golden boy' der konservativen Politik legte heute Morgen sein Amt nieder.“ © dpa
Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenberg Pressestimmen
“The Daily Telegraph“: “Die Deutschen haben Recht, wenn sie die akademischen Ehren ernst nehmen.“ “Die Nachricht des Rücktritts ist zu begrüßen.“ © dpa
"Dernières Nouvelles d'Alsace": “Ein Minister, der zurücktritt: Diesmal handelt es sich nicht um Frankreich, sondern um Deutschland, wo eine Doktorarbeit, die bis zu 70 Prozent aus Plagiaten bestehen soll, dem aufsteigenden Stern am politischen Himmel, Karl-Theodor zu Guttenberg, seinen Posten und womöglich seine Karriere kostet. © dpa
Der Fall von “KT“ sorgt für gewisse Zufriedenheit und sogar Schadenfreude, auch in seinen eigenen Reihen! (...) © dpa
Die "Neue Zürcher Zeitung" titelt "Ende Gutt, alles gut?" und schreibt: © dpa
“Vielleicht liegt die tiefere Tragik des Falles Guttenberg, der die deutschsprachige Öffentlichkeit seit zwei Wochen in Atem gehalten hat, darin, dass man erst jetzt, nach dem Rücktritt des deutschen Verteidigungsministers, auch so etwas wie Respekt für die Hauptperson empfinden kann. (...) © dpa
"La Repubblica" bemängelt: “Es treten immer die Minister der anderen zurück. Als erstes denkt ein anständiger Italiener jetzt dieses: Liebe deutsche Freunde, gebt uns euren (Ex-)Verteidigungsminister, der abgeschrieben hat, und nehmt euch dafür unseren (Verteidigungsminister) Ignazio La Russa, der nicht abschreibt. © dpa
"Copy, paste, delete": So titelt die "Basler Zeitung und meint: “Der Rücktritt von Verteidigungsminister Guttenberg in der Copy- Paste-Affäre ist der Sturz eines jugendlichen Helden. (...) Der Rücktritt ist ferner das Märchen eines adeligen Schönlings, der finsteren Mächten und bösen Neidern zum Opfer fällt." © dpa
Für "nicht abgeschrieben" hält die russische Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" zu Guttenberg: © dpa
(...) "Letztenendes war die politische Karriere von Karl-Theodor zu Guttenberg eine Fehlzündung. Doch er ist erst 39 Jahre alt, und der Baron ist in konservativen Kreisen nicht abgeschrieben, nicht nur in seinem Heimatland Bayern.“ © dpa
Die Turiner Tageszeitung “La Stampa“ meint am Mittwoch zum Rücktritt: “In Deutschland kann kein Minister ungestraft lügen, auch nicht in einer (scheinbar) privaten Frage. © dpa
Dabei hat Kanzlerin Angela Merkel im Zuge dieser ganzen Sache keine “bella figura“ gemacht. Durchgesetzt hat sich vielmehr der Protest eines wesentlichen Teils der Zivilgesellschaft und der Medien. Die Regierung scheint erschüttert, steckt das aber ein: So funktioniert eine Demokratie.“ © dpa

Der Rücktritt des Verteidigungsministers war zum Zeitpunkt der Umfrage allerdings noch nicht bekannt; die Befragung wurde in der Zeit vom 21. bis zum 25. Februar durchgeführt.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem “Stern“, der Mitte-Kurs des Hamburger SPD-Wahlgewinners Scholz habe der Partei bundesweit viele frühere Wähler zurückgebracht. Die Union habe sich trotz der Niederlage in Hamburg zunächst behauptet. Nachdem die Universität Bayreuth Guttenberg aber den Doktortitel entzogen habe, seien die Werte für die Union eingebrochen. Ende der Woche habe sie sogar nur bei 32 Prozent gelegen.

“Auch wenn viele Bürger einen Rücktritt des Verteidigungsministers ablehnten, so führte die Affäre doch zu Irritationen und Schocks bei der eigenen Klientel“, sagte Güllner.

dpa

Meistgelesene Artikel

Ukraine lehnt Waffenstillstand ab und stellt finale Forderung an Russland
POLITIK
Ukraine lehnt Waffenstillstand ab und stellt finale Forderung an Russland
Ukraine lehnt Waffenstillstand ab und stellt finale Forderung an Russland
Wulff-Prozess: Zeugin verrät heikle Details
POLITIK
Wulff-Prozess: Zeugin verrät heikle Details
Wulff-Prozess: Zeugin verrät heikle Details
Aktuelle Umfrage: AfD stürzt in Wählergunst ab
POLITIK
Aktuelle Umfrage: AfD stürzt in Wählergunst ab
Aktuelle Umfrage: AfD stürzt in Wählergunst ab
Hartz IV: Westerwelle kontert Kritik
POLITIK
Hartz IV: Westerwelle kontert Kritik
Hartz IV: Westerwelle kontert Kritik

Kommentare