Polizei zieht bittere Bilanz 2010

Berlin - Fußballspiele, Terrorgefahr, Stuttgart 21, Rockerkrieg oder Loveparade: Die Polizeigewerkschaft zieht eine bittere Bilanz für 2010. Die Einsatzbelastung hätte alle Grenzen gesprengt.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sieht mit Verbitterung auf das Jahr 2010 zurück. Die Einsatzbelastung sprenge alle Grenzen. Immer mehr Beamte seien empört und fühlten sich von der Politik im Stich gelassen, erklärte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt am Mittwoch in Berlin. Statt echter Anerkennung gebe es aus der Politik nur leere Worte. Im Gegenteil beschließe die Politik noch Einkommenskürzungen und Personalabbau. “Das versteht niemand mehr.“

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Wendt verwies auf die vielen Fußballeinsätze, den 1. Mai und andere Großdemos, Loveparade und Rockerkriminalität, den Castor-Großeinsatz, “Stuttgart 21“ und Terrordrohungen. Dauerhaft seien zudem Hunderte Polizisten gebunden zur Bewachung entlassener Häftlinge in Sicherungsverwahrung, und noch immer beschützten Polizisten Flughäfen, Bahnhöfe und Weihnachtsmärkte, weil die Terrorwarnungen noch gelten. Sein Fazit: “Die Belastung hat alle bisher gekannten Grenzen gesprengt.“

Schon die tägliche Routine der Streifenbeamten, also häusliche Gewalt, sturzbetrunkene Kinder, ausrastende Jugendliche und kriminelle Banden, sei kaum noch adäquat zu bewältigen. Viele Schichtdienstbeamte seien weit älter als 50 Jahre und litten unter schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen - “ohne Aussicht auf Ersatz durch Jüngere“.

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Noch dramatischer sieht es nach Wendts Bilanz bei den Großeinsätzen aus. “Zigtausende Polizisten sind quer durchs Land unterwegs, um eine Politik durchzusetzen, die von der Bevölkerung kaum noch verstanden geschweige denn akzeptiert wird.“

Wendt warnte, der Personalabbau, vor allem in Ostdeutschland, werde sich ungebremst fortsetzen. “Die Bevölkerung wird sich also zusehends auf lange Wartezeiten einstellen müssen, etwa nach einem Verkehrsunfall, einem Wohnungseinbruch oder Sachbeschädigung. Deutschland ist ein sicheres Land, aber die Politik tut vieles daran, diesen Standortvorteil zu verspielen.“

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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