Prozess: „Systematisches Bordell“ für Berlusconi

Mailand - In der Sexaffäre „Ruby“ haben Mailänder Staatsanwälte schweres Geschütz gegen Vertraute des Regierungschefs Berlusconi aufgefahren. Der Vorwurf: Sie sollen Callgirls an den Regierungschef vermittelt haben.

Die Vertreter der Anklage verlangten am Montag, gegen das Trio offiziell einen Prozess wegen Begünstigung der Prostitution zu eröffnen. Es habe ein ausgeklügeltes System gegeben, um die wilden Partys in Berlusconis Villa bei Mailand “mit Mädchen zu beliefern, die zur Prostitution bereit gewesen sind“, argumentierten sie. Staatsanwalt Pietro Forno sprach von einem systematisch aufgezogenen “Bordell“, das die Wünsche des 74-jährigen Berlusconi habe befriedigen sollen. In dem Vorverfahren geht es darum, ob ein Prozess wegen Beihilfe zur Prostitution auch minderjähriger Mädchen gegen den Fernseh-Nachrichtenchef Emilio Fede, die Regionalpolitikerin Nicole Minetti und den Showmanager Lele Mora eingeleitet wird. Sie sollen etliche Callgirls vermittelt und bezahlt haben.

Bunga Bunga ist überall - Sexaffären prominenter Männer

Sexaffären machen prominenten Männern seit eh und je zu schaffen. Von Bill Clinton über Silvio Berlusconi bis zu Wikileaks-Gründer Julian Assange. Klicken Sie sich durch: © dpa
In die Geschichte eingegangen ist Bill Clintons Satz: “I did not have sexual relations with that woman“ - ich habe keine sexuelle Beziehung zu dieser Frau gehabt, so beteuerte der damalige US-Präsident seine Unschuld. Dass Monica Lewinsky aber viel mehr als nur eine Praktikantin im Weißen Haus war, konnte die Öffentlichkeit dann en détail erfahren. Der Seitensprung im Oval Office mündete in einem Amtsenthebungsverfahren, das scheiterte. Clintons Ansehen hat die Lewinsky-Affäre langfristig wenig geschadet. © ap
Anders sieht das bei Italiens Regierungschef Berlusconi aus. Dessen Triebe halten zwar die Welt bei Laune, dem Image Italiens schaden die Enthüllungen über wilde “Bunga Bunga“-Sexpartys allerdings enorm. Berlusconi wird nicht nur als lüsterner Greis verspottet. Seit April steht er wegen der Affäre um die Prostituierte “Ruby“ vor Gericht. Der Ausgang von “Rubygate“ ist ungewiss. © dpa
Nur selten endet es für die mächtigen Männer im Gefängnis. Eine Ausnahme ist der Fall des israelischen Ex-Präsidenten Mosche Katzav, der wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen im März zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. © dpa
Wikileaks-Gründer Julian Assange wehrt sich seit Monaten gegen eine Auslieferung an Schweden, wo er ungeschützten Sex mit zwei Frauen gehabt haben soll. Er sieht eine Verschwörung gegen sich wegen seines Enthüllungsportals Wikileaks. © dpa
Doch nicht nur in der Politik, auch im Showgeschäft, im Sport und in der Wirtschaft scheint die Sexaffäre die unverwüstliche Begleiterin der Macht zu sein: Bei VW ließen sich Betriebsräte Prostituierte vom Konzern bezahlen - das Unternehmen hatte deshalb eine handfeste Krise durchzustehen. © dpa
Golfer Tiger Woods opferte nicht nur seine Ehe sondern auch seine Karriere für seine Sexlust. © Getty
Starregisseur Roman Polanski soll in den 70er Jahren eine Minderjährige zum Sex verführt haben. In der Schweiz stand er erst kürzlich im Zusammenhang mit dem Fall unter Hausarrest. © dpa
Und Jörg Kachelmann ist nicht mehr der witzige Wettermoderator, seit er wegen Vergewaltigungsvorwürfen auf der Anklagebank am Landgericht Mannheim sitzt. © dpa
Frauen scheinen ihre Triebe dagegen eher im Griff zu haben - oder sie sind schlicht diskreter. Doch auch hier gibt es Fälle. So etwa Iris Robinson, die Frau des nordirischen Ministerpräsidenten, die sich von einem Teenager hinreißen ließ. Ausbaden musst es allerdings vor allem ihr Mann: Peter Robinson musste vorübergehend sein Amt abgeben. © dpa

Das von dem Prozess gegen Berlusconi abgetrennte Verfahren ist noch im Vorstadium. Die Beschuldigten erschienen am Montag nicht vor Gericht. Der Prozess gegen den 74-jährigen Regierungschef wegen Sex mit minderjährigen Prostituierten und Amtsmissbrauchs ist bisher auch nach drei Anhörungen nicht vom Fleck gekommen. Die Anwälte des Medienunternehmers und Milliardärs haben nicht weniger als 16 Einsprüche vorlegt, das Gericht will darüber am 18. Juli entscheiden. Danach dürfte dieser Prozess auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben werden.

dpa

Rubriklistenbild: © AP

Auch interessant

Meistgelesen

EU beschließt Reaktionspaket zur Hongkong-Krise
EU beschließt Reaktionspaket zur Hongkong-Krise
Noch viel zu tun beim Ausbau der Stromnetze
Noch viel zu tun beim Ausbau der Stromnetze
Trump lamentiert über Corona-Umfragewerte
Trump lamentiert über Corona-Umfragewerte
US-Präsident Trump nominiert neuen Botschafter für Berlin - Gewagte These über Nato und Russland
US-Präsident Trump nominiert neuen Botschafter für Berlin - Gewagte These über Nato und Russland

Kommentare