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Nach Raketeneinschlag: Polen will Flugabwehrsystem aus Deutschland in Ukraine verlegen

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Von: Patrick Mayer, Bedrettin Bölükbasi, Stephanie Munk, Mark Stoffers, Franziska Schwarz, Fabian Müller

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In Polen schlug an der Grenze zur Ukraine eine Rakete ein, zwei Menschen starben. Deutschland will bei der Luftabwehr mit „Patriots“ helfen. Der News-Ticker.

Update vom 24. November, 12.09 Uhr: Nach dem Einschlag einer Rakete in polnisch-ukrainisches Grenzgebiet hat Deutschland dem Nato-Partner Unterstützung bei der Luftabwehr angeboten. Deutschland will Polen Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot liefern, zudem soll die Luftwaffe die Luftraumüberwachung mit Eurofightern unterstützen.

Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki hat sich nun dafür ausgesprochen, die von Deutschland angebotenen Flugabwehrsysteme direkt in der Ukraine zu stationieren. Dies sei ein guter Vorschlag, um zugleich „das westliche ukrainisch-polnische Grenzgebiet und das östliche polnisch-ukrainische Grenzgebiet“ zu schützen, sagte Morawiecki.

Das deutsche Luftabwehrsystem Patriot, aufgenommen in der Ausbildungsstellung des Flugabwehrraketengeschwaders in Mecklenburg-Vorpommern.
Das deutsche Luftabwehrsystem Patriot, aufgenommen in der Ausbildungsstellung des Flugabwehrraketengeschwaders in Mecklenburg-Vorpommern. © imago stock&people

Zuvor hatte bereits Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak die Stationierung in der Ukraine angeregt. „Dies würde es ermöglichen, die Ukraine vor weiteren Opfern und Stromausfällen zu bewahren und die Sicherheit an unserer Ostgrenze zu erhöhen“, schrieb er auf Twitter. Auch der Chef der nationalkonservativen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, sagte, „für die Sicherheit Polens“ wäre es besser, wenn die Deutschen die Patriots der Ukraine überließen.

Die Militärführung in der Ukraine ist für den Vorschlag. „Warum sollten sie in Polen stehen? Man kann sie im westlichen Teil der Ukraine aufstellen“, sagte Luftwaffensprecher Jurij Ihnat am Donnerstag (24. November) im Fernsehen. Damit würde Europa seinen Luftraum schon im Vorfeld schützen, argumentierte der ranghohe ukrainische Militärvertreter. Die Patriot-Raketen hätten eine Reichweite von 150 Kilometern und ihre Treffsicherheit sei umso höher, je näher das Ziel sei, sagte er. Zusammen mit den schon bestehenden Luftabwehrsystemen S-300, Buk sowie Jagdgeschwadern der ukrainischen Luftwaffe könnten sie die Sicherheit am Himmel deutlich verbessern, meinte Ihnat.

Raketeneinschlag in Polen: Ukraine will an Ermittlungen teilnehmen – Russland gibt Westen die Schuld

Update vom 18. November, 14.33 Uhr: Nach dem Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet verhandeln Polen und die Ukraine derzeit über die Einsetzung einer internationalen Ermittlergruppe. Das sei eine von zwei Möglichkeiten, ukrainische Spezialisten an den Untersuchungen am Absturzort zu beteiligen, sagte der Chef des Büros für Nationale Sicherheit beim polnischen Präsidenten, Jacek Siewiera, dem Sender TVN24.

Der Ukraine sei bereits am Mittwoch in einem Schreiben mitgeteilt worden, dass die polnische Seite die Anwesenheit von Vertretern der ukrainischen Verwaltung an der Einschlagsstelle gestatte, sagte Siewiera. Für eine aktive Beteiligung an den Ermittlungen gebe es zwei juristische Wege. Entweder könne die Ukraine ein internationales Rechtshilfe-Ersuchen stellen oder Polens Generalstaatsanwalt eine internationale Ermittlergruppe einsetzen. „Derzeit hat die ukrainische Seite keinen Rechtsbeistand beantragt; es laufen Gespräche – vielleicht sind sie schon abgeschlossen – über eine internationale Gruppe“, sagte Siewiera.

Raketeneinschlag in Polen: Beteiligung von ukrainischen Spezialisten an Vorschriften gebunden

Update vom 17. November, 17.33 Uhr: Eine Beteiligung ukrainischer Spezialisten an den Ermittlungen zum Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet ist nach Aussage von Polens Präsident Andrzej Duda an die Vorschriften der internationalen Rechtshilfe gebunden. „Wenn Gäste aus der Ukraine die laufenden Ermittlungen anschauen möchten, dann wird es möglich sein, ihnen das zu zeigen, so wie es mir heute gezeigt wurde“, sagte Duda am Donnerstag nach einem Besuch an der Einschlagsstelle in dem Dorf Przewodow. „Aber wenn es um die aktive Teilnahme an den Ermittlungen geht, um den Zugang zu Dokumenten, zu Informationen, dann bedarf es schon spezifischer vertraglicher Grundlagen im Sinne des internationalen Rechts und internationaler Abkommen.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor gesagt, Fachleute aus seinem Land dürften an der Untersuchung teilnehmen. Dazu sei die entsprechende Bestätigung aus Polen gekommen, sagte der Staatschef. Duda äußerte sich nicht explizit dazu, ob Polen nun grünes Licht gegeben habe oder nicht.

Die Chefin der polnischen Präsidialkanzlei, Grazyna Ignaczak-Bandych, sagte dem Internetportal I.pl, man könne „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ sagen, dass die Ukrainer den Untersuchungsort „besichtigen“ dürften. Sie fügte hinzu, dass an den Ermittlungen auch die Amerikaner beteiligt seien. Die Untersuchung müsse „so objektiv wie möglich“ verlaufen, es dürften keine Fehler passieren.

Raketeneinschlag in Polen: Russland gibt Westen die Schuld

Update vom 17. November, 12.40 Uhr: Angesichts des Raketeneinschlags in Polen hat der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow die „Feinde“ Russlands attackiert. „Wir verstehen, dass unsere Feinde nach einem Vorwand suchen, um den Druck zu erhöhen und dem Pfad der Eskalation zu folgen“, sagte er laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. Man würde in einer „absurden und sturen“ Art und Weise versuchen, Russland für den Vorfall verantwortlich zu machen.

Sowohl die USA als auch Polen und die NATO haben inzwischen erklärt, dass es sich sehr wahrscheinlich um eine ukrainische Luftabwehrrakete handelt. Dennoch sehen vor allem die USA die Schuld bei Russland – wegen der Angriffe auf die Ukraine. Rjabkow betonte nun, Russland werde weiterhin „geduldig“ erklären, wer die Verantwortung trägt. In einem Exkurs ins Jahr 2014 unterstrich er zudem: „Ohne die Beteiligung westlicher Länder am Putsch in der Ukraine wäre vieles, was passiert ist, nicht geschehen.“

Duda-Berater nennt Beweise für ukrainische Rakete — „können Ukraine Zugang gewähren“

Update vom 17. November, 10.25 Uhr: Nach dem Raketeneinschlag im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine hat Warschau Bereitschaft signalisiert, ukrainischen Spezialisten den Zugang zum Untersuchungsort zu gewähren. Dort arbeite derzeit ein Team aus polnischen und amerikanischen Ermittlern, sagte der außenpolitische Berater von Präsident Andrzej Duda, Jakub Kumoch, dem Sender TVN24.

„Wenn beide Seiten einverstanden sind - und soweit ich weiß, gibt es von amerikanischer Seite keine Einwände - kann dieser Zugang bald gewährt werden“, so Kumoch. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gefordert, Fachleute aus seinem Land zu beteiligen.

„Niemand wirft der Ukraine vor, dass sie wissentlich polnisches Territorium bombardiert hat“, betonte Kumoch zudem. Vieles deute darauf hin, dass eine ukrainische Flugabwehrrakete ihr Ziel verfehlt und zu einem Unfall geführt habe. Die Trümmer der Rakete und die Tiefe des Trichters, den sie bei ihrem Aufprall verursacht habe, würden das beweisen. „Die Experten berechnen die Richtung, aus der die Rakete kam, sogar die Menge des verbrauchten Treibstoffs und damit das Gebiet, aus dem sie gestartet worden sein könnte. Das ist eine rein technische Feststellung“, sagte der Präsidentenberater. 

Raketeneinschlag in Polen: Ziemiak spricht über polnische Ängste im Ukraine-Krieg

Update vom 16. November, 10 Uhr: Die in Polen eingeschlagene Rakete war offenbar eine verirrte ukrainische Luftabwehrrakete. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und frühere Generalsekretär Paul Ziemiak erklärte im Gespräch mit Merkur.de die Ängste von Polen im Ukraine-Krieg.

Raketeneinschlag in Polen: Diplomat attackiert Selenskyj – „Zerstörischer als die Rakete“

Update vom 16. November, 8.40 Uhr: Der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich sicher, dass die Rakete, die in Polen eingeschlagen ist, nicht der Ukraine gehört. Das steht allerdings in Widerspruch zu den Einschätzungen der Nato. Ein Diplomat eines nicht genannten Bündnismitglieds brachte gegenüber der britischen Zeitung Financial Times nun den Unmut darüber zum Ausdruck.

„Das wird lächerlich“, sagte der Diplomat der Zeitung. Die Ukrainer würden „unser Vertrauen in sie zerstören“. Der Beamte erklärte: „Niemand beschuldigt die Ukraine und sie lügen offen.“ Dies sei „zerstörerischer als die Rakete“. Die Ukraine fordert eine Beteiligung an den Untersuchungen zum Raketeneinschlag.

Raketeneinschlag in Polen: USA sehen Verantwortung bei Russland

Update vom 16. November, 7.45 Uhr: Sowohl die Nato als auch Polen gehen nun davon aus, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ukrainische Flugabwehrrakete in Polen gelandet ist. Für einen Angriff durch Russland gebe es keine Hinweise. Die USA sehen dennoch weiter Russland in Verantwortung, erklärte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, Adrienne Watson, in einer Pressemitteilung.

Schließlich habe Russland Raketenangriffe auf die Ukraine gestartet, um zivile Infrastruktur ins Visier zu nehmen, hieß es von der Sprecherin. Dagegen habe die Ukraine ein Recht auf Selbstverteidigung. So trage Moskau die Verantwortung für den „tragischen Vorfall“, erklärte Watson.

Raketeneinschlag in Polen: Selenskyj besteht auf russischer Rakete

Update vom 16. November, 22.45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beharrt darauf, dass das Geschoss in Polen eine russische Rakete gewesen sei - und keine Flugabwehrrakete der Streitkräfte seines Landes.

Ungarn kritisierte die Äußerungen des ukrainischen Staatschefs als unverantwortlich. „In einer solchen Situation äußern sich weltweit führende Politiker verantwortungsbewusst“, sagte Gergely Gulyas, Stabschef des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, am Mittwoch: „Der ukrainische Präsident hat sich geirrt, als er sofort die Russen beschuldigte. Das ist ein schlechtes Vorbild.“

Tödliche Rakete in Polen: Kanzler Scholz sieht Russland mit in der Verantwortung

Update vom 16. November, 22.20 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich ein weiteres Mal zum tödlichen Raketeneinschlag in Polen geäußert.

„Klar ist, dass wir jetzt sehr vorsichtig sein müssen. Es dürfen keine Gerücht darüber entstehen, wessen Rakete es war, die da eingeschlagen ist“, sagte der Sozialdemokrat im Interview mit dem „heute journal“ des ZDF. Scholz meinte am Rande des G20-Gipfels in Bali: „Es (der Raketeneinschlag, d. Red.) würde nicht stattfinden, wenn es nicht den furchtbaren Krieg Russlands gegen die Ukraine gäbe.“ Gut sei, sagte der Hanseate, „dass ich den sicheren Eindruck gewonnen habe, dass alle besonnen sind. Das ist notwendig angesichts des Krieges“.

Nach Raketeneinschlag in Polen: US-Verteidigungsminister Austin nimmt die Ukraine in Schutz

Update vom 16. November, 21.15 Uhr: Nach dem tödlichen Einschlag einer mutmaßlich ukrainischen Rakete in Polen hat US-Verteidigungsminister Lloyd Austin die Ukraine in Schutz genommen. „Die Welt weiß, dass letztlich Russland die Verantwortung für diesen Vorfall trägt“, sagte Austin am Mittwoch im Pentagon. Russland habe am Vortag eine Reihe von Raketen abgefeuert, um zivile Infrastruktur in der Ukraine zu treffen.

„Die Ukraine hat ein felsenfestes Recht, sich zu verteidigen“, sagte Austin. „Und wir werden weiterhin solidarisch an der Seite des ukrainischen Volkes stehen, während es sein Land verteidigt.“

Beim Einschlag einer Rakete in Polen unweit der Grenze zur Ukraine waren am Dienstag zwei Menschen getötet worden. Nach vorläufigen Erkenntnissen der polnischen Regierung und der Nato handelte es sich nicht wie zunächst vermutet um ein russisches Geschoss, sondern um eine ukrainische Luftabwehrrakete. Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte, sein Land gehe von einem „unglücklichen Unfall“ mit einem ukrainischen Querschläger aus.

„Wir sammeln noch Informationen“, sagte Austin am Mittwoch. „Aber wir haben nichts gesehen, was der vorläufigen Einschätzung von Präsident Duda widersprechen würde, dass diese Explosion höchstwahrscheinlich die Folge einer ukrainischen Flugabwehrrakete war, die bedauerlicherweise in Polen gelandet ist.“ Zugleich hob der Pentagon-Chef hervor, dass die von den USA unterstützten Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Przewodow an der polnisch-ukrainischen Grenze: Hier soll am Dienstagabend (15. November) eine Rakete eingeschlagen sein.
Przewodow an der polnisch-ukrainischen Grenze: Hier soll am Dienstagabend (15. November) eine Rakete eingeschlagen sein. © IMAGO / Russian Look

Ukrainische Flugabwehrrakete in Polen? Präsident Wolodymyr Selenskyj zweifelt Version Warschaus an

Update vom 16. November, 20.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat angezweifelt, dass es sich bei dem Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet um ein ukrainisches Geschoss gehandelt haben soll. „Kann man Fakten oder irgendwelche Beweise von den Partnern erhalten?“, fragte der 44-Jährige am Mittwoch vor Journalisten in einem im Fernsehen ausgestrahlten Interview. Der Staatschef forderte den Einsatz einer gemeinsamen Untersuchungskommission und Zugang zu den vorhandenen Daten. Westliche Staaten gehen derzeit davon aus, dass eine Rakete der ukrainischen Luftabwehr hinter der Explosion steckte.

„Ich denke, dass es eine russische Rakete war - gemäß dem Vertrauen, das ich zu den Berichten der Militärs habe“, unterstrich Selenskyj. Den ukrainischen Daten zufolge passe von insgesamt 25 russischen Raketenschlägen auf die Westukraine eine zeitlich mit dem Einschlag in Polen zusammen. Zudem stellte er die Frage: „Kann ein Krater mit einem Durchmesser von 20 Metern und einer Tiefe von fünf Metern durch Trümmer verursacht worden sein oder nicht?“

Sollte sich trotz seiner Zweifel herausstellen, dass eine ukrainische Rakete für den Tod von zwei Polen verantwortlich war, stellte Selenskyj eine Entschuldigung in Aussicht. Darüber hinaus betonte er, die Ukraine sei die „reale Luftabwehr von ganz Osteuropa“. Dies werde von den Partnern nicht genug gewürdigt. Am Dienstag hatte Russland die Ukraine erneut mit Raketenangriffen überzogen - darunter auch Gebiete unweit der Grenze zum Nato-Land Polen. Am Abend gab es dann Berichte über zwei Tote in einem Dorf auf polnischer Seite. Aus Warschau hieß es am Mittwoch, es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische Flugabwehrrakete.

Präsident der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj.
Präsident der Ukraine: Wolodymyr Selenskyj. © IMAGO / ZUMA Wire

Tödlicher Raketeneinschlag in Polen: Litauen versetzt Streitkräfte in höhere Einsatzbereitschaft

Update vom 16. November, 18.15 Uhr: Litauen hat nach dem tödlichen Raketeneinschlag in Polens Grenzgebiet zur Ukraine einen Teil seiner Streitkräfte in höhere Einsatzbereitschaft versetzt. Nach Angaben der Sprecherin von Armeechef Valdemaras Rupsys sei der Bereitschaftsgrad der Einheiten zur Luftverteidigung erhöht worden. Damit sei die Reaktionszeit verkürzt worden, um auf potenzielle Bedrohungen zu reagieren und die vorgegebenen Aufgaben auszuführen, sagte sie der Agentur BNS am Mittwoch, ohne nähere Angaben zu machen.

Darüber hinaus will Litauen seine Verteidigungsausgaben im kommenden Jahr weiter erhöhen. Die Regierung in Vilnius passte am Mittwoch den Haushaltsentwurf für 2023 an, um eine Erhöhung des Militäretats auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu ermöglichen. Finanziert werden sollen die zusätzlichen Mittel durch Kreditaufnahme, sagte Finanzministerin Gintare Skaiste einem Bericht der Agentur BNS zufolge bei der Kabinettssitzung. Voraussetzung dafür sei, dass das Haushaltsdefizit des baltischen EU- und Nato-Landes dadurch nicht 4,9 Prozent des BIPs übersteige. 

Litauen hatte im Frühjahr unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seine Verteidigungsausgaben für dieses Jahr deutlich erhöht – von 2,05 auf 2,52 Prozent des BIP. Im Herbst wurden dann weitere zusätzliche Geldmittel aus dem Haushalt für den Schutz des Landes zugewiesen. Über das Budget für 2023 wird gegenwärtig im Parlament in Vilnius debattiert. Litauen grenzt an die russische Exklave Kaliningrad und an Russlands Verbündeten Belarus. Der Krieg in der Ukraine wird in dem Baltenstaat als direkte Gefahr für die nationale Sicherheit gesehen.

Das transatlantische Verteidigungsbündnis Nato hat an seiner Ostflanke seit 2017 in dem baltischen Land eine sogenannte Battlegroup unter Führung der deutschen Bundeswehr stationiert. In den Gefechtsverband sind momentan rund 1600 Soldatinnen und Soldaten aus mehreren Mitgliedsstaaten integriert. Darunter sind aktuell etwa 1000 bis 1200 Frauen und Männer der Bundeswehr, ausgerüstet unter anderem mit schweren Leopard-2-Kampfpanzern und Panzerhaubitzen 2000. Die Battlegroup ist in Rukla rund 110 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt stationiert.

Nato-Ostflanke in Litauen: Deutsche und belgische Soldaten bei der Übung „Iron Wolf II“.
Nato-Ostflanke in Litauen: Deutsche und belgische Soldaten bei der Übung „Iron Wolf II“. © Alexander Welscher/dpa

Gespräche mit Polen: Litauen unterstützt Aufnahme von Nato-Konsultationen nach Artikel 4

Update vom 16. November, 17.15 Uhr: Litauen unterstützt nach dem tödlichen Raketentreffer in Polens Grenzgebiet zur Ukraine die Aufnahme von Nato-Konsultationen nach Artikel 4. „Polen wird heute die Aktivierung von Artikel 4 der Nato beantragen. Litauen wird diese Position zweifellos unterstützen“, sagte Staatspräsident Gitanas Nauseda an diesem Mittwoch in Vilnius unter Berufung auf ein Gespräch mit seinem polnischen Kollegen Andrzej Duda. Außenminister Gabrielius Landsbergis äußerte sich ähnlich. „Soweit ich weiß, fordert Polen Artikel 4 und wir unterstützen ihn natürlich, wir stehen voll und ganz in Solidarität mit Polen“, sagte er litauischen Medien zufolge.

Artikel 4 des Nordatlantikvertrags sieht Konsultationen vor, wenn ein Mitglied meint, dass die Unversehrtheit des eigenen Territoriums, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sind. „Litauen wird sich aktiv an der Diskussion beteiligen und über den Einsatz von Luftverteidigungssystemen sprechen, vor allem an der polnischen Grenze zur Ukraine. Aber wir schauen weiter, wir betrachten die gesamte Nato-Ostflanke“, betonte Nauseda nach einer Sondersitzung in Litauen zur Sicherheitslage der Region.

Der Staatschef des baltischen EU- und Nato-Landes bezeichnete den Raketeneinschlag in Polen als „ziemlich wichtige neue Etappe in diesem Krieg“. „Russland aggressive Aktionen, sein Krieg gegen die Ukraine, haben bereits dazu geführt, dass Raketen in Nato-Gebiet eingeflogen sind und Menschen, die in Nato-Staaten leben, getötet wurden“, sagte Nauseda. „Dies ist eine neue Phase in der Eskalation des Konflikts, auf die die Nato-Staaten, die Nato insgesamt, angemessen reagieren müssen.“

Auch wenn die Untersuchung des Vorfalls in Polen noch andauere, besteht nach Ansicht von Nauseda ein „kausaler Zusammenhang“ zwischen den Explosionen in Polen und den russischen Angriffen auf der Ukraine. „Russland wählt bewusst den Weg der Eskalation und versucht bewusst, die zivile Infrastruktur der Ukraine zu zerstören“, sagte er. Daher könnten sich ähnliche Vorfälle in der Zukunft wiederholen.

Dies ist eine neue Phase in der Eskalation des Konflikts, auf die die Nato-Staaten, die Nato insgesamt, angemessen reagieren müssen.

Litauens Staatspräsident Gitanas Nauseda

Nach Raketeneinschlag in Polen: Russlands Außenamtssprecherin Sacharowa macht sich lustig

Update vom 16. November, 15.30 Uhr: Russlands Außenamtssprecherin Maria Sacharowa hat sich über den tödlichen Raketeneinschlag in Polen lustig gemacht. Die Ukraine habe immer in die Nato eintreten wollen, nun sei sie mit Gewalt eingedrungen – mit einer S-300, griff die Sprecherin von Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch auf ihrem Telegram-Kanal einen Witz auf, der zuvor bereits in sozialen Medien kursierte. Anschließend forderte sie Polen zu einer Entschuldigung auf.

„Der Präsident Polens hat den Absturz der Rakete einen „Unglücksfall“ genannt.“ Zuvor hätten polnische Politiker jedoch „Hysterie“ verbreitet, sich zu „russophoben Ausfällen“ hinreißen lassen und den russischen Botschafter gegen Mitternacht einbestellt. Dafür solle sich Warschau entschuldigen, schrieb Sacharowa.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow und seine Sprecherin Maria Sacharowa.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow und seine Sprecherin Maria Sacharowa. © IMAGO / SNA

Nato geht von ukrainischem Raketeneinschlag aus – Kiew: „Allein Russland verantwortlich“

Update vom 16. November, 14.55 Uhr: Die Nato geht von einem ukrainischen Raketeneinschlag in Polen aus. Nach vorläufigen Nato-Erkenntnissen hat eine ukrainische Luftabwehrrakete die Explosion verursacht, wie Bündnis-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch nach einer Dringlichkeitssitzung der Mitgliedsländer mitteilte. Dennoch gab die Nato Russland wegen seines Angriffskriegs auf die Ukraine eine Mitverantwortung für den Vorfall. Die Ukraine wiederum machte allein Russland für die zwei Toten verantwortlich.

„Für die steigenden Risiken in angrenzenden Ländern ist allein Russland verantwortlich“, schrieb der Berater im ukrainischen Präsidentenamt, Mychajlo Podoljak, am Mittwoch auf Twitter. Auch die ukrainische Luftwaffe äußerte sich: „Die Luftstreitkräfte haben einen Luftangriff abgewehrt. Was weiter geschah, ob es eine russische Rakete oder die Trümmer von zwei Raketen waren, dafür muss man nachschauen, was dort vor Ort liegt“, sagte Sprecher Jurij Ihnat.

Polens Regierung: Rakete stammt aus Flugabwehrsystem S-300

Update vom 16. November, 14.12 Uhr: Die im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine eingeschlagene Rakete gehört nach Angaben der polnischen Regierung zum Flugabwehrsystem des Typs S-300. Am Ort der Explosion in dem polnischen Dorf Przewodow seien Trümmer eines solchen Flugabwehrgeschosses gefunden worden, schrieb Polens Justizminister Zbigniew Ziobro auf Twitter.

Das Modell werde sowohl von der russischen als auch von der ukrainischen Armee eingesetzt. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki sagte, die bisherigen Erkenntnisse ließen mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen, dass es zu der Explosion in der Folge eines Abschusses einer russischen Rakete gekommen sei. Danach sei dann eine in der Sowjetunion hergestellte Flugabwehrrakete, die sich in ukrainischem Besitz befunden habe, auf polnisches Gebiet gefallen.

Polens Präsident und Regierungschef geben nach Raketeneinschlag in Przewodow gemeinsame Erklärung

Update vom 16. November, 13.22 Uhr: „Die Auslösung von Artikel 4 ist vielleicht nicht notwendig“: Das sagte der polnische Regierungschef Mateusz Morawieck nun in einer gemeinsamen Erklärung mit Präsident Andrzej Duda. Die meisten bislang gesammelten Beweise erforderten dafür keine Notwendigkeit.

Zuvor hatte Präsident Duda gesagt, dass der Einschlag kein gezielter Angriff gewesen sei. Es gebe auch keine Beweise dafür, dass die Rakete von Russland abgefeuert worden sei, sondern es handele sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine ukrainische Flugabwehrrakete.

Raketeneinschlag in Polen: Nato sieht keinen Angriff auf Polen

Update vom 16. November, 13.03 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht bei dem Raketenbeschuss auf Polen „keinen Hinweis auf einen vorsätzlichen Angriff“. Das sagte der Politiker auf einer Pressekonferenz in Brüssel nach einer Krisensitzung mit den Nato-Mitgliedsstaaten. Nach der vorläufigen Analyse der Allianz sei „der Vorfall wahrscheinlich durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht“, die zur Abwehr russischer Raketenangriffe abgefeuert worden sei.

Rakete auf Polen: Laut Duda „höchstwahrscheinlich“ von ukrainischer Luftabwehr

Update vom 16. November, 12.26 Uhr: Polens Präsident Andrzej Duda schließt sich der Einschätzung Bidens zum Raketeneinschlag in Polen an: Er stamme „höchstwahrscheinlich“ von der ukrainischen Luftabwehr. „Absolut nichts deutet darauf hin, dass dies ein absichtlicher Angriff auf Polen war“, fuhr Duda vor Journalisten in Warschau fort.

Raketeneinschlag in Polen: Polens Präsident sieht „unglücklichen Unfall“

„Höchstwahrscheinlich war dies eine Rakete, die in der Raketenabwehr eingesetzt wird, das heißt, dass sie von den ukrainischen Verteidigungskräften eingesetzt wurde“, sagte Duda. Laut focus.de mutmaßte er außerdem, dass es sich bei dem Einschlag um einen „unglücklichen Unfall“ handelte.

Raketen-Einschläge in Polen: Präsident Andrzej Duda äußert sich auf einer Pressekonferenz in Polen
Raketen-Einschläge in Polen: Präsident Andrzej Duda äußert sich auf einer Pressekonferenz in Polen © Pawel Supernak/dpa

Raketeneinschlag in Polen: Berlin bietet Warschau Hilfe bei Luftraumüberwachung an

Update vom 16. November, 12.06 Uhr: Die Ampel-Koalition bietet Polen nach dem Raketenbeschuss als „Sofortreaktion“ an, dessen Luftraumüberwachung zu unterstützen. Dies könne bereits „morgen passieren, falls erwünscht“, sagte ein Verteidigungsministeriums-Sprecher. Es gehe dabei konkret um Eurofighter-Flugzeuge der Luftwaffe.

Die Jets müssten dafür nicht nach Polen verlegt werden, sondern die Patrouillen könnten auch von deutschen Basen aus erfolgen. Die Luftwaffe habe dies im laufenden Jahr bereits bis Juli gemacht. „Das ist also bewährt.“ Verteidigungsministerium Christine Lambrecht (SPD) werde dazu heute noch (16. November) das Gespräch mit ihrem polnischen Amtskollegen suchen.

Belgische Regierung: Rakete in Polen gehört vermutlich zu ukrainischer Luftabwehr

Update vom 16. November, 11.45 Uhr: Der tödliche Raketeneinschlag in Polen geht nach Angaben der belgischen Regierung vermutlich auf eine ukrainische Luftabwehrrakete zurück. Die belgische Verteidigungsministerin Ludivine Dedonder erklärte am Mittwoch in Brüssel, nach Informationen der Nachrichtendienste Belgiens, die mit den Diensten der Nato-Partner in engem Kontakt stünden, seien die Einschläge „von ukrainischen Luftabwehrsystemen ausgelöst worden, die zur Abwehr russischer Raketen eingesetzt wurden“.

Explosion in Polen: Raketeneinschlag geht laut Belgiens Regierung wohl auf ukrainische Luftabwehrrakete zurück

Indes hat der polnische Grenzschutz seine Patrouillen an der Grenze zur Ukraine verstärkt. „Die Beamten sind sich der Tatsache bewusst, dass sie alle beunruhigenden Vorfälle sorgfältig analysieren und melden müssen“, sagte die Sprecherin des Grenzschutzes am Mittwoch in Warschau. Die Abfertigung an allen acht Grenzübergängen zu dem östlichen Nachbarland laufe mittlerweile wieder normal, nachdem es in der Nacht auf Mittwoch auf ukrainischer Seite zu einer mehrstündigen Aussetzung gekommen war.

Raketeneinschlag in Polen: Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew warnt vor „Weltkrieg“

Update vom 16. November, 10.44 Uhr: Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat den tödlichen Raketeneinschlag in Polen als westliche Provokation bezeichnet und vor einem 3. Weltkrieg gewarnt.

Ukraine-Krieg: Dmitri Medwedew bei einem Wirtschaftsforum in Moskau im Juni 2022
Dmitri Medwedew, Vorsitzender der Partei Einiges Russland (Archivbild) © Yekaterina Shtukina/dpa

„Die Geschichte mit den ukrainischen ‚Raketenschlägen‘ auf eine polnische Farm beweist nur eins: Der Westen erhöht durch seinen hybriden Krieg gegen Russland die Wahrscheinlichkeit für den Beginn eines Weltkriegs“, twitterte der 57-Jährige nun:

Raketenbeschuss auf Polen: Scholz warnt wie Macron vor voreiligen Schlüssen

Update vom 16. November, 10.11 Uhr: Macron mahnt zu Vorsicht bei Mutmaßungen- und so auch sein deutscher Amtskollege Kanzler Olaf Scholz: „Jede voreilige Festlegung über den Tatsachenverlauf vor seiner sorgfältigen Untersuchung verbietet sich bei einer so ernsten Angelegenheit“, sagte der SPD-Politiker nach dem G20-Gipfel.

Raketeneinschlag in Polen: Bundeskanzler Scholz nimmt Stellung im Interview

„Angesichts der Tatsache, dass ein Krieg in Europa stattfindet, direkt in unserer Nachbarschaft, ist das natürlich etwas, das uns sehr besorgen muss“, bewertete Scholz den Vorfall überdies im Interview mit RTL/ntv.

Scholz verwies darauf, dass die Nachrichtendienste sich ausgetauscht hätten und die USA die polnischen Ermittler unterstützen würden. Er betonte laut dpa aber auch: „Wichtig ist, dass wir alle gleichzeitig klar machen und klar gemacht haben, dass all das ja nicht passiert wäre ohne den russischen Krieg gegen die Ukraine, ohne die Raketen, die jetzt intensiv und in großem Ausmaß auf die ukrainische Infrastruktur verschossen werden.“

S-300-Rakete auf Polen: GB-Premier Sunak verdächtigt Kremlchef Putin

Update vom 16. November, 9.49 Uhr: Der britische Premier Rishi Sunak hat Russland unter Kremlchef Wladimir Putin die grundsätzliche Schuld am Raketeneinschlag in Polen gegeben: „Das Wichtigste ist, anzuerkennen, warum die Ukraine Raketen einsetzen muss, um ihr Heimatland zu verteidigen“, sagte er am Rande des G20-Gipfels zu Berichten über eine ukrainische Flugabwehrrakete. „Es muss sein Heimatland gegen eine illegale und barbarische Angriffsserie Russlands verteidigen.“

Polen-Armee nach Raketenbeschuss: Luftabwehr kann nicht das ganze Territorium schützen

Update vom 16. November, 9.29 Uhr: Der tödliche Beschuss konnte von der Raketenabwehr des Nato-Mitglieds Polen nicht verhindert werden. Das teilte der polnische Generalstab mit. Die Aufgabe der Systeme bestehe darin, kritische Infrastrukturen zu schützen, twitterte die polnische Armeeführung.

„Keine Armee verfügt über ein Luftabwehrsystem, das das gesamte Territorium eines Landes schützt. Ein Raketenangriff zeichnet sich dadurch aus, dass ein ausgewähltes Ziel punktgenau getroffen wird und nicht mehrere Ziele über große Gebiete hinweg zerstört werden“, hieß es weiter.

Explosion in Polen: Nach Raketeneinschlag beruft Warschau Nato-Krisensitzung ein

Update vom 16. November, 8.49 Uhr: Die Nato-Botschafter kommen wegen des Raketeneinschlags in Polen ab 10 Uhr zu einer Krisensitzung zusammen. Das berichtet der Spiegel. Das Treffen beruhe auf Artikel 4 der Allianz, hieß es weiter. Der besagt, dass jedes Nato-Mitglied die anderen Mitglieder zu Konsultationen zusammenrufen kann - was Polen am Vorabend getan habe. Mit dem Nato-Artikel 5, also der Ausrufung des Bündnisfalls, habe dies zunächst jedoch nichts zu tun.

Raketeneinschlag in Polen: Erdogan fordert Aufklärung

Update vom 16. November, 8:02 Uhr: Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich entschieden für eine restlose Aufklärung des Raketeneinschlags mit zwei Toten in Polen ausgesprochen. Nachforschungen seien unerlässlich, erklärte Erdogan laut türkischer Kommunikationsdirektion beim G-20-Gipfel auf Bali. Demnach müsse er die Aussagen Russlands, nichts mit dem Einschlag zu tun zu haben, respektieren.

Explosion in Polen: Kiew spricht von „Russlands Raketenterror“ – Kuleba fordert harte Reaktion

Update vom 16. November, 7.02 Uhr: Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat eine harte und „prinzipienfeste“ Reaktion auf den Raketeneinschlag in Polen gefordert. Das habe er bei einem Telefonat mit US-Außenminister Antony Blinken deutlich gemacht, twitterte Kuleba nun und verurteilte dabei „Russlands Raketenterror“.

Raketeneinschlag in Polen: Macron-Regierung mahnt zu „größter Vorsicht“ bei Mutmaßungen

Update vom 16. November, 6.44 Uhr: Frankreich unter Präsident Emmanuel Macron hat vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Die Frage, wer das Geschoss auf Polen abgefeuert habe, müsse mit „größter Vorsicht“ erörtert werden, erklärte der Elysée-Palast nun. „Viele Länder verfügen über die gleiche Art von Waffen, so dass die Identifizierung des Raketentyps nicht unbedingt Aufschluss darüber gibt, wer dahinter steckt.“ Der Elysée warnte vor „erheblichen Risiken einer Eskalation“.

Tödliche Explosion in Polen: Biden spricht von Hinweisen auf ukrainische Abwehrrakete

Update vom 16. November, 6.09 Uhr: Laut Joe Biden gibt es nach dem Raketeneinschlag in Polen Hinweise darauf, dass es sich bei dem Geschoss um eine Flugabwehrrakete aus der Ukraine handelt. Dies teilte der US-Präsident nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa beim G20-Gipfel 2022 mit. Er soll demnach von einer Rakete des Systems S-300 gesprochen haben.

G20-Gipfel in Indonesien: Joe Biden mit anderen Staatschefs auf Bali
Joe Biden (vorne links) mit weiteren Staatschefs auf Bali © Steffen Hebestre/Bundesregierung/dpa

Update vom 16. November, 01.28 Uhr: Nach dem Einschlag einer Rakete russischer Produktion in Polens Grenzgebiet zur Ukraine gibt es nach Angaben von Präsident Andrzej Duda bislang noch keine eindeutigen Beweise dafür, wer sie abgefeuert hat. Ob eine „Rakete aus russischer Bauart“ eingeschlagen ist, die im Zuge des Ukraine-Kriegs im Grenzgebiet abgefeuert worden war, ist noch nicht endgültig geklärt.

Ukraine-Krieg: Raketeneinschlag in Polen – Präsident Duda sieht noch keine Beweise dafür, wer Rakete abgefeuert hat

„Wir wissen, dass es praktisch den ganzen Tag über einen russischen Raketenangriff auf die Ukraine gegeben hat, aber wir haben derzeit keine eindeutigen Beweise dafür, wer die Rakete abgefeuert hat. Die Ermittlungen laufen“, sagte Duda am frühen Mittwochmorgen zu dem Vorfall, der eine weitere Eskalation im Ukraine-Krieg heraufbeschwören könnte. US-Präsident Joe Biden habe ihm bei der Aufklärung des Vorfalls die Hilfe amerikanischer Experten zugesagt.

Botschafter wird wohl nach Raketeneinschlag in Polen das Verfahren nach Artikel 4 im Nato-Vertrag einleiten

Duda sagte, Polens Botschafter bei der Nato werde voraussichtlich den Antrag stellen, die Verfahren nach Artikel 4 des Nato-Vertrags einzuleiten. Artikel 4 sieht Beratungen der Nato-Staaten vor, wenn einer von ihnen die Unversehrtheit seines Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht sieht, was zu einer zusätzlichen Zuspitzung im Ukraine-Krieg und der aktuellen Lage im Krieg zwischen Russland und Ukraine führen könnte .

Ukraine-Krieg aktuell: Zwei Tote nach Raketen-Explosion in Polen – Experte bei der Aufklärung behilflich

Update vom 16. November, 00.43 Uhr: Polens Premier Morawiecki hat sich nach dem Tod von zwei Personen beim mutmaßlichen russischen Raketenangriff den Kameras gestellt. Es werde weiter zu den Hintergründen der Explosion in Przewodow ermittelt, erklärte Morawiecki - dabei seien polnische ebenso wie internationale Experten am Werk. Bis es Ergebnisse gebe, habe man die Überwachung des Luftraumes verstärkt - darauf bezieht sich auch die schon angekündigte Erhöhung der militärischen Bereitschaft im Wesentlichen.

Explosion in Polen nahe Grenze zur Ukraine. Polens Premier bestätigt Rakete aus russischer Produktion.
Polens Premier Morawiecki erklärt in einem Statement, dass die Rakete wohl aus russischer Produktion stamme, warnte aber zugleich vor voreiligen Schlüssen. © Radek Pietruszka / dpa

Er betonte auch, dass es Überlegungen zu einem Ansuchen um Artikel 4 des Nato-Vertrages gebe. Und er bestätigt die Einberufung des russischen Botschafters. Zudem ruft er alle Menschen in Polen auf, Ruhe zu bewahren.

Tödliche Raketeneinschläge in Polen: Verstärkung der Luftraumüberwachung – Warnungen vor Fake News im Ukraine-Krieg

Abseits der Verstärkung der Luftraumüberwachung nach den tödlichen Raketeneinschlägen in Polen warnte Morawiecki in seiner Stellungnahme vor Fake News, die sich auch aufgrund der aktuellen Entwicklung im Ukraine-Krieg schnell verbreiten könnten. „Seien Sie bitte vorsichtig, konzentrieren Sie sich nur auf Fakten, auf das, was wir wissen, und auf das, was unsere Verbündeten wissen“, betonte Polens Premier. Darüber hinaus wies er im Nachgang darauf hin, dass Chaos und Propaganda eine der bevorzugten Waffen des Kremls und Russlands Präsidenten Wladimir Putin seien.

Ukraine-Krieg: Polen beruft russischen Botschafter ein und spricht von Rakete „aus russischer Produktion“

Update vom 16. November, 00.36 Uhr: Schon vor dem Statement von Morawiecki hat Polens Außenministerium bekannt gegeben, dass man den russischen Botschafter einberufen habe. Des Weiteren heißt es in der Mitteilung, es sei eine „Rakete aus russischer Produktion“ in Polen eingeschlagen.

Nach Raketeneinschlag in Polen: Polens Staatschef telefoniert mit Kanzler Scholz

Update vom 16. November, 00.30 Uhr: Zugleich noch eine weitere Meldung aus Warschau: Nach Nato-Generalsekretär Stoltenberg, US-Präsident Biden und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj telefoniert Polens Staatschef Andrzej Duda nun mit Deutschlands Kanzler Olaf Scholz.

Laut Regierungssprecher Steffen Hebestreit versicherte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Polen nach der tödlichen Explosion im Grenzgebiet zur Ukraine die Unterstützung Deutschlands. Darüber hinaus habe der Kanzler dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in einem Telefonat sein Beileid bekundet, twitterte Hebestreit in der Nacht zum Mittwoch. Deutschland stehe „eng an der Seite unseres Nato-Partners Polen“, während ein Bundeswehr-Papier auftaucht, das den Krieg an der Nato-Ostflanke skizziert.

Nach mutmaßlichem Raketeneinschlag in Polen: Nato trifft sich wohl bereits am Mittwoch zur Krisensitzung

Update vom 15. November, 23.37 Uhr: Polen hatte am Abend nach dem mutmaßlichen russischen Raketeneinschlag auf polnischem Boden bereits angekündigt, zu prüfen, ob sie Artikel 4 der Nato-Charta in Kraft setzen werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist die Entscheidung in Warschau schon gefallen: Unter Bezug auf nicht genannte Diplomaten teilte Reuters mit, dass die Vertreter der Nato-Staaten sich bereits am Mittwoch auf Bitte Polens zu einem Gipfel einfinden werden.

Ukraine-Krieg: Nato-Generalsekretär Stoltenberg will erst alle Fakten klären und warnt vor vorschnellen Reaktionen

Update vom 15. November, 23:30 Uhr: Nato-Generalsekretär: Jens Stoltenberg hat nach den Berichten über die Raketeneinschläge in Polen vor voreiligen Schlüssen über eine Eskalation im Ukraine-Krieg und vorschnellen Reaktionen gewarnt: „Wichtig ist, dass alle Tatsachen festgestellt werden“, schrieb Stoltenberg nach einem Telefonat mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda auf Twitter. „Die Nato beobachtet die Situation, und die Bündnispartner stimmen sich eng ab“, betonte Stoltenberg.

Dabei erwähnte der Nato-Generalsekretär weder die Raketen noch den mutmaßlichen Absender der Raketen: Russland. Stattdessen redete er von einer „Explosion in Polen“. Gleichzeitig zeigte Stoltenberg sich zunächst wenig überzeugt von einem „sofortigen“ Nato-Gipfel, den der ukrainische Außenministers Dmytro Kuleba gefordert hatte. Die Ukraine gehört der Militärallianz nicht an.

Mutmaßlicher russischer Raketeneinschlag in Polen: Nato bezieht Stellung

Nach den Medienberichten über einen möglichen Einschlag einer oder mehrerer russischer Raketen in einem Dorf in Polen hat die Nato zunächst jede Stellungnahme zum Vorfall vermieden. Inoffiziell hieß es nach Angaben des RND aus dem Hauptquartier des Militärbündnisses, dass eine angemessene Reaktion des westlichen Bündnisses Klarheit über die Herkunft der Geschosse voraussetze und die Frage, ob sie vorsätzlich in Richtung Polen gelenkt worden seien. Bei den anstehenden Untersuchungen gehe es neben der Identifizierung der Trümmerteile nach dem Raketeneinschlag in Polen ebenfalls um die Rekonstruktion der Flugbahn.

Nach dem Vorfall scheint zunächst die Annahme in Nato-Kreisen zu bestehen, dass es sich um russische Raketen handelt, „die einfach zu weit geflogen sind“. Die Nato beobachte immer wieder im Ukraine-Krieg, dass russische Raketen nicht in ihren programmierten Zielen einschlagen.

Raketeneinschlag in Polen: „Wenn die Russen viel abfeuern, geht auch viel daneben“ – Eskalation abwenden

„Es ist einfach so: Wenn die Russen viel abfeuern, geht auch viel daneben“, sagte ein Beamter, der unter der Bedingung sprach, dass er nicht namentlich zitiert wird, dem RND. Eine mögliche Unabsichtlichkeit entschuldige aber nicht, dass nun möglicherweise erstmals Menschen auf dem Territorium der Nato durch russische Raketen zu Tode kamen.

Explosion in Polen nahe Grenze zur Ukraine. Die polnische Polizei kontrolliert die Straßen.
Nach einer Explosion mit zwei Toten in einem Dorf im Grenzgebiet zur Ukraine ist auch die polnische Polizei in erhöhter Alarmbereitschaft. © Str/AP/dpa

Nach Angaben des RND hieß es am Abend, dass die Nato die russische Militärführung auf geeigneten Kanälen mit dem Ernst der Lage vertraut machen werde. Diese Kanäle seien hoffentlich auch geeignet, eine nach diesem Zwischenfall drohende Eskalation zu vermeiden.

Ukraine-Krieg: Mutmaßlicher russischer Raketeneinschlag in Polen – Außenminister fordert Nato-Gipfel

Update vom 15. November, 23:15 Uhr: Nachdem womöglich fehlgeleitete russische Raketen nahe der ukrainischen Grenze auf polnischem Gebiet eingeschlagen sínd, fordert die Ukraine eine geeinte Reaktion der Nato gegen Russland. Angesichts der sich zuspitzenden Lage im Ukraine-Krieg durch die Tatsache, dass bei den Explosionen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Dorf Przewodów nahe der ukrainischen Grenze zwei Menschen getötet worden sind, solle ein Nato-Gipfel unter Teilnahme der Ukraine über mögliche Schritte und Maßnahmen beraten. Dies schlug der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba vor.

Darüber hinaus knüpfte der Selenskyj-Minister seine Aussage an die Forderung nach besserer Flugabwehr und US-Kampfjets der Typen F-15 und F-16 für Kiew. „Heute bedeutet Schutz für den Himmel der Ukraine auch Schutz für die Nato“, ließ Kuleba auf Twitter verlauten.

Mutmaßlicher Raketeneinschlag nahe Grenze zur Ukraine: Polen versetzt Militär in Alarmbereitschaft

Erstmeldung vom 15. November, 19.43 Uhr: Przewodów - In einem polnischen Dorf nahe der Grenze zur Ukraine sind laut mehreren Medienberichten zwei russische Raketen eingeschlagen. Zwei Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki berief daraufhin den Ministerrat für nationale Sicherheit und Verteidigung ein. Kurz nach 22 Uhr verkündete die Regierung dann, dass im gesamten Land das polnische Militär in erhöhte Bereitschaft versetzt werde.

Die Ursachen dieses Ereignisses sind im Moment nicht bekannt, sagt der Sprecher des Kreishauptquartiers der staatlichen Feuerwehr in Hrubieszów, Marcin Lebiedowicz. Die Nachrichtenagentur AP berichtet, ein US-Geheimdienstmitarbeiter habe bestätigt, dass es sich um russische Raketen gehandelt habe. Von offizieller Seite bestätigt wurde dies aber noch nicht. Bei den Raketen könnte es sich um verirrte Geschosse handeln.

Raketeneinschläge in Grenzgebiet: Polen und Ungarn berufen nationale Sicherheitsräte ein

Auch Ungarn berief am Abend den nationalen Sicherheitsrat ein. Das kündigte Zoltan Kovacs, Minister in Viktor Orbans Regierung, an. Neben der Lage in Polen soll der Stopp der Öllieferungen durch die Pipeline Druschba Thema bei dem Dringlichkeitstreffen sein.

Außenministerin Annalena Baerbock zeigte sich betroffen über die Explosion in Polen. „Meine Gedanken sind bei Polen, unserem engen Verbündeten und Nachbarn“, schrieb die Grünen-Politikerin am Dienstagabend auf Twitter. „Wir beobachten die Situation genau und stehen in Kontakt mit unseren polnischen Freunden und Nato-Verbündeten.“ 

Raketeneinschläge in Polen: Selenskyi beschuldigt Russland und warnt - „Wir müssen handeln“

Der lettische Verteidigungsminister bekundete ebenfalls auf Twitter sein Mitgefühl: „Mein Beileid an unsere polnischen Waffenbrüder. Das kriminelle russische Regime feuerte Raketen ab, die nicht nur auf ukrainische Zivilisten abzielten, sondern auch auf NATO-Territorium in Polen landeten. Lettland steht voll und ganz hinter den polnischen Freunden und verurteilt dieses Verbrechen.“

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj beschuldigte Russland, Raketen auf den Nato-Staat Polen abgefeuert und damit eine „sehr erhebliche Eskalation“ herbeigeführt zu haben. Das Abfeuern von Raketen auf NATO-Territorium sei „ein Angriff Russlands auf die kollektive Sicherheit“, sagte der ukrainische Präsident: „Wir müssen handeln.“ Je länger sich Russland unanfechtbar fühle, desto größer würden die Bedrohungen für alle, die sich in der Reichweite russischer Raketen befänden.

Zwei Raketen schlagen in polnisch-ukrainischem Grenzgebiet ein - zwei Tote

Das Dorf Przewodów, in dem die Raketen einschlugen, liegt nah an der Grenze zwischen Polen und der Ukraine. Russland hatte am Dienstag massiv Raketen auf die Ukraine abgefeuert, Ziel der Angriffe war unter anderem auch die Stadt Lwiw, die lediglich rund 70 Kilometer entfernt von Przewodów liegt.

Explosion in Polen nahe ukrainischer Grenze. Przewodów liegt acht Kilometer von der Ukraine entfernt.
Explosion in Polen nahe ukrainischer Grenze. Przewodów liegt acht Kilometer von der Ukraine entfernt. © Grafik: A. Brühl, Redaktion: J. Schneider (dpa)

Der Vorfall könnte schwerwiegende Folgen haben, Polen ist Mitglied in der NATO. Bislang hatte das Verteidigungsbündnis betont, nicht mit eigenen Truppen am Ukraine-Krieg teilnehmen zu wollen. Die NATO kündigte am Abend an, die Berichte über die Explosionen zu prüfen.

Laut Medienberichten: Raketen schlagen in Polen ein - NATO prüft Berichte

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, schrieb auf Twitter über den Vorfall: „Nicht nur haben russische Raketen offenbar Polen und damit NATO-Gebiet getroffen, sondern auch zu Toten geführt. Das ist das Russland, mit dem hier einige offenkundig und absurderweise immer noch ‚verhandeln‘ wollen.“ Sie fordert: „Der Kreml und seine Insassen müssen sich umgehend erklären.“

Das russische Militär wies derweil die Berichte über den Absturz angeblich russischer Raketen nahe der Grenze zur Ukraine als „gezielte Provokation“ zurück. Es seien keine Ziele im ukrainisch-polnischen Grenzgebiet beschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Dienstagabend mit. Auch die in polnischen Medien verbreiteten Fotos angeblicher Trümmerteile hätten nichts mit russischen Waffensystemen zu tun, hieß es. (fmü)

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